Als er seine flammen ihr deutlicher zu verstehen gab.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Mein engel scheu dich nicht diß blat hier zu berühren

Das nichts als feur und glut in seinen zeilen trägt

Du wirst den heissen brand im ersten angriff spühren

Der jetzt mein mattes hertz mit tausend funcken regt.

Jedwede zeile raucht noch von erhitzten flammen

Ja selbst die dinte ist mein schwartz gebrandtes blut

Es will der himmel mich zu einem feur verdammen

Das ohne deine gunst verzehret geist und blut.

Nicht frage was mich brennt dein aug’ hat mich enttzündet

Dein heisser strahl hat mich fast auß mir selbst gesetzt.

Wenn glut und feuer sich mit deinem glantz verbindet

Wie kan es anders seyn? die seele wird verletzt.

Ich sahe bein gesicht wie tausend sonnen blitzen

Als ich mein schwaches aug auf deinen himmel wandt

Ach aber auch ein blick kont meine brust erhitzen

Den du mir ohngefehr von weiten zugesand.

Wer konte dazumahl des himmels macht entkommen?

Denn als ich nur vermeint ein irrdisch aug zu schaun

Da bin ich ohnversehns von sonnen selbst entglommen

Die ietzt ihr sieges-hauß in meiner seelen baun.

Wie sehr ich auch gesucht diß feuer zu verdecken

So bricht es endlich doch mit vollen flammen aus

Es läst die liebe nicht so leichtlich sich verstecken

Sie wirfft die funcken auch biß zu der sternen hauß.

Ich bin kein Aetna nicht der seine glut verschliesset

Noch kein Vesuvius der sie mit schnee bestreut

Ich bin kein Heela nicht der sie mit eyß begiesset

Mein zunder-reiches blut ist selbst zum feur geweyht.

Die liebe läßt mich nicht bey dieser zeit verfrieren

Ich mercke wie sie stets legt frische kohlen an

Und darff’ ich einen blick von deinen sonnen spüren

So fühl ich was ihr brand in meiner seelen kan.

Verzeihe schönstes licht was meine feder schreibet

Die flamme die mich quält leid kein verstellen nicht.

Die liebe ists allein die meine geister treibet

Und mächt daß diese glut aus meiner seelen bricht.

Ich sag es öffentlich: dein aug hat mich verletzet

Es hat mir eingeflöst den süssen liebes-gifft

Der meinen matten geist in heisse funcken setzet

Ja durch und durch mein blut in allen adern trifft.

Wann glut und flammen nun des feuers ursprung zeigen

So lenckt man sein geschrey auff hülff und rettung hin

Wie kan ich armer dann dir meine noth verschweigen

Die ich zu hemmen selbst fürwahr nicht mächtig bin.

Aus deinen augen quillt mein todt und auch mein leben

Du hast es beydes nun mein licht in deiner macht

Dein auge stürtzet mich es kan mich auch erheben

Es gibt mir freuden-schein und düstre schmertzens-nacht.

Ergreiffe was du wilt ich nehm es an vor liebe

Erhalt ich deine gunst so bin ich höchst vergnügt

Rührt aber auch mein todt aus deines hertzens triebe

So hastu doch im grab auch über mich gesiegt.