Abschieds-Brief an seine vorgewesene Liebste/

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Beliebte Nimm diß Blat mit solchen Augen an

In deren Strahlen ich die Tugend lesen kan;

Und dencke daß dein Hertz mit Unrecht Feindschafft heget

Da der dem du nicht schreibst noch Freundschaft zu dir träget.

Ich bin dir noch geneigt ob deine wehrte Hand

Mir in zwölf Wochen gleich kein Schreiben zugesandt.

Ich muß indem du schweigst auch für dich selber sprechen

Und heiße wohlgethan was sonsten ein Verbrechen.

Ich glaube lieben ist Abwensend schlecht verguügt

Und daß in deinem Sinn was neues wieder liegt.

Was man sich angewehnt und süß dabey gefunden

Davon wird man hernach mit Marter nur entbunden

Viel besser sich vergnügt viel besser fort geliebt.

Biß uns die Liebe selbst im Alter Abschied giebt.

Viel süsser rennest du in deinen Liebes Schrancken

Als daß dein Hertz sich qvält mit welchen Buß-Gedancken.

Drum so vergnüge dich; ich wünsche Glück darzu.

Und die ich vorgeliebt war keine Seel als du.

Nun aber da wir uns nicht gegenwärtig grüssen

Und du mich erst vergißt werd ich auch wechseln müssen.

Es ist die Höhre Macht die unsre Gluth verstöhrt

Weil wir uns mehr geliebt als wie wir sie verehrt.

Indessen scheint es doch daß noch was auf der Erden

Da ich durch andere wie du vergnügt kan werden.

Es ist – – – Jedoch ich schweig' ich will erst glücklich seyn

Ehr geh ich jetzo nicht ein völlig Bündniß ein.

Wenn nun mein Hertz in sich ein ander Hertz geschlossen

So glaube daß es dich nicht gäntzlich hat verstossen.

Nein glaube nennet man – – –

So sag' ich daß ich noch ihr Freund und Diener bin.

Der Nahme der Person soll im Gedächtniß schweben

Mit der ich sonst gewünscht verehliget zu leben.

Ich wuste nichts als guts: doch – – glaube diß darbey

Spricht man daß ich in dich verliebt gewesen sey;

Und nennt dich ohngefehr ein freyes Frauenzimmer

So schwer ich ewig nein und ich gesteh es nimmer.

So ist und bleibet es ich bin dein wahrer Freund

Allein der – – – ihr abgesagter Feind.

Wer sich von dieser Art die sündlich ist nur nennet

Der machet daß in mir auf ihn der Eyfer brennet.

Geht ihr Gedancken geht. Zufrieden leb ich nun

Der Himmel kan gewiß mit mir nicht besser thun.

Ich glaube dich vergnügt so glaube mich zufrieden

Gott hat doch jedem noch sein rechtes Theil beschieden.

Weil aber zürne nicht daß ich was bitten muß

Bey deiner Lebens Art so manch galanter Fuß

Dein Zimmer itzt betritt und dich pflegt abzuhalten

An mich die Freundschaffts-Pflicht im Schreiben zu verwalten:

So bitt ich dencke doch ob was ich einst gethan

Bey deinem Schränckgen nicht ein andrer gleichfals kan.

Der mit der Kunst vieleicht weiß besser umzugehen

Und durch die Briefe dürft in manch Geheimniß sehen.

Und daß man sie verbrennt will ich auch warlich nicht.

Nun weist du schon worauf mein Bitten ist gericht.

Die gantze Welt hälts so: daß wenn man nicht mehr liebet

Aus Tugend man zurück was erst die Liebe giebet.

Das Deine soll zugleich der Post geliefert seyn:

Denn alte Liebe bringt nur böse Grillen ein.

Was uns der Himmel wehrt und wir auch selbst verachten

Das ist auch nicht vergönnt im Bildniß zu betrachten.

Wer siehet dencket nach; durch dencken sündigt man.

Ach Gott! daß ich nicht gleich was aus mir reißen kan!

Wer in der Aschen wühlt kan leichtlich Funcken finden

Die in Gedancken auch zur großen Sünd' entzünden.

Geliebte lebe wohl der Titul kömt dir zu

Wer war vor einem Jahr so angenehm als du?

Daß nun die Liebe bricht macht selber unsre Liebe:

Du weist beständig sind nur Himmel reine Triebe.

Zur Ehestandes Lust reimt sich kein ledig seyn:

Denn letzlich schläget doch ein hart Gewissen drein.

Immittelst wünsch ich dir ein reineres Vergnügen

Und daß du alles magst nur nie ein Unglück kriegen.

Gedencke denckest du zuweilen auch an mich

Der Mensch hat mich geliebt doch nun bekehrt er sich.

Ja dencke wenn dem Hertz soll Himmels-Trauben lesen

Was wir nun sollen seyn und nicht was vor gewesen.