Als Fr. D. A. g. L. den 16. Junii 1680. in Lie- gnitz beerdiget wurde.

By Heinrich Mühlpfort

Aegypten mahlt uns für durch einen grossen Drachen

Der in die tieffe Klufft sich einer Höle dringt

Und den geschuppten Leib in grüne Zirkel schlingt

Biß er sich selbst verzehrt durch seinen eignen Rachen

Daß eben so die Zeit in ihrem Abgrund sey

Und was sie heute baut offt morgen bricht entzwey.

Es mahlt der Dichter Witz ihr Blitz-geschwinde Flügel

Und waffnet ihre Hand mit einem leichten Pfeil.

Der Adler schwingt sich nicht in so geschwinder Eil

(der doch der Lüffte Printz) hoch über Berg und Hügel.

Kein Schiff das guter Wind mit vollen Segeln führt

Hat bey dem Zwey-Gestirn so schnell den Port berührt.

Was mehr so hat die Zeit geschwinde Tiger Füsse

Jhr Sprung ereilet auch die mächtigste Gewalt;

So ändert sie noch mehr als Proteus die Gestalt

Und gegen ihrer Flucht sind langsam Strohm und Flüsse.

Ein Rad scheint träg und faul das doch unendlich geht

Für ihrer Fertigkeit entschläffet der Magnet.

Ist nun die Zeit so schnell und so ein fressend Feuer

Greifft ihre Grausamkeit auch Ertz und Marmel an?

Zermalmt manch Königreich ihr unersättlich Zahn?

Und sind durch sie gestürtzt die schönsten Ungeheuer?

Ist das Mausol nur Asch und der Colossus Staub

Dianens Tempel selbst der Eitelkeiten Raub.

Wie kan der arme Mensch erbaut aus schlechter Erden

Ein Tohn den jeder Stoß in tausend Stücke bricht

Ein Leim aus einem Kloß von Anfang zugericht

Von der Bewältigung der Zeit befreyet werden?

Er ist ja weiter nichts als nur ein Spiel der Zeit

Und Grab und Wiege sind von schlechtem Unterscheid.

Doch weil der höchste GOtt den Scepter ihm gegeben

Und die gevierdte Welt ihm unterthan gemacht

So ist er billich auch auf Schuldigkeit bedacht

Wie er mög in der Zeit wohl und vernünfftig leben.

Viel brauchen sie zur Lust viel brauchen sie zur Quaal.

Den meisten die nichts thun entschlippt sie wie ein Aal.

Noch mehr verirren sich in gantz verkehrten Wegen

Und kreutzen wie ein Schiff auf der Gedancken Meer

Von der Begierden Sturm getrieben hin und her

Und wollen Ancker an bey Scyll und Syrten legen.

Erkiesen vor das Haupt der Hoffnung die Malee

Sind Frembdling in sich selbst und Bürger auf der See.

Wie wenig wissen doch die kurtze Zeit zu brauchen?

Die doch zu Tugenden ein ausgebreites Feld

Und wenn ihr Stunden-Glaß nun keinen Sand mehr hält

So klagen sie zu spät daß Jahr und Tag verrauchen.

Wer hente nicht wohl lebt fängt selten morgen an

Der Laster Weg ist weich und rauh der Tugend Bahn.

In ein weit ander Ziel in gar weit andre Schrancken

Schloß die Vergänglichkeit des kurtzen Lebens ein

Die

Die treuste Weckerin zu himmlischen Gedancken.

Sie kunt ihr niemals nicht so schnell und bald entfliehn

Daß sie nicht ihr Gemüth pflag Sternen-werts zu ziehn.

Sie theilte stets mit GOtt Minuten Tag und Stunden

Ein andre Monica wenn es zum Beten kam

Und ihr entbrandter Geist in voller Andacht glam

Und in des

Was übrig von dem Tag blieb Tugenden geweyht

Und so genoß sie recht der Flügel-schnellen Zeit.

Und wo es auch ein Ruhm begraute Zeiten nennen

So hat ihr Cedern-Stamm unsterblich sie gemacht

Der Ahnen ewig Ruhm so in den Büchern wacht

Und gleich dem Pharus wird auch bey der Nachwelt brennen

Stellt uns die

Und der Verdienste Preiß vergrössert ihre Zier.

Aus diesen Quellen war ihr edles Blut entsprungen

Jhr Stamm-Baum zeiget uns so manchen Nestor an

Der vor das Vaterland hat seine Pflicht gethan

Der mit Verstand und Witz wie Cato durchgedrungen.

Und solt aus solcher Art ein ander Zweig entstehn?

Gold-Adern lassen nie die erste Wurtzel gehn.

Wiewol sie ihren Stand hielt bloß für Tand der Zeiten

Und für ein Schatten-Werck das nicht beständig bleibt

Wo nicht ein höher Zug die Krafft der Seele treibt

Daß ihre Flügel sie kan Adlern gleich ausbreiten.

Wo nicht Verstand und Witz die Sinnen außgerüst

Und ein ermuntert Geist der beste Führer ist.

Die Schaar der Tugenden die Menge seltner Gaben

Und Witz der nicht gemein und Klugheit sonder List

Und Liebe die niemals des Nechsten je vergißt

Und Treu die mehr ins Hertz als in den Mund gegraben

So ost sie in der Welt noch wolten kehren ein

So must das Haupt-Quartir bey unser

Und diese Trefflichkeit bewog auch sein Gemüthe

Hoch Edler daß er sich umb ihre Gunst bemüht

Daß sein getreues Hertz in Liebes-Flammen glüth

Und sie vereiniget des Höchsten Wunder-Güte.

Wie seelig war ihr Stand ein ander Paradieß

Darinn die Einigkeit die Freuden-Westen blies

Ach aber daß doch nichts beständig auf der Erden

Daß eine Livia so zeitlich muß vergehn;

Daß Witz und Tugend nicht kan für dem Tode stehn

Und ein Aspasia so bald muß Asche werden!

Daß nichts nicht hemmen kan das schnelle Rad der Zeit

Und Libitinens Stahl die schönsten Blumen mäyt.

Zwar die

Der Menschen ihr erbaut durch Wohlthat Lieb und Gunst.

Nicht was der Myron schnitzt und des Apelles Kunst

Und was der Mentor kan in Ertz und Marmel hölen

Verewigt so den Ruhm als was man Guts gethan

Das schreibt man nicht der Wand man schreibt es Hertzen an.

Hoch Edler ihm allein fällt dieser Fall zu bitter

Der allertreuste Freund und Lebens-Trost ist hin.

Wie wol sein edler Muth und unerschrockner Sinn

Der schon gehärtet ist durch so manch Ungewitter

Wird diesen Hertzens-Stoß vertragen mit Gedult.

&q;Wer willig sich ergiebt dem ist der Himmel hold.