Als er erfuhr, daß er an seinem bisherigen Wohnorte bleiben werde

By Leopold Friedrich Günther von Goeckingk

Written 1784-01-01 - 1784-01-01

Falle nieder, Nantchen! falle nieder!

Deine Thränen, werden Freudenlieder,

Deine Seufzer, Dankgebete seyn!

Siehe, Mädchen! sieh! du hast mich wieder!

Denn ich bleibe hier, und bleibe dein!

Statt, getrennt, des Nachts, in öder Ferne,

Aus dem Fenster, Himmel, Mond und Sterne

Mit bethränten Blicken anzusehn,

Soll dein Hauch das Licht der Blendlaterne,

Wenn ich gehen will, wie sonst verwehn.

Sollst sie wieder in das Gras verstecken,

Und dann flüstern: Schlaf'! ich will dich wecken,

Wenn der Hahn zum zweiten male kräht!

Sollst mich wieder mit dem Halstuch' decken,

Wenn der Wind mir in die Augen weht.

Sagt' ich nicht beim Abschied': Wenn ich bliebe,

Machte deine Freundschaft alles trübe,

Doch, getrennt, sey sie ein Strahl des Lichts?

Und nun bleib' ich. Liebe denn, ach! Liebe!

Keine Freundschaft! alles oder nichts!

O drum eile, liebstes Mädchen! Schone

Meiner Sehnsucht! Siehe nur, ich wohne

Ganze Meilen von dir, so allein!

Winde denn von Myrthen deine Krone,

Und auf ewig, ewig bist du mein!