Als einer in einer großen und berühmten Stadt Bürgermeister ward

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Wer offt die See durchfährt und in den tiefen Wellen

Die Klippen kennen lernt ja ob es Sturm und Wind

Doch nach dem Himmel weiß den Schiff-Compass zu stellen

Da sichre Wege macht wo sonsten keine sind

Verdienet daß wir ihm ein Schiff allein vertrauen.

Und so regieret auch in einer Stadt geschickt

Der sich in Sturm getrost klug in Gefahr läst schauen

Und zwischen Felsen Sand auch Wege hat erblickt.

Wer Hochgeprießner Mann die vielen Jahre zehlet

In welchen du der Stadt bey mancher Noht gedient

Der spricht aus Danckbarkeit: Gott hat dich auserwehlet

Daß durch dein weises Haupt die Wohlfahrt – – grün't.

Gott hat dich aus ersehn: Was aber Gott erkohren

Dem fehlt an Würden nichts der ist vors Vaterland

Dem Geist und Leibe nach wie du zweyfach gebohren

Und wird ein Kind der Stadt und Vater auch genannt.

Der hat den klugen Kopf mit Wissenschafft geschmücket

Das Hertz mit Tugenden den Geist mit grauer Zeit

Die wahre Weisheit bringt die Vater-Stadt beglücket

Und steiget gleich wie du nach viel Erfahrenheit.

Ist unser – – – – nicht bisher ein Ziel gewesen

Nachdem des Todes Grimm die Pfeile fliegen ließ?

Das Unglück hat es auch zum Sammel-Platz erlesen

Zum Felde wo gar oft die Geldsucht lermen bließ.

In aller dieser Noht in diesen bösen Tagen

Ist dein Gemüht bewehrt klug und geschickt gemacht.

Wie nun dein Helden-Muht viel leiden kan ertragen.

So ist dein weises Haupt auf Heil davor bedacht.

Der Perle Kostbarkeit zeugt sich gleich den Corallen

Im ungestümen Meer. Auf hohen Vergen stehn

Die Cedern unbewegt: an statt von Sturm zu fallen

Muß zur Standhafftigkeit die Wurtzel tiefer gehn.

Du Hochbewehrter Mann du wirst in diesen Zeiten

Uns ein vortrefflich Gut im Sturm die Perle seyn;

Die Ceder dieser Stadt wenn Wind und Wetter streiten.

Auf Bergen unsers Heils bestehst du ungemein.

Diß alles kan die Stadt wie mein Gemüht erqvicken

Er ruft derselben Geist mit meinen Hertzen aus:

Es wolle theurer Mann der höchste dich beglücken

Und aller Sturm sey schwach auf dein Hochadlichs Haus.

Es müße Ruh und Heil das wehrte – – spühren

Der Höchste saget ja und wird durch deine Hand

Das Ruder dieses Schiffs nach unserm Wunsche führen:

Mein Gott bring uns dadurch in das gelobte Land!

Wo es so greulich nicht wie Egypten stirbet

Wo uns kein Dienst beschwert die güldne Freyheit siegt

Wo unsrer Väter-Muht uns Schutz und Trost erwirbet

Wo alles was uns feind zu unsern Füßen liegt.