[Ach daß ich euch nicht meiden müste]
By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Ach daß ich euch nicht meiden müste
Ihr schätze dieser dritten welt
Ihr schnee-gebürgten engel-brüste
Von lufft und seuffzern auffgeschwellt;
Mit eurer rundten liebligkeit
Mag nichts durchaus verglichen werden
Weil ihr des himmels und der erden
Des grossen rundtes bilder seyd.
Ihr die ihr beyde hände füllet
Ihr seyd hier nicht wie anderwärts
In tausend tüchern eingehüllet
Und qvält das aug und klemmt das hertz:
Ihr zeiget bloß und decket frey
Durch lindes auff- und nieder-wallen
Daß in euch weissen marmor-ballen
Blut feuer geist und leben sey.
Auff euren hügeln schöne brüste
Hat eine werthe mildigkeit
Den süssen saamen aller lüste
Zu vollem wachsthum ausgestreut:
Hier ist die süsse frucht der welt
Die nach dem paradiese schmecket
Darein der starcke leim verstecket
Der alle welt zusammen hält.
Ach möchten mir die würffel fallen
Daß ich nicht dürffte weiter gehn
Und könte stets euch zucker-ballen
In eurem milch-meer schwimmen sehn
Ich wolte gern durch manchen kuß
Euch allerschönsten liebs-altären
Die höchste billigkeit gewähren
Die man an euch verwundern muß.
Doch nein der himmel wills nicht leiden
Mein schicksal reist mich von euch hin;
Lebt wohl ich muß euch ewig meiden
Wiewohl ich euer sclave bin.
Was denn der mund nicht leisten kan
Das nehmt ihr schönsten engel-brüste
Ihr gegenwürffe meiner lüste
Von lebenden gedancken an.