Als, bey fröhlicher Betrachtung ver- schiedener herrlichen Geschöpfe GOTTES, wei...
Mit annoch gerührter Seele setz' ich mich, üm zu be-
schreiben,
So viel zu beschreiben möglich, was ich wunder-wunder-
schön,
Als ich auf der Elbe schiffte, gestern halb erstaunt gesehn.
Mögte doch von aller Schönheit ietzo nichts zurücke bleiben!
Des erst aufgeklärten Himmels gantz von Licht erfüll-
ten Kreis
Schmückte von bestrahlten Wolcken ein so hell und blendend
Weiß,
Daß das allerreinste Silber schwartz dagegen. Meine Blicke
Zogen, durch des Schimmers blitzen offt besieget, sich zu-
rücke,
Aber nur, üm sich zu stärcken, und, so dann gestärckt, von
neuen,
Sich an dieser weissen Klarheit, zu vergnügen, zu erfreuen.
Dieses Himmel-Silber Glantz hatt’ an dem Sapphirnen
Bogen
Rings um unsern Horizont, wie Gebirge, sich gezogen,
Die aus Licht gebildet schienen. In der Mitten über mir
War, in ungemessner Oeffnung, eine Ründe wie Sapphir,
Ja vielmehr ein blaues Feur. Unbeschreiblich ist das
gläntzen,
Welches in den silbernen und in den sapphirnen Grentzen,
Da, wo sie sich scheiden, strahlte: beide drungen, wie ein
Licht
Durch geschwärtzte Finsternissen, und durch Schatten plötz-
lich bricht,
Plötzlich mir durchs Aug ins Hertz, und erfüllten meine
Brust,
Grosser Schöpfer, Dir zur Ehre, mit noch nie gefühlter Lust.
Aber bald must ich mich noch, vor verdoppeltem Ergetzen
Und sich mehrendem Vergnügen, vor Vergnügen, fast entsetzen,
Als ich alle Pracht des Himmels, den Sapphir, die Silber-
Hügel,
In der Elbe stillen Fluth, als in einem grossen Spiegel,
Ebenfalls erscheinen sah. Ja noch mehr, ich sah’ im
Westen,
Hinter einer duncklen Wolcken, an der aufgeklärten Festen,
Die bald untergehnde Sonne herrlich, hell und feurig strahlen
Und zugleich den glatten Fluß beide Vorwürff deutlich
mahlen.
Da der Sonnen helles Licht, bey der Wolcken Dunckelheit,
So im Urbild, als im Abdruck, mit noch grössrer Herr-
lichkeit,
In noch starck vermehrtem Glantze, durch den Gegen-Satz,
erschien
Und durch unbeschreiblichs funckeln aller Schauer Aug’ und
Hertz
Mit Entzücken rührt’ und füllte. Richt genug: auch Osten-
werts
Zeigte mir ein flaches Ufer, ein so lieblich Frühlings-Grün,
Das, zugleich voll gelber Bluhmen, gläntzt’ und glüh’te,
Diese Wiese
Schien, im Sonnen-Strahl zumahl, recht ein Stück vom
Paradiese.
Wie ich nun, durch alle Schönheit halb entzückt und ausser
mir,
Gott zum Ruhm, so Hertz als Auge voller Brunst, gen
Himmel schickte;
Stutzt’ aufs neue Blick und Hertz. Weil des Firmaments-
Sapphir
Mir ein neues Wunder zeigte, voller Schönheit; Ich
erblickte
Den erst aufgegangnen Mond: Sein hell gläntzend Silber
drückte
Den von aller Strahlen Urquell allererst empfangnen
Schein,
Seine Pracht auch zu verdoppeln, ebenfalls den Fluthen ein.
Stelle dir, geliebter Leser, mein Ergetzen, meine Freude,
Meine Wonne, mein Vergnügen, in dem schönen Welt-Ge-
bäude,
Ob so mannigfaltgen Wundern, ob der Herrlichkeit und
Zier
So viel herrlicher Geschöpfe, doch noch mehr den
für:
Der die Erde, Fluth und Himmel, der die Sonne, der die
Welt,
Ja viel Millionen schuff; sie in solcher Ordnung hält,
Daß, nach solcher langen Zeit, daß, nach so viel tausend
Jahren,
Sie so schön und kräfftig noch, als sie ie gewesen, waren.
Noch, da ich aufs neu erwege den erblickten Wunder-
Schein,
Fühl’ ich süsse Regungen auch aufs neu in mir entspriessen,
Und es lässt mein Auge drüber wircklich Frenden-Thränen
fliessen.
Mögte dir, bey der Erzehlung, doch wie mir, zu Muthe seyn!