Adonis Nachtklag vor seiner Liebsten Thür. Ex Anglico.
By Martin Opitz
Mag dann ach Schätzelein
Von euch keiner Gnaden schein
Widerfahren mir
Der ich lig vor ewrer Thür
Vnd netze diese Schwell
Mit manchem threnenbach
Die ich doch wieder schnell
Mit Seufftzen trucken mach.
So manches tröpfflein
Kan erweichen einen Stein
Ewer steinen Hertz
Kan erweichen gar kein schmertz.
So komme dann o Todt
Endt mir das leben mein
In dieser harten Noth
Darinn ich leide Pein.
Richten darff man mir
Keine Marmor Grabes zier
Nur ein Wasem klein
Soll bedecken mein Gebein:
Mit diesen Worten grün:
Der hie zu tode blieb
Den hat gebracht dahin
Sein Trew vnd grosse Lieb.
Auß mir dan Järlich
Rote Rößlein liebelich
Auch vergiß nit mein
Wachsen wird vnd Roßmarein
Drauß manch verliebtes Hertz
Zurüst ein Sträusselein
Darmit in liebes schmertz
Verehr den Liebsten sein.
Wie? wann das Glück wolt
Daß die Liebste kommen solt
Vnd von vngefehr
Vber mir Spatzieren her
Vnd lese diese Schrifft
Vnd sich besinne mein
Daß sie mir hab gestifft
Diß vnglück all allein:
Als dann wird sie mich
Erst beweinen bitterlich
Daß ich nur zu trew
Sie gewesen nur zu schew
Auch fellt vieleicht herab
Auß jhren Aeugelein
Ein tröpflein auff das Grab
Erquicket mein gebein.
Als dann erst werd ich
In dem tode frewen mich
Vnd in aller Leut
Munde triumphieren weit.
Adonis trew wirt sein.
Berühmet weid vnd breit
Euch aber wird die Pein
Der Rache sein bereit.