Admiral Hosier's Geist.

By Gotthard Ludwig Kosegarten

Spaniens Heersmacht war geschlagen.

Neben

Triumphirend Englands Flotte.

Heiss und glorreich war der Tag.

Vernon nun und seine Braven

Ruhten nach der schwülen Schlacht.

Wimpel strömten, Becher klangen,

Siegsgeschrey durchscholl die Nacht.

Plötzlich gellt' ein grässlich Heulen

Aus der dunkeln Fluth hervor.

Geister schwärmten graunlich wimmernd

Rechts und links und rings empor.

Statt der Leichentücher hüllten

Hangematten jeden ein.

Jeder schien mit scheelen Blicken

Portobello zu bedräun.

Mondstrahl flittert' auf den Wogen;

Auf dem matterhellten Meer

Hob sich

Musterte das nicht'ge Heer,

Schwebte dann zu Vernon's Grusse

An des

Dreymal tausend Geister schwärmten

Rings um ihn und er begann:

Höret, höret Hosier's Rede!

Hosier's irrer Geist bin ich.

Hier, wo ihr euch Ruhm erwandet,

Hier traf das Verderben mich.

Euch bringt Portobello Ehre,

Mir bringt's bittres Herzeleid.

Portobello! Portobello!

Wehe dir in Ewigkeit.

Seht ihr diese nichtgen Schaaren.

Krieger waren's brav und stark.

Feuer füllt' einst ihre Adern,

Ihre Knochen Löwenmark.

Seht ihr jene höhern Schatten

Mit den Blicken starr und stier?

Feldherrn waren's, wackrer Vernon,

Tapfre Feldherrn einst, wie wir.

Her kam ich mit zwanzig Segeln,

Lag dem Feind im Angesicht.

Doch was stand in meiner Order:

„schlagen, Feldherr, sollst du nicht!“

Hätt' ich dich ins Meer geschleudert,

Unglücksorder, brav gekämpft,

Stadt und Land hätt' ich erobert,

Spanien, deinen Stolz gedämpft.

Fürchten durft' ich nichts vom Feinde,

Den die Feigheit schon bezwang.

Zwanzigen wär' leicht gelungen,

Was selbstsechstem dir gelang.

Nimmer hätte diese Küste

Unsre Schande dann geschaut.

Nimmer wären unsre Leiber

Dann dem öden Meer vertraut.

Spaniens stolze Gallionen

Hätt' ich glorreich heimgeführt,

Hätte dann als Hochverräther

Willig das Schaffott verziert.

Besser mit dem Ruhm gestorben:

„hosier fällt fürs Vaterland!“

Als für Herzleid hier verdorben,

Ungerühmt und ungenannt.

Nicht verdreusst uns deines Ruhmes,

Nicht beneiden wir dein Glück.

Aber denk' an unsern Jammer,

Denk' an unser Missgeschick.

Feldschlacht nicht hat uns gefället;

Nutzlos, ruhmlos, namenlos

Senkt' uns Gram und Grimm und Krankheit

In des nassen Grabes Schooss.

Aus dem nassen Grabe steigen

Wir nachtnächtlich nun empor,

Gähren aus dem Wogenbruche,

Schäumen aus dem Schaum hervor,

Wandern durch das Schauerdunkel,

Weiden uns an unserm Gram,

Fluchen der verfluchten Küste,

Die uns Ruhm und Leben nahm.

Fahrt nun wohl, geliebte Brüder!

Eilet heim ins Vaterland!

Wir ach irren ruh- und rastlos

Ewig am verbannten Strand;

Ewig, wenn nicht ihr erbarmend

Unsers Bannes Fesseln brecht,

Und dereinst mit Englands Braven

Unsr' und Englands Unbild' rächt.