Abriß eines verliebten
By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Er ist ein krancker den ein stündlich fieber plaget
Ein jäger so allzeit nach einem hirsche jaget
Ein wetterhan der stets nach einem winde steht
Ein schif so ungehemmt nach Cypris hafen geht.
Ein märterer der brunst den freund und feind belachet
Ein Morpheus der ihm selbst bey tage träume machet
Ein arm gefangener der seine fessel liebt
Und seinen hencker ehrt wenn er ihm streiche giebt.
Ein Aetna der voll glut läst flut und ströme fliessen
Ein hungriger der bloß will rohes fleisch geniessen
Ein welt-Sebastian den Venus schütze trifft
Ein rechter Adams-sohn den frauen-hand vergift.
Er wird ein ander kind läst ernste sachen fahren
Ein haar ein altes band sind seine besten wahren
Itzt baut er etwas auf itzt reist ers wieder ein.
Itzt muß Democritus der sitten meister seyn
Itzt ist es Heraclyt. Das hertze so er führet
Vergleicht sich dem metall das ein magnet gerühret.
Sein Himmel ist ihr haupt die erd ist ihre schoos.
Hier anckert seine lust es wird der erden kloß
Der überweißte koth dem himmel vorgesetzet
Und ist ihr auge mehr als Venus selbst geschätzet,
So wundre ich mich nicht daß man das weib veracht
Weil sie die erste pein zu erst hat aufgebracht.
Sein essen ist ein kuß sein tranck sind heisse thränen
Die zeit verjaget er mit seuffzen und mit stehnen.
Und wann ihm etwan träumt wie er die liebste find
So hat er nichts als luft und küsset nichts als wind.
Denn träume buler wind sind gleiches thuns gesellen;
Sein schlafen darf er nicht nach einem wecker stellen;
Indem die weckerin so in dem hertzen steckt
Ihn besser als er wünscht aus seinem schlaff erweckt
Und seinen schmertzen rührt. Zu dornen wird das bette
Mit denen wachet er im lager in die wette
Und führt der thränen strom um seine wangen her
Bald will er aus der welt bald will er über meer
Und muß doch wie zuvor in seinem hause bleiben
Muß lernen wie sein rath nicht stetig wil bekleiben
Wie erstlich bulerey und die gewölckte nacht
Auf anschlag aber nicht auf ausschlag ist bedacht:
So läst er ohne ruh sich fremde sachen lencken
Läst in gesunder haut sich seine schwachheit kräncken
Liebt nach und finsterniß bey sonne und bey licht;
Ist wie ein schweres schiff dem der compas gebricht.
Und daß ich nicht zu viel von einer sache sage
Die allen ist bekandt als allgemeine plage
So muß der vorhang weg: das mahlwerck ist vollbracht
Hier hat der mahler selbst sein ebenbild gemacht.