[Ach frommer Gott, wo sol ich hin]

By Simon Dach

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Ach frommer Gott, wo sol ich hin

Mit meinem hochbetrübten Sinn

Und tieffen SeelenSchaden,

Mein kranckes Hertz, ist wie mit Ertz

Und Steinen überladen.

Wie klagt mich mein Gewissen an,

Es thut mich grausam in den Bann,

Ich muß mich selbst verjagen,

Und seinen Mord an allem Ort

In meinem Busen tragen.

Gleich wie ein Wild durch schnelle Flucht

Den Pfeilen zu entgehen sucht,

Die schon sein Hertz empfinden,

So eyl auch ich, und trage mich

Mit meinen Höllen-Hunden.

Wer hilfft in diesen Nöthen mir?

Herr, mein Verlangen steht nach dir,

Ich stell auff dich Vertrauen

Und Hoffnung, Gott, laß keinen Spott

Bey deiner Furcht mich schauen.

Dann keiner, der gedultig dein

Kan harren, wird in Schanden seyn,

Laß den zu Schanden werden,

Der deiner Macht verächtlich lacht,

Und traut der schnöden Erden.

Gedenck an die Barmhertzigkeit,

Die du erwiesen allezeit

Seyt daß die Welt gestanden,

Gedencke nicht an dein Gericht

Und meiner Jugend Schanden.

Sieh meine Thorheit überhin

Nach deiner großen Langmuht Sinn,

Laß doch mein Hertz sich stillen,

Gedencke mein in Lieb allein

Umb deiner Güte willen.

Gib deinem grossen Namen stat,

Sey gnädig meiner Missethat,

Die ich dir nicht verhäle,

Ist gleich kein Ziel, und ihr so viel,

Daß ich sie gar nicht zehle.

Mach mich von meinem Kummer loß,

Dann meines Hertzens-Angst ist groß,

Entführ mich meinen Nöthen,

Schau gnädig her auff mein Beschwer,

Es dräuet mich zu tödten.

Vergib, O Vater, aus Gedult

Mir alle meine Sünden-Schuld,

Laß meine Seele leben,

Errette sie, damit ich nie

In Schanden möge schweben.

Dann sieh, ich trau allein auff dich,

Durch Schlecht und Recht behüte mich,

Gott woll auß allem Bösen

Mein arme Seel und Israel

Auß aller Noth erlösen.