Alrunens Warnung an Deutschland

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Mein Deutschland! mercke wohl was ich dir mit Verdruß

(Doch hats der Himmel so verhangen) melden muß?

Dein Herman hat zwar izt der Römer stoltze Pracht

Durch wohlerfochtnen Sieg zu unsern Füssen bracht

Die Wölffin ist erlegt durch deinen kühnen Arm

Der Affter-Gott August frist sich in Leyd und Harm

Der frey-gemachte Rhein hebt nun sein Haubt empor

Die Weser dringet sich der frechen Tyber vor:

Ach aber! daß dein Glück auch möchte feste stehn

Und nicht manch rauher Sturm auff deine Scheitel gehn!

Dein Unfall spinnet sich aus deiner eignen Brust.

Daß du durch Einigkeit gesiegt ist dir bewust.

Die Zwietracht wetzet schon auff dich ihr gifftigs Schwerdt

Und läst nicht eher ab biß dirs ins Hertze fährt.

Man neidet Hermans Mutt verkleinert seinen Ruhm

Gibt für er achte dich sein dienstbars Eigenthum:

Es will jedweder Fürst bey dir ein König seyn

Und fragt nicht ob dazu die Mittel treffen ein;

Drauff folget Neyd und Haß samt Zwietracht Mord und List

Biß du der Tummelplatz auch fremder Waffen bist.

Zwar wirst du auff einmahl zu Bodem nicht gelegt

Weil sich dein Mutt noch offt in gröster Ohnmacht regt.

Es schleust dir Welschland nie so strenge Fässel an

Daß sie nicht manchmahl noch dein Arm zubrechen kan

Du dringest Käyser aus und setzest Käyser ein

Doch must du fremder Macht Gehülff und Werckzeug seyn.

Die Beute die du hast erfochten ziehet Rom

Die Wölffin nährt dein Blutt dein Schweiß den Tiberstrom

Sie führt dich durch die Welt in Kriegen hin und her

Macht dich an Ruhme reich an Volck und Tugend leer.

Ihr falsch-vermummter Sinn die Lüste fremder Welt

Die uns noch unbekant und manches Reich gefällt

Sind deiner Dienste Sold den man als eine Pest

Dein junges Volck mit sich zu Hause nehmen läst.

Indessen finden sich entlegne Völcker zu

Die schmälern deine Gräntz und stören deine Ruh

Die Mannschafft ist zerstreut die Mannheit ist zu weich

Die Einigkeit zutrennt: so fällt das deutsche Reich!

Ein Theil von deinem Volck erwehlt der Gallen Land

Läst deutschen Mund und Sinn ein Theil sucht seinen Stand

Mit fremder Art vermischt in Welschlands weicher Schoß

Giebt seinem Feinde Rom zulezt den härtsten Stoß

Der Uberrest bleibt hier prüfft mancherley Gefahr;

Mit kurtzem: Deutschland wird nicht wieder was es war

Biß sich ein Grosser Carl zur Francken Krone schwingt

Und den zertheilten Leib zusammen wieder bringt.

Der göldne Käyser-Stuhl bleibt dir von solcher Zeit:

Wo aber bleiben Fried? und Macht? und Einigkeit?

Dein eigen Eingeweyd ist deine liebste Kost:

Offt bistu allzufaul die Waffen frist der Rost

Wenn Fremde sie auff dich zu schmeissen ziehen aus

Offt bistu allzu gach und stürmst dein eigen Hauß.

Man streitet nicht um Ehr und Freyheit wie vorhin

Der Deutsche dienet Freund und Fremden um Gewinn

Die Nachbarn äffen dich dein Einfalt wird verlacht

Dein treu- und redlich seyn giebt leider! gutte Nacht

Dein junges Volck ersäufft in Pfützen geiler Lust

Bedeckt an Eisen statt mit Golde seine Brust

Will sonder Ungemach vollführen Krieg und Streit:

Diß ist der rechte Weg zu schwerer Dienstbarkeit.

Alrune hat mir diß als künfftig offenbahrt

Und ich auff ihr Geheiß in diesem Stamm verwahrt.

Ach daß wenn diese Schrifft wird kommen an den Tag

Sie für manch deutsches Hertz ein Wecker werden mag!

Wacht Helden-Kinder auff scheut Müh und Arbeit nicht;

Bedörnert ist der Weg auff dem man Rosen bricht.

Was nüzt euch wenn ihr faul der Ahnen lange Zahl?

Sie haben ihren Ruhm geprägt in harten Stahl

Drum daurt er heute noch; wolt ihr euch schreiben ein

In Sand und Mos so wird eur bald vergessen seyn.

Was ist es daß ihr dann mit vielem Schmucke prahlt?

Sie haben ihren Schild mit eigner Faust gemahlt.

Das unverzagte Roth das unbefleckte Weiß

Das tren beständge Schwartz behielt den besten Preiß.

Folgt ihren Tritten nach verlangt ihr ihren Ruhm

Sonst ist kein deutsches Blutt eur wahres Eigenthum!