Abschieds-brieff Herrn O. L. G. K. an Fr. C. V. S.
Mein letzter abschieds-brieff wirfft sich zu deinen füssen
Vergönne seiner noth ein gnädig angesicht;
Mehr thränen siehest du als schwartze dinte fliessen
Das siegel ist das blut so aus den wunden bricht.
Ich weiß nicht ob er dir erbarmniß wird erwecken
Diß weiß ich daß ich es mehr als zu viel verdient
Nicht zwar daß mich die furcht des todes solt erschrecken
Nein! diß betrübt mich nur daß lieb im hertzen grünt.
Ach möcht ich diesen trost vor meinem ende hören
Die englische Charlott’ erbarmt sich meiner noth
So wolt ich alles blut aus meines armes röhren
Mit freuden geben hin und küssen meinen tod.
Ich wolte mich vergnügt in meinem jammer schätzen
Erlaubte man mir nur zu küssen deine hand
Es würde sich mein geist noch in der grufft ergetzen
Erblickt ich nur von dir ein holdes gnaden-pfand.
So aber qväl ich mich mit diesen traur-gedancken:
Du bist in todes-noth sie aber weiß es nicht
Sie lacht und spielt vielleicht du ärmster must erkrancken
Sie singt du aber bist zum sterben zugericht;
Zudem so wird der neid vielleicht mich selber qvälen
Wer weiß was man ihr noch nach meinem tode sagt
Man wird ihr diß und das von meinem thun erzehlen
Weil ein vergälltes maul nicht nach den todten fragt.
Diß eisen gnädige verdoppelt meine schmertzen
Und macht daß man bey mir das blut nicht stillen kan
Weil dieses fieber wallt in dem geqvälten hertzen
Nimmt der zerschoßne leib auch keine pflaster an;
Doch muß ich auch gestehn wenn meine noth am grösten
Wenn die verzweifflung will aus allen Orten gehn
So fängt beständigkeit mich wieder an zu trösten
Weil deine tugend mich niemahlen falsch gesehn.
Der allerhöchste weiß der die gedancken kennet
Vor dem mein kranckes hertz bald rechnung geben muß
Daß ich vor dich allein in keuscher glut gebrennet
Und keinen augenblick bereuet diesen schluß.
Ich bitt’ erwege nur den anfang meiner liebe
Mit was vor regung ich sie dir zum ersten wieß
Bedencke wie sie mich aus ungemeinem triebe
Zu rettung deiner noth ins kalte wasser riß.
Was hatt’ ich dazumahl vor höllen-pein erlitten
Als man mir eyde schwur von deinem kloster-stand
Als kranckheit lieb’ und furcht in mir so hefftig stritten
Daß ich vor schmertzen mich warhafftig nicht gekannt.
Was seuffzer hab ich nicht zum himmel abgeschicket
Der andern ihren wunsch offt ohne bitten giebt
Doch daß er mein gebet nicht gnädig angeblicket
Macht daß ich dich vielleicht mehr als ihn selbst geliebt.
Ich sterbe doch vergnügt weil er mir diß gewähret
Daß ich dich lebend nicht in fremder hand gesehn
Nunmehro da der tod mir marck und bein verzehret
Mag alles wie es GOtt und dir gefällt geschehn.
Du darffst um meinen tod dich nicht zu tode grämen
Mir schaffst du keinen rath dir stöhrst du deine ruh
Man muß des Höchsten macht in allen sich beqvemen
Diß bitt ich schick mir nur ein dosin thränen zu.
Der himmel gebe dir die jahre so mir fehlen
Er sey auff deinen trost und wahre ruh bedacht
Er lasse dich das glück mit millionen zehlen
Genung! das blut entgeht. Charlotte gute nacht.