Abschreckendes Beispiel

By Wilhelm Busch

Written 1870-01-01 - 1870-01-01

Knopp begibt sich eilig fort

Bis zum höchsten Bergesort.

Hier in öder Felsenritzen

Sieht er einen Klausner sitzen.

Dieser Klausner, alt und greis,

Tritt aus seinem Steingehäus.

Und aus Knoppen seiner Tasche

Hebt er ernst die Wanderflasche.

„Ich“ – so spricht er – „heiße Krökel

Und die Welt ist mir zum Ekel.

Alles ist mir einerlei.

Mit Verlaub! Ich bin so frei.

Oh, ihr Bürsten, oh, ihr Kämme,

Taschentücher, Badeschwämme,

Seife und Pomadebüchse,

Strümpfe, Stiefel, Stiefelwichse,

Hemd und Hose, alles gleich,

Krökel, der verachtet euch.

Mir ist alles einerlei.

Mit Verlaub, ich bin so frei.

Oh, ihr Mädchen, oh, ihr Weiber,

Arme, Beine, Köpfe, Leiber,

Augen mit den Feuerblicken,

Finger, welche zärtlich zwicken

Und was sonst für dummes Zeug –

Krökel, der verachtet euch.

Mir ist alles einerlei.

Mit Verlaub, ich bin so frei.

Nur die eine, himmlisch Reine,

Mit dem goldnen Heilgenscheine

Ehre, liebe, bet ich an;

Dich, die keiner kriegen kann,

Dich du süße, ei ja ja,

Heil'ge Emmerenzia.

Sonst ist alles einerlei.

Mit Verlaub, ich bin so frei.“

Hiermit senkt der Eremit

Sich nach hinten. – Knopp entflieht.

Knopp der denkt sich: dieser Krökel

Ist ja doch ein rechter Ekel;

Und die Liebe per Distanz,

Kurz gesagt, mißfällt mir ganz.

Schnell verlassend diesen Ort

Eilet er nach Hause fort.