Als ein guter Freund den Doctor-Hut überkam
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Wenn Hochgeehrter Freund die Poesie mich treibt
Auf deinen Ehren-Tag was frohes aufzusetzen
So glaube daß der Kiel aus treuen Hertzen schreibt
Und dein verdientes Lob so rein als mein Ergetzen.
Denn was mich rühren soll muß wahre Freundschafft seyn
Ein Tugend-voller Geist und Wissenschafft darneben
Und itzo trifft der Zug bey mir vollkommen ein
Daß meine Poesie bey deinem Ruhm will leben.
Denn dieser blüht vor sich ich letze mich nur dran;
Und deiner Feder ist samt der gelehrten Zungen
Diß alles welches dir zum Ruhm gereichen kan
Mehr schön und gründlicher als heute mir gelungen.
Gelehrsamkeit Verstand und Klugheit sind die drey
Die Edle Musen einst zu Rechts-Gelehrten machen.
Was nun darzu gehört fällt dir am besten bey
Du findest suche nur sie selbst in deinen Sachen.
Es schicket sich darzu der muntre Frühling nicht.
Apollo kan sich schlecht auf junge Reiser stützen.
Wenn andere zu früh der Ehre-Kützel sticht
Als ob die Weißheit auch im Nahmen könne sitzen:
So spahrt die Klugheit diß in deine Sommers-Zeit
Da alles reifft und brennt da alles Früchte träget.
Zwar weiß ich allzuwohl daß aus Bescheidenheit
Mein Wehrter Freund sich nie die Ehre beygeleget.
Doch die gelehrte Welt belohnet so den Fleiß
Wer in ihr leben will muß ihre Würden haben.
Und ob ich allzuwohl von deiner Tugend weiß
So weiß die Tugend auch von deinen edlen Gaben.
Ich wünsche Glück darzu. Ihr Musen aber seht
Ein Edler tritt anitzt in den gelehrten Orden
Von dem zu seinem Ruhm die seltne Frage geht:
Warum Herr H – nicht eher Doctor worden.