Als der Edle, Rottger von Tieffenbrock, aus Lieffland bürtig, etc. diese Welt ge...

By Simon Dach

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Nimm dich, O meine Seel', in acht,

Du must schon hier in diesem Leben

Nach dem, was ewig seelig macht,

Nicht aller erst im Tode, streben.

Sind es die Schätze dieser Welt

Die dich im Himmel auch versorgen,

So renn vnd lauff, vnd samle Geld

Vmb Mittag, Abend, Nachtzeit, Morgen!

Was aber ist der Schrifft Bericht?

Der Welt-Kreiß, sagt sie, wird vergehen,

So können ia die Güter nicht

Den Fall des Himmels überstehen.

Vnd wirst du täglich nicht gewahr

Wie viel man hin trägt nach der Erden?

Die hebt man nackt da auff die Bahr,

Ihr Geld vnd Gut mus andern werden.

Was hat die Erde sonst vor dich?

Was kanst du mit von hinnen bringen?

Nicht Pracht noch Hoheit hält den Stich,

Vergängnis herscht in allen Dingen.

Der Himmel hat dein wahres Gut

Nach dem du iederzeit solst trachten,

Daselbst hin schick du deinen Muth

Vnd lern die Erde bald verachten.

O wer beschreibt den Reichthum mir

Der dort ist beygelegt den Frommen?

Wer alle Lust, zu welcher wir,

Wenn wir die Welt verachten, kommen?

Kein Ohr vnd Aug' hat ie erkant

Vnd keines Hertz hat noch empfunden

Der Seelen Rhu vnd Frewden-Standt,

Die alles selig überwunden.

Was hemmt die Erde meinen Lauff?

Was hält sie mich mit Zaum vnd Zügel?

Ich sehne hertzlich mich hienauff,

Wer giebt mir hie zu Adlers Flügel?

Komm, Jesu, nimm mich zu Dir ein,

Komm, seum mich nicht in meinen Frewden!

Ich habe Lust bey Dir zu seyn

Vnd darumb selig abzuscheiden.