Abgebildte güldne Liebes-Bach Bey Hn. A. G. J. U. C. u. Fr. J. M. S. g. L. Hochz...

By Heinrich Mühlpfort

Vermählte lebt und blüht bey den berühmten Linden

Und nehmt geneiget an diß schlechte Myrten-Blat

So umb den Oder-Strom ein Freund gebrochen hat

Der sich zu eurem Dienst auf ewig will verbinden.

Ist keine Zierligkeit der Wörter hier zu finden

So denckt die Liebe wird vom reden niemahls satt.

Es mag die Anmuth selbst erfüllen meine statt

So eure Seelen kan in treuster Glut entzünden.

Es müsse weil ihr lebt auß Zucker-Röhren rinnen

Der liebe süsse Bach was bey der Sonnen-Blut

Ein lieblich-kühler Brunn den Reisenden sonst thut

Das werdet fort für fort bey euren Flammen innen.

Ja wo ein kurtzer Wunsch kan viel bey sich beschliessen

So wünsch ich Glück und Zeit müß euch nach Willen fliessen.

Die Göttin so die Welt der Liebe Mutter nennet

Die Reitzerin der Lust der Liebligkeiten Kern

Der Schönheit Inbe griff der Anmuth holder Stern

Die Venus der wie Wachs die zarte Jugend brennet

Der nicht nur Amathunt und Gnidens Tempel rauchet

Die aller Menschen Hertz zum Opffer-Tisch gebrauchet

Rief einst als sich bey ihr die Liebes-Engel funden

Und jede Gratie zu dienen war bereit

Wie? Liebsten Kinder wie verschliessen wir die Zeit

Verschertzen unsern Ruhm verspielen alle Stunden?

Soll unser Heiligthum so gar verlassen stehen

Wenn fetter Weyhrauch glimmt auff des Parnassus Höhen.

Kan nur der Helicon und Jda nicht mehr gelten

Da mir der Paris doch den güldnen Apffel gab?

Nimmt meine Herrligkeit bey Menschen so gar ab

Daß auch die Schönheit darff ein scheles Auge schelten

Und pocht Apollo so mit wolgerathnen Söhnen

Ergetzt sie eintzig nur der Quell von Hippocrenen?

Ists Castalis allein woraus Vergnügung rinnet?

So schwer’ ich bey dem Blitz so aus den Augen läufft

Uud bey dem güldnen Haar das umb die Schläffe schweifft

Wo nicht mein kleiner Sohn noch heute was beginnet

Das meinen hohen Ruhm mit Sieges-Kronen zieret

Es ist nicht Phöbus nur der Pfeil und Bogen führet.

Auff! brennt die Ampeln an ich muß mein Fest begehen

Schafft daß ein ewig Licht in den Crystallen strahlt

Daß Tempel und Altar ein steter Frühling mahlt

Und ruffet mir das Volck der schönen Phylureen

Die Sonnen dieser Zeit die liebens-werthe Wunder

Die Töchter voller Lust getreuer Hertzen-Zunder!

In einem Augenblick sah man die nackten Knaben

Was anbefohlen war gebührende vollziehn.

Der brachte Myrthen her und lebend Wintergrün

Die musten Pfeil-geschwind nach Taub und Schwanen draben.

Der hieng den Gürtel auf geweyhter Heimligkeiten

Als andre Zimmet-Oel und Balsam umb sich streuten

Es fiel ein grosses Volck der Göttin zu den Füssen

Es schien das Zimmer so als wenn bey stiller Nacht

Mit tausend Sternen sich der Himmel gülden macht;

Jedwedes mühte sich der Venus Hand zu küssen

Voll feuriger Begier den Vorzug zu erlangen

Die Flamme fraß das Hertz und schwebt auf Mund und Wangen.

Ein winselndes Geschrey entdeckte die Begierden

Die grosse Thränen aus als Perlen voller weh

Die schickte Seufftzer fort durch Lüffte Land und See

Die klagte daß verblast der Jugend beste Zierden:

Theils rufften Rach’ auf Rach’ weil ihr verbündlich lieben

Der Meineyd aufgelöst die Falschheit hintertrieben.

Man sah’ kein Opffer zwar das sichtbar abzuschlachten

Und Erycina selbst liebt nicht vergossen Blut.

Jedoch zertheilte sich der Ampeln heilge Glut

Als sie ich weiß nicht wen zu ihrem Throne brachten

Biß Cypripors sein Mund durch Rätzel hat entdecket:

Es sey die

Was liebste Tochter sprach die Paphie mit lachen

Fällt dich vor Kranckheit an gleich jetzo da ihr Fest

Die Gött in aller Lust hochfeyrlich halten läst

Wilt du mein Freuden-Schloß zum Trauer-Hause machen?

Der Glieder lieblich May der Frühling warmer Jahre

Dient mehr ins Hochzeit-Bett als auf die kalte Bahre.

Indeß sinckt Margenis entkräfftet gantz darnieder

Sie fühlt den heissen Brand in Marck und Adern gehn

Sie kan den Regungen des Bluts nicht widerstehn:

Es kühlt sie keine Lufft vom rauschendem Gefieder

Deß zarten Liebes-Volcks der tieffen Seufftzer Menge

Bezeugt der Hitze Macht des matten Hertzens bänge.

