Als er die Lesbia sich entkleiden sehen. Sonnet.
Die saubre Lesbia saß mit geschrenckten füssen,
Jhr netter finger war um schuh und strümpff bemüht.
Hier konnt’ ich, was sie doch sonst jedem aug entzieht,
Durch einen kühnen blick in stiller lust geniessen.
Die seide hatte kaum dem marmel weichen müssen,
Als sich der leichte rock von ihrem leibe schied;
Doch als die sichre hand die weisse brust verrieth,
So ward ich unvermerckt in ohnmacht hingerissen:
Die augen suncken hin, die beine wurden matt.
Die nackte Silvia stieg sicher in das bad,
Eh ich mein auge konnt’ aus der verwirrung führen.
Und also ward sie mir kein gantz entdecktes land.
Doch hat die blosse brust mir so viel krafft entwandt;
Was würde Silvius nicht in der schos verliehren.