Abschied von der Gesellschafft zum weltlichen Einsiedler
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
Ich muß nun von dir scheiden
Bißher geliebtes Hauß
Ein angenehmes Leiden
Treibt mich von hinnen aus.
Bezwungner Andacht Brunst
Läst schlechte Glutt verspüren
Viel stärcker Feuer führen
Freywillge Gunst und Gegen-Gunst.
Was man befohlen thut
Geht nimmer so von statten
Als was ein freyer Mutt
Uns pfleget einzurathen.
Viel lieber will ich seyn
Verbunden biß zur Bahre
Als auff gewisse Jahre
Umsonst in Dienst mich lassen ein.
Wie kan ein einig Kuß
Mir voll Vergnügen geben
Wenn andrer Uberfluß
Mir muß für Augen schweben
Wenn andre ziehen ein
Mit ungezählten Zahlen
Was mir zu vielen mahlen
Kaum einfach will vergünstigt seyn.
Mag unsrer Schlüsse Pflicht
Celind und andre brechen
Die mir erlauben nicht
Sie küssend anzusprechen.
Wie will man mich allein
Zur Straff und Schuld vebünden
Da andrer ihre Sünden
Noch frey und ungebüsset seyn?
Wer wird Gelübd erfüllen
Die man nicht halten kan?
Man nimmt den gutten Willen
Hier vor die Würckung an.
Zu leben gantz für sich
Ohn Tisch- und Bettgenossen
Seyn einsam eingeschlossen
Ist ein zu schweres Thun für mich.
Will man gleich meinen Sinn
Voll Wanckelmutt beschreiben
Ich werde wie ich bin
Doch hier ein Diener bleiben.
Man lasse mit der Zeit
Mein Amaranthe sagen
Ob sie wird können klagen
Von meiner Unbeständigkeit.