Als er in Gesellschafft/ aber die Unrechte/ küßte
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
Ich bin von Küßen satt: was hab ich nun davon?
Ein müder Uberdruß ist meiner Arbeit Lohn.
Der dürren Lippen Staub klebt noch an meinen Zähnen.
Ich hab aus Höffligkeit Margillens trocknen Mund berührt
Corallen aber falsch und Rosen ohne Krafft gespürt.
Die Küsse sind ein Thau der ohne Gunst und Gegen-Gunst
Wird Meel-Thau oder Reiff. Wer küsset wenn er küßt umsunst
Dem wird der Safft darvon zu Wasser oder Thränen
Ein einig Kuß von mir an rechten Ort gesezt
Der hätte mich weit mehr als alle die ergözt.