Alpenfeuer

By Paul Heyse

Written 1872-01-01 - 1872-01-01

Hinan, dem Gipfelfels

Stieg er entgegen.

Von seinem Hute troff

Der graue Regen.

Kaum ließ verdrossen er

Die Augen schweifen,

Da sollt' ein Sonnenblick

Das Herz ihm streifen.

Es kam ein Alpenkind

Singend gegangen;

Der Regen geißelt' ihr

Flechten und Wangen.

Und sie begegnen sich

Auf Weges Mitten,

Sind aneinander stumm

Vorbeigeschritten.

Doch kaum vorüber jetzt,

Bleibt jedes stehen,

Einmal verstohlen noch

Sich umzusehen.

Plötzlich entlodert da

Ein Fünklein helle:

Vier Lippen finden sich

Mit Blitzesschnelle.

Dann sie ins Tal hinab

Und er zum Gipfel –

Nun schüttle, Frühlingswind,

Die Föhrenwipfel!

Gießbäche, flößt zu Tal

Geröll und Scheiter:

Ein Brand ist angefacht,

Der lodert weiter.