Die Phylureen stehn mit bleicher Angst umbgeben

Sie nehmen Rath und That zu retten vor die Hand

Nicht eine hat den Quell der Kranckheit recht erkand

Und weiß deß Ubels Keim und Wurtzel außzuheben

Jhr Angesicht deckt Schnee das Hertze kocht von Flammen

Wie reimt bey Siechen sich denn Frost und Glut zusammen?

Hier kan kein Bezoar noch Lebens-Balsam dienen

Es hilfft kein Esculap mit der bewehrten Kunst

Was sonst das Hertze stärckt das ist nur hier umsonst.

Die Seele vom Corall das Oele von Jesminen.

Wie hoch die Nymfen sich der krancken Cur befliessen

Je tieffer hat der Schmertz von neuem eingeriessen.

Erbarmung öffnete der Venus hohe Lippen:

Geh Hymen sprach sie geh! der Liebe heissem Feur

Kommt oft ein kühler Trunck aus einer Bach zu Steur

Du kennst den reinen Strom der klaren Aganippen

Schöpff auß Pirenens Bach und der Medusen-Bronnen

Und wo sonst weiter kommt ein heller Quall geronnen.

Nein rief der Braut-Gott nein mit sitsamen Gebärden

Ach Hertzens-Wenderin der Brunnen ihr Crystall

Ist jetzt mit tieffem Schnee bedecket überall

Des Winters kalter Nord verschleust die Schoß der Erden.

Du der selbst die Natur muß zu Gebote stehen

Kanst eintzig nur mit Hülff und Rath entgegen gehen.

Wo find ich eine Fluth die Liebes-Flammen leschet

Verwandle wie du pflegst den Winter in den May

Den Schnee in bunten Klee schaff einen Brunn darbey

Und Silber-klaren Bach der seine Ufer wäschet

Mit lispelndem Geräusch und unter Blum und Kräutern

Sucht den beredten Lauff anmuthig zu erweitern.

Was Aberwitziger wilt du Gesetze geben

Mir die ich auch den Gott deß Donners zwingen kan

Hub Venus fast erzürnt mit harten Worten an:

Durch mich soll

Trotz aller Musen Quell! Seht auf ihr Charitinnen

Das Wunder meiner Hand den schönen

Es schien der linde West Narcissen auß zu blasen

Ein kräfftiger Geruch den Ort gantz zu umziehn;

Man sah die Bäume krauß die Rosen-Sträuche blühn

Der Spiegel-helle Bach floß durch den grünen Rasen.

Als

Und durch die Amorn hin zu dieser Flut gedrungen.

Ach! rief sie

Quell der mich sterbende auß Charons Nachen reist!

Fluth die mit Lebens-Thau benetzet meinen Geist!

Strom mit dem alle Lust und Liebe kommt geschwommen!

Bach die den Ursprung hat auß den Elyser Feldern

Dem irrd’ schen Paradiß und hoch geprießnen Wäldern.

Sie ließ den Marmor-Leib in die geliebten Wellen

So scheint die Lilie durch ein Venedisch Glaß

Als Augen Mund und Brust umfloß das

Und fieng sich Buhlern gleich im küssen anzustellen

Bald spielt es umb den Mund bald lieff es umb die Brüste

Als wenn ein

Jhr Götter last die Lust auf ewig mich geniessen

Jhr die ihr selbst geliebt wist was die Liebe thut

Mir dringt durch Marck und Bein die angenehme Fluth.

Ach könt ich wie ein Bach in gleicher Lust zerfliessen!

Rief

So daß die Flut mehr Glut und Zunder hat empfangen.

Was schaft die Venus nicht? die Bach kriegt Arm und Glieder

Es fühlt die Margenis die Lippe so sie küst

Sie schmeckt das Zucker-Brod das ihren Mund versüst

Und gibt den treuen Kuß mit reichem Wucher wieder.

Sie merckt daß diese Bach den Namen nur geführet

Und daß den wahren Schatz sie in den Armen spüret.

Wol sagte Paphia erkennet meine Wercke

Nehmt die Verwandlungs-Kunst

Wird Jupiter ein Stier und bald ein weisser Schwan

So ist mein Scepter ja nicht von geringrer Stärcke.

Hat doch Dodonens-Brunn die Fackeln ängezündet

Und Brunnen fliessen noch die man recht siedend findet.

Es pocht America auf seine güldne Bäche

Herr Goldbach schönste Braut behält bey ihr den Platz.

Nicht reich Brasilien sie eintzig ist sein Schatz;

Und daß als Göttin ich mein Urtheil drüber spreche

So kan den Gold-Sand zwar die lange Zeit aufreiben

Getreue Liebe wird in Ewigkeit verbleiben.

Es thau’n euch fort für fort deß Glückes güldne Tropffen

Die Parcen winden euch den Lebens-Drat von Gold

Lebt Treu-vermählte lebt in unzertrennter Hold

Es könne nicht der Neid der Liebe Quell verstopffen.

Geniest der süssen Ruh durch so viel güldne Jahre

Als Stralen um mein Haupt und Perlen-schwangre Haare.

Mein Fest ist recht gefeyrt wir haben überwunden

Sprach Venus last uns bald zu voller Taffel gehn

Der Ganymedes soll uns heut zu Dienste stehn.

Wünscht den Verliebten wünscht ihr Amorn güldne Stunden

Und daß sich diese Nacht in einem güldnen Regen

Der Bräutgam zu der Braut wie Jupiter mag legen.