[Ade! o werthes Land/ du Anfang meiner Reisen!]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Ade! o werthes Land du Anfang meiner Reisen!

Ade von Wasser Wein und Nimphen reiche Stadt.

Wo so manch gutter Freund mit mir gelebet hat

Und ihren hohen Thurm die edlen Bürger preisen.

Kan ich dir nicht den Leib auff längre Jahre schencken

So stirbet doch in mir niemahls dein Angedencken.

Ade o Vater Rhein ich grüsse deinen Rücken

Der mich gelücklich trug nach seinem Niederland

In mir getreuer Flutt. Ich ehre deinen Strand

Den so viel schöne Städt und Schlösser übersticken.

Es müsse keine Kröt an deinem Ufer wohnen

Die Waffen deinen Strom und freyen Schilff verschonen!

Ade o Land dem Wind und Wellen müssen dienen

Dem Indien gräbt Gold Molucca Pfeffer trägt

Und Moscau seine Frucht in Wasser-schauren legt

Das sich mit Königen zu kriegen darff erkühnen:

Du Zaum der frechen See die dein Gestade netzet

Der dein BeReuter izt fast neue Rechte setzet!

Ade o Land berühmt von Ubung gutter Sitten!

Ade zu-grosse Stadt zu-kleines Land Pariß

Das ich nicht unbereut so zeitlich hinterließ!

Ade o Reich das izt so vielen wil gebitten

Wo sich mit Dienstbarkeit der Freyheit Schein vermählet

Wo stete Neuigkeit hat ihren Sitz erwählet!

Ade o schönes Land du Paradiß der Erden!

Ade o Fluß dem vor gehorsam war die See!

Du weyland andre Welt der Erden Haubt Ade!

Ade o reiche Stadt der Wellen Wälle werden

Zum Graben dient das Meer! Und du der Städte Preiß

Die von Vesevus Glutt so viel zu sagen weiß.

Ade o Berg und Thal! Ade o Püsch und Wälder

Durch welche mich die Lust zu reisen hat geführt!

Weil mein gesezter Lauff nunmehr sein Ziel berührt

Muß mein gezwungner Leib gesegnen fremde Felder

Und eilen den Befehl der Sternen zu vollbringen:

Jedoch den freyen Sinn soll kein Vergessen zwingen.

Ade o werthe Schaar o Auszug meiner Lieben

Die treue Redligkeit mit Freundschafft wir verband!

Ich trenne mich von dir: nimm hin zum Unterpfand

Ein Hertze das sich dir zur Dienstbarkeit verschrieben.

Dich Filidor mein Kind will ich mit Gott noch schauen

Weil nicht allhier doch in den Elyseer Auen.

Ich gehe nun dahin die Freyheit zu begeben

In einen Winckel mich der Welt zu sperren ein

Ein Mönch und wilder Mensch bey wilder Welt zu seyn

Der Sorgen schweres Joch auff meinen Hals zu heben

Der kurtzen Reisen Lauff in wenig deutsche Meilen

Die Zeit in Ritterspiel der Bauren zu vertheilen.

Mein Wechselbrieff ist dar der karge Wochen-Zedel

Mein Königreich ein Dorff der Zepter Kerb und Stab

Darauff geschnitten steht was mir die Erndte gab

Mein Thron ein Rasen-Fleck mein stoltzer Fliegen-Wedel

Der Alten gelbe Schweiff; mein Schweiß bekrönt die Stirne

Dian und Fillis ist die starcke Scholtzen-Dirne.

Mein Hofe-Rath der Vogt mein Umbra Mist und Thünger

Mein Nectar Hopffen-Safft ein Apffel mein Confect

Die Music Hund und Hahn so mich vom Schlaffe weckt

Der Hunger Würtz und Koch Vorschneider Zahn und Finger

Mein Zeit-Vertreib daß ich der Wirthschafft Kummer führe

Bey einem groben Volck Verstand und Witz verliere.