Adelinde an Holdenreich.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Du kennst ja das Spital in dem ich itzt muß blei-

ben

Du nennest meine Noth aus Schertz den kal-

ten Brandt

Gewißlich kalt genug! was will ich viel beschreiben?

Mein’ Angst ist dir so wohl als meine Faust bekandt.

Mich solte Furcht und Scham ietzt wohl zurücke hal-

ten

Doch Lieb und Ungedult verträgt den Zügel nicht

Eh’ als der Jugend Gluth soll unterm Eiß erkalten

So will ich lieber seyn durch Hencker hingericht.

Diß ist ein hartes Wort und in der Frauen Munde

Ein ungemeiner Spruch; doch wer mein Hertze kenne

Der glaube was itzt folgt. Es steht auf festem Grunde:

Der Alte so mich plagt muß seyn von mir getrennt.

Was soll mein warmer Leib in seinen kalten Armen?

Was soll mir denn ein Kuß der nach dem Grabe

schmeckt?

Was soll mir den ein Mann der niemahls kan erwar-

men?

Und seine beste Krafft aus einer Krause leckt?

Der ohne Brillen mich nicht eigen kan betrachten

Und mehr das Spiel der Jagt als meine Jugend sucht;

Mein Grafe läst du mich in dieser Noht verschmachte

So scheint es ja ich sey von der Natur verflucht.

Die Finger schmecken mir noch nach dem starcken

Oehlen

Damit ich seinen Leib fast täglich schmieren muß

Es will zu keiner Zeit mir hier an Marter fehlen

Doch stinckt mir nichts so sehr als sein verfaulter Kuß.

Bald liegt er an der Gicht bald liegt er an dem Steine

Dann werd’ als Wärterin ich Tag und Nacht ge-

plagt

Dann salb’ ich seinen Leib und seine dürre Beine

Und wenn es besser wird so eilt er auff die Jagt.

Dann ist mein gantzer Leib in Einsamkeit verschlossen

Und wallet wie ein Schiff auff seinen Kummer Meer

Ich dencke wie ich nichts von rechter Lust genossen

Doch macht mir dieses nicht so viel verdruß als Er.

Verläst er seine Jagt und kommet nun zurücke

So ist die Mattigkeit was er erjaget hat

Bald will er einen Stuel bald fodert er die Krücke

Bald sucht er zitternde beym Apothecker Rath.

Da ist kein Feuer mehr ihn satsam zu erhitzen

Dann weht die Ungedult ihm scharffe Winde zu

Er wird ein kaltes Eiß wo du begehrst zuschwitzen

Was machst denn mittler Zeit O Adelheide du?

Ich liege weil er schnarcht und spiele mit Gedancken

Wo dieses spielen heist was Ach und Weh umschrenckt

Und unsern Sinn beschleust in einem Trauer Schran-

cken

Der uns biß in den Todt mit Jammer Dornen kränckt.

Ich dencke wie es sey wenn Jugend Jugend küsset

Wann Bluhmen in der Lust verwechseln Blat in

Blat

Und eine lange Nacht das schöne Spiel versüsset

So zwar des Himmels Hand vorlengst bezuckert hat.

Wann ein verliebtes Paar bey angenehmen Morgen

Den zarten Liebes Thau auf rothe Knospen setzt

Und in ein enges Grab verscharret seine Sorgen

Ich aber bin itzund der Lust nicht werth geschätzt.

Ein Traum ist alles diß was mich bisher erquicket

Der ladet manchesmahl mich schlüpfrig bey ihm ein

Doch wann der Traum verstreicht und nu die Sonne

blicket

So find’ ich das bey ihm nur kalte Schalen seyn.

Wiewohl die Dürfftigkeit mir nicht vergönt zuwehlen

Ich reise manchesmahl auf Kost und Träume zu

Und soll mein Holdenreich ich alles frey erzehlen

So schwer’ ich meinen Traum versiegelt nichts als du.

Du weist die Träume seyn der schlaffenden Gedancken

Es zeigt mir manchesmahl die Tafel einer Nacht

Wie deine steiffe Brunst an statt der schwachen kran-

cken

Durch Aepffelreiche Lust mich gantzhat satt gemacht.

Mein Grafe dir will ich mich gantz zueigen geben

Ich nenne mich dein Weib ja wilst du deine Magd

Bringstu den alten Mann nur zeitlich umb das Leben

Ich weiß du bist bereit die Lieb ist unverzagt.

Du kanst auf einen Tag nicht weit vom Schlosse jagen

Und durch ein frisches Horn verrathen deine Lust

So will ich alsobald zu meinem Alten sagen

Ist diß ein neuer Brauch? ich weiß nicht was du thust?

Soll denn das grosse Recht ein ieder Ritter brechen

Ist deine hohe Jagd ein allgemeine Bahn?

Du must gewiß mit Ernst dergleichen Frevel rächen

Ob wohl Graff Holdenreich dich auch so trotzen kan?

Ich weiß wie schwach er ist er wird zu Pferde sitzen

Und dir entgegen gehn wie seine Tohrheit pflegt

So laß sein grobes Wort dir auch dein Blut erhitzen

Und mache das man ihn mir Todt zurücke trägt.

Ich weis; es wird die Welt nicht gleiches Urtheil fällen

Der Himmel schreibet selbst man nehme Blut für

Blut

Doch unsre Regung komt aus allzusüssen Quellen

Denn wer verliebet ist weiß selten was er thut.

Und über diß wir seyn die Grossen in dem Lande

Das Recht und dessen Schwerd ist nur den Armen

scharf

Der Ahnen grauer Schildt verdeckt der Reichen

Schande

Ich weiß den Richter nicht der uns bestraffen darf.

Du kanst nach solcher That dich auch bey Seite machen

(ach was verleschet nicht der nasse Schwam der Zeit!)

Die Nachwelt rühmet offt der alten ärgste Sachen

Wann sie der Jahre Hand mit Schimmel hat bestreut

Jmmittelst will ich Mund und Auge so verstellen

Das meine Thränen auch die Welt beweinen soll

Ich will gantz athemloß zur Leiche mich gesellen

Als wer ich leer von Schuld und alles Traurens voll.

Wünscht nu die treue Pflicht in meiner Gunst zuleben

Gleicht deinen Worten sich auch Lantze Stärck und

Muth

So wirstu mir gewiß ein Zeugnüs müssen geben

Das rothe Siegel sey itzt meines Mannes Bluth.