Abschieds-brieff Herrn O. L. G. K. an Fr. C. V. S.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Mein letzter abschieds-brieff wirfft sich zu deinen füssen

Vergönne seiner noth ein gnädig angesicht;

Mehr thränen siehest du als schwartze dinte fliessen

Das siegel ist das blut so aus den wunden bricht.

Ich weiß nicht ob er dir erbarmniß wird erwecken

Diß weiß ich daß ich es mehr als zu viel verdient

Nicht zwar daß mich die furcht des todes solt erschrecken

Nein! diß betrübt mich nur daß lieb im hertzen grünt.

Ach möcht ich diesen trost vor meinem ende hören

Die englische Charlott’ erbarmt sich meiner noth

So wolt ich alles blut aus meines armes röhren

Mit freuden geben hin und küssen meinen tod.

Ich wolte mich vergnügt in meinem jammer schätzen

Erlaubte man mir nur zu küssen deine hand

Es würde sich mein geist noch in der grufft ergetzen

Erblickt ich nur von dir ein holdes gnaden-pfand.

So aber qväl ich mich mit diesen traur-gedancken:

Du bist in todes-noth sie aber weiß es nicht

Sie lacht und spielt vielleicht du ärmster must erkrancken

Sie singt du aber bist zum sterben zugericht;

Zudem so wird der neid vielleicht mich selber qvälen

Wer weiß was man ihr noch nach meinem tode sagt

Man wird ihr diß und das von meinem thun erzehlen

Weil ein vergälltes maul nicht nach den todten fragt.

Diß eisen gnädige verdoppelt meine schmertzen

Und macht daß man bey mir das blut nicht stillen kan

Weil dieses fieber wallt in dem geqvälten hertzen

Nimmt der zerschoßne leib auch keine pflaster an;

Doch muß ich auch gestehn wenn meine noth am grösten

Wenn die verzweifflung will aus allen Orten gehn

So fängt beständigkeit mich wieder an zu trösten

Weil deine tugend mich niemahlen falsch gesehn.

Der allerhöchste weiß der die gedancken kennet

Vor dem mein kranckes hertz bald rechnung geben muß

Daß ich vor dich allein in keuscher glut gebrennet

Und keinen augenblick bereuet diesen schluß.

Ich bitt’ erwege nur den anfang meiner liebe

Mit was vor regung ich sie dir zum ersten wieß

Bedencke wie sie mich aus ungemeinem triebe

Zu rettung deiner noth ins kalte wasser riß.

Was hatt’ ich dazumahl vor höllen-pein erlitten

Als man mir eyde schwur von deinem kloster-stand

Als kranckheit lieb’ und furcht in mir so hefftig stritten

Daß ich vor schmertzen mich warhafftig nicht gekannt.

Was seuffzer hab ich nicht zum himmel abgeschicket

Der andern ihren wunsch offt ohne bitten giebt

Doch daß er mein gebet nicht gnädig angeblicket

Macht daß ich dich vielleicht mehr als ihn selbst geliebt.

Ich sterbe doch vergnügt weil er mir diß gewähret

Daß ich dich lebend nicht in fremder hand gesehn

Nunmehro da der tod mir marck und bein verzehret

Mag alles wie es GOtt und dir gefällt geschehn.

Du darffst um meinen tod dich nicht zu tode grämen

Mir schaffst du keinen rath dir stöhrst du deine ruh

Man muß des Höchsten macht in allen sich beqvemen

Diß bitt ich schick mir nur ein dosin thränen zu.

Der himmel gebe dir die jahre so mir fehlen

Er sey auff deinen trost und wahre ruh bedacht

Er lasse dich das glück mit millionen zehlen

Genung! das blut entgeht. Charlotte gute nacht.