Als er nach vielen Wünschen endlich einmal mit der allerholdseligsten und Tn- ge...

By Georg Neumark

Mein ausserwehltes Kind wie? waren dieses Küsse

So ich in jener Nacht in jener Freudenzeit

Von dir empfangen hab’? Ach nein es waren Flüsse

Von lautrem Honigseim vol süsser Liebligkeit

Das was ich halb verzukkt von dir mein Hertz ge-

nossen

War daucht mir lauter Trank der Himmels Nektar

heist

Und von den Göttern selbst in deinen Mund gegossen

Das war es wo mir recht womit mein Hertz ge-

speist

Und so gelabet war. Was man an Zimmetrinden

Am Zukkerkandien an Ambr’ und Nardus schmekkt

War liebstes Seelchen da an dir mit Lust zu finden

So mir noch diese Stund’ ein’ Hertzensfreud’ erwekkt

Ach weh! was sag ich Freud Ach ja noch größre Schmer-

tzen

Hat mir es zugebracht. Zuvor war ich verliebt

In ihre Freundligkeit aus recht getreuem Hertzen

So niemals fasch gewust noch Heucheley verübt.

Nun ich mit ihr geredt nun ich mit schlechten Worten

Jhr meinen Sinn erklährt nun ich mit höchster Lust

Hab’ ihren Mund geküsst die rohtkoralne Pforten

Wol zehen zehen mal ist mir fast nichts bewust

Als nur Verzweiffelung; Ich bin nur halb bey Le-

ben

Ich weiß nicht was ich thu’ ich weiß nicht was ich

mach'

Ich bin der Hertzensangst und grossem Leid ergeben

Ich geh’ ich steh’ ich sitz’ ich schlummer’ oder

wach'

Es funkeln stets für mir der schönen Augen Strahlen

Die mich so angeleucht in jener dunklen Nacht

Der Zukkersüsse Mund den ich zu vielen malen

In keuscher Gunst geküsst mir einen Nachschmakk

macht.

Mir deucht ich fühl’ allzeit die Wollenweiche Händchen

Die mein’ in treuer Lieb’ hertz-hertzlichen gedrükkt

All’ Augenblikk’ und Stund hör ich die Komplement-

chen

Die sie zu machen wust’ und mich damit erquikkt

Ach Jammer! Hertzeleid ach hertzliches Bekümmern!

Ach weh daß ich so bald von ihr geschieden bin

Ach fliesst ihr Thränen fliesst! erseufftz in grossem Wim-

mern

Du treuer Thyrsis du setz deinen gantzen Sinn

In schwartze Traurigkeit. Doch wenn ich wissen solte

Daß mein geliebtes Hertz mein klarer Leitestern

Die ädle Karitill beständig lieben wolte

Mit Felsenfester Gunst (Ein falscher Schein sey fern!)

So wolt’ ich alles Leid aus dem Gemühte treiben

Das mich bey Tag und Nacht fast unauffhörlich

kränkt

Und mit Beständigkeit in fester Hoffnung bleiben

Wie denn mein redlichs Hertz auff anders nichts ge-

dänkt.

Wolan ihr Gotter ihr die ihr mein Hertze sehet

Und wisset wie ich bin macht mich des Leidens frey

Und wo es euch gefällt so schafft daß sie verstehet

Daß sie mein liebstes Kind und ich ihr Diener sey.