Als ein guter Freund den Doctor-Hut überkam

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Wenn Hochgeehrter Freund die Poesie mich treibt

Auf deinen Ehren-Tag was frohes aufzusetzen

So glaube daß der Kiel aus treuen Hertzen schreibt

Und dein verdientes Lob so rein als mein Ergetzen.

Denn was mich rühren soll muß wahre Freundschafft seyn

Ein Tugend-voller Geist und Wissenschafft darneben

Und itzo trifft der Zug bey mir vollkommen ein

Daß meine Poesie bey deinem Ruhm will leben.

Denn dieser blüht vor sich ich letze mich nur dran;

Und deiner Feder ist samt der gelehrten Zungen

Diß alles welches dir zum Ruhm gereichen kan

Mehr schön und gründlicher als heute mir gelungen.

Gelehrsamkeit Verstand und Klugheit sind die drey

Die Edle Musen einst zu Rechts-Gelehrten machen.

Was nun darzu gehört fällt dir am besten bey

Du findest suche nur sie selbst in deinen Sachen.

Es schicket sich darzu der muntre Frühling nicht.

Apollo kan sich schlecht auf junge Reiser stützen.

Wenn andere zu früh der Ehre-Kützel sticht

Als ob die Weißheit auch im Nahmen könne sitzen:

So spahrt die Klugheit diß in deine Sommers-Zeit

Da alles reifft und brennt da alles Früchte träget.

Zwar weiß ich allzuwohl daß aus Bescheidenheit

Mein Wehrter Freund sich nie die Ehre beygeleget.

Doch die gelehrte Welt belohnet so den Fleiß

Wer in ihr leben will muß ihre Würden haben.

Und ob ich allzuwohl von deiner Tugend weiß

So weiß die Tugend auch von deinen edlen Gaben.

Ich wünsche Glück darzu. Ihr Musen aber seht

Ein Edler tritt anitzt in den gelehrten Orden

Von dem zu seinem Ruhm die seltne Frage geht:

Warum Herr H – nicht eher Doctor worden.