Adelinde an Holdenreich.
Du kennst ja das Spital in dem ich itzt muß blei-
ben
Du nennest meine Noth aus Schertz den kal-
ten Brandt
Gewißlich kalt genug! was will ich viel beschreiben?
Mein’ Angst ist dir so wohl als meine Faust bekandt.
Mich solte Furcht und Scham ietzt wohl zurücke hal-
ten
Doch Lieb und Ungedult verträgt den Zügel nicht
Eh’ als der Jugend Gluth soll unterm Eiß erkalten
So will ich lieber seyn durch Hencker hingericht.
Diß ist ein hartes Wort und in der Frauen Munde
Ein ungemeiner Spruch; doch wer mein Hertze kenne
Der glaube was itzt folgt. Es steht auf festem Grunde:
Der Alte so mich plagt muß seyn von mir getrennt.
Was soll mein warmer Leib in seinen kalten Armen?
Was soll mir denn ein Kuß der nach dem Grabe
schmeckt?
Was soll mir den ein Mann der niemahls kan erwar-
men?
Und seine beste Krafft aus einer Krause leckt?
Der ohne Brillen mich nicht eigen kan betrachten
Und mehr das Spiel der Jagt als meine Jugend sucht;
Mein Grafe läst du mich in dieser Noht verschmachte
So scheint es ja ich sey von der Natur verflucht.
Die Finger schmecken mir noch nach dem starcken
Oehlen
Damit ich seinen Leib fast täglich schmieren muß
Es will zu keiner Zeit mir hier an Marter fehlen
Doch stinckt mir nichts so sehr als sein verfaulter Kuß.
Bald liegt er an der Gicht bald liegt er an dem Steine
Dann werd’ als Wärterin ich Tag und Nacht ge-
plagt
Dann salb’ ich seinen Leib und seine dürre Beine
Und wenn es besser wird so eilt er auff die Jagt.
Dann ist mein gantzer Leib in Einsamkeit verschlossen
Und wallet wie ein Schiff auff seinen Kummer Meer
Ich dencke wie ich nichts von rechter Lust genossen
Doch macht mir dieses nicht so viel verdruß als Er.
Verläst er seine Jagt und kommet nun zurücke
So ist die Mattigkeit was er erjaget hat
Bald will er einen Stuel bald fodert er die Krücke
Bald sucht er zitternde beym Apothecker Rath.
Da ist kein Feuer mehr ihn satsam zu erhitzen
Dann weht die Ungedult ihm scharffe Winde zu
Er wird ein kaltes Eiß wo du begehrst zuschwitzen
Was machst denn mittler Zeit O Adelheide du?
Ich liege weil er schnarcht und spiele mit Gedancken
Wo dieses spielen heist was Ach und Weh umschrenckt
Und unsern Sinn beschleust in einem Trauer Schran-
cken
Der uns biß in den Todt mit Jammer Dornen kränckt.
Ich dencke wie es sey wenn Jugend Jugend küsset
Wann Bluhmen in der Lust verwechseln Blat in
Blat
Und eine lange Nacht das schöne Spiel versüsset
So zwar des Himmels Hand vorlengst bezuckert hat.
Wann ein verliebtes Paar bey angenehmen Morgen
Den zarten Liebes Thau auf rothe Knospen setzt
Und in ein enges Grab verscharret seine Sorgen
Ich aber bin itzund der Lust nicht werth geschätzt.
Ein Traum ist alles diß was mich bisher erquicket
Der ladet manchesmahl mich schlüpfrig bey ihm ein
Doch wann der Traum verstreicht und nu die Sonne
blicket
So find’ ich das bey ihm nur kalte Schalen seyn.
Wiewohl die Dürfftigkeit mir nicht vergönt zuwehlen
Ich reise manchesmahl auf Kost und Träume zu
Und soll mein Holdenreich ich alles frey erzehlen
So schwer’ ich meinen Traum versiegelt nichts als du.
Du weist die Träume seyn der schlaffenden Gedancken
Es zeigt mir manchesmahl die Tafel einer Nacht
Wie deine steiffe Brunst an statt der schwachen kran-
cken
Durch Aepffelreiche Lust mich gantzhat satt gemacht.
Mein Grafe dir will ich mich gantz zueigen geben
Ich nenne mich dein Weib ja wilst du deine Magd
Bringstu den alten Mann nur zeitlich umb das Leben
Ich weiß du bist bereit die Lieb ist unverzagt.
Du kanst auf einen Tag nicht weit vom Schlosse jagen
Und durch ein frisches Horn verrathen deine Lust
So will ich alsobald zu meinem Alten sagen
Ist diß ein neuer Brauch? ich weiß nicht was du thust?
Soll denn das grosse Recht ein ieder Ritter brechen
Ist deine hohe Jagd ein allgemeine Bahn?
Du must gewiß mit Ernst dergleichen Frevel rächen
Ob wohl Graff Holdenreich dich auch so trotzen kan?
Ich weiß wie schwach er ist er wird zu Pferde sitzen
Und dir entgegen gehn wie seine Tohrheit pflegt
So laß sein grobes Wort dir auch dein Blut erhitzen
Und mache das man ihn mir Todt zurücke trägt.
Ich weis; es wird die Welt nicht gleiches Urtheil fällen
Der Himmel schreibet selbst man nehme Blut für
Blut
Doch unsre Regung komt aus allzusüssen Quellen
Denn wer verliebet ist weiß selten was er thut.
Und über diß wir seyn die Grossen in dem Lande
Das Recht und dessen Schwerd ist nur den Armen
scharf
Der Ahnen grauer Schildt verdeckt der Reichen
Schande
Ich weiß den Richter nicht der uns bestraffen darf.
Du kanst nach solcher That dich auch bey Seite machen
(ach was verleschet nicht der nasse Schwam der Zeit!)
Die Nachwelt rühmet offt der alten ärgste Sachen
Wann sie der Jahre Hand mit Schimmel hat bestreut
Jmmittelst will ich Mund und Auge so verstellen
Das meine Thränen auch die Welt beweinen soll
Ich will gantz athemloß zur Leiche mich gesellen
Als wer ich leer von Schuld und alles Traurens voll.
Wünscht nu die treue Pflicht in meiner Gunst zuleben
Gleicht deinen Worten sich auch Lantze Stärck und
Muth
So wirstu mir gewiß ein Zeugnüs müssen geben
Das rothe Siegel sey itzt meines Mannes Bluth.