Als er seine Freyheit verlohren.

By Johann Georg Gressel

Ich bin verliebt

Die Freyheit ist nun hin

Womit mein harter Sinn

Sich sonst zu kitzeln pflegte

Als ob er keinen Brand in seinem Hertzen hegte.

Ich weiß nicht wie mir ist

Wenn ich

Die mir mein Seelen-Licht

Die ich zur Herrscherin mir auserkiest

Kan vor den Augen sehn.

Das Hertz erstarrt vor Lust

Und schläget in der Brust

Wenn mich ihr Gnaden-Schein

Läst glücklich seyn

Und mich mit seinem Strahl erquickt

Der mehr mein kranckes Hertz beglückt

Als kühler Morgen-Than

Der dürren Au

Lieb und erfreulich ist

Und wie der Balsam Stärcke giebt

Wenn die Lebens-Kräfft’ entgehn.

Wann aber die Entfernung macht

Daß ich ihr Gnaden-Licht

Nicht kriege zu Gesicht

So schrecket mich Egyptens Macht

Mit Kummer-vollen Träumen.

Bald stirbt der Geist

Der doch unsterblich heist

Bald muß ich mehr denn König seyn

Bald Thron und Scepter räumen.

Bald fällt mir dis bald jenes ein

Ich zancke mich und habe keinen Zwist.

Ich träume wachend und weiß nicht was ich thu

Mein Geist besitzet keine Ruh

Er ist mit Gedancken

So der Traurigkeit-Schrancken

Weit übertreten beschweret

Die Freyheit ist in Hafft verkehret.

Ein eintziger Anblick und freundliche Zurede

Jhrer lachenden Augen und lieblichen Zungen

Haben mein vestes Hertz bezwungen

So daß ichs mich zu sagen fast entblöde.

Der Diamantne Sinn ist wie weiches Wachs zerronnen

Wenn es die Hitze schmeltzt der

Ich bin nicht der ich bin

Ich bin gantz anderst worden

Nun ich mich schreib’ in dem verliebten Orden.

Der eyserne Sinn

Lenckt sich zu dem

Wie dieser hin nach Norden geht.

Ich fühle eine angenehme Pein

Die mir durchwühlet Marck und Bein;

Bald bin ich froh

Und sing’

Bald aber stimm’ ich

Und führ die Trauer-Fahn.

Ich bin fast halb verwirrt

Und in der Zeit verirrt

Ich weiß nicht was mich plagt und Freude giebt

Als daß ich bin verliebt.