Als Herr G. S. Hamm Anno 1708 im Octobr. de Atheo è structura τȣ̃ ἐγϰεφάλȣ convi...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Du steigst, Gelehrter Freund! auf die catheder hin,

Und weisest, daß dein geist, dein aufgeweckter sinn,

Nicht an der erde klebt, noch wie die blöden schnecken

Das gantze leben durch sich in sich selbst verstecken,

Und niemals zeigen will; Du bist gantz andrer art.

Indessen hat dein fleiß doch keine zeit gespart,

Zu lernen, wie man krafft und witz zusammen fassen,

Und die gedancken nicht aus ihren schrancken lassen;

Nein, sondern in sich selbst offt stille stehen muß.

Du kennst der tugend bahn, und ehrst der weisheit schluß.

Niemals zu hause seyn, sich hin und her zerstreuen,

Die still’ und einsamkeit, als einen kercker, scheuen,

Verräth den unverstand; Wer klug studiren will,

Denckt allem, was er liest und höret, in der still

Und recht bedächtig nach: Er folget dem magnete,

Den kein umirrend licht, kein schimmernder planete

Von seinem pole zieht. Dis ist ein schöner ruhm:

Dis ist, Gelehrter Hamm! dein wahres eigenthum,

Und soll es auch stets seyn. Man mag sich wol ergetzen;

Denn GOtt ließ zu dem tag auch nacht und abend setzen.

Wer niemals ruhen will, der schreitet allzuweit,

Beleidigt die natur, und stürtzet vor der zeit

In eine todten-grufft. Beständig müßig gehen

Heißt gar nichts nütze seyn: Man muß im mittel stehen.

Wer das studiret hat, der hat sehr viel gethan.

Das aber, Werther Hamm! das ist die tugend-bahn,

Davon kein eitler zug dich auf die seite wendet:

Dis weiß dein Regensburg, so dich hieher gesendet.

Ursinus, und wer mehr in dir den grund gelegt,

Bekräfftiget dein lob, das unsre feder regt.

Der grundgelehrte Förtsch, aus dessen göldnem munde

Du GOttes weisheit lernst: Bey dem du keine stunde

Vergebens angewandt: fällt uns hierinnen bey,

Buddeus, dem die pest der schnöden schmeicheley

So sehr zuwider ist, als er die wahrheit liebet:

Der alles, was er lehrt, auch thut und selber übet:

Buddeus, dessen treu und lehre wohl besteht,

So sehr auch haß und neid sich wider ihn erhöht,

Kennt deinen klugen fleiß; Doch daß ihn alle kennen,

So lässest du dein licht nicht länger stille brennen,

Und trittst nun öffentlich in der catheder auf:

Zeigst unserm Saal-Athen daß du den schwehren lauff

Der göttlichen Sophie vernünfftig angefangen.

Wer durch die creatur zum Schöpffer hingegangen,

Und GOttes ebenbild im menschen aufgesucht,

Studirt recht, wie er soll: Wer die vernunfft verflucht,

Wird kein Theologus. Zwar aus den grentzen schweiffen,

Macht, daß wir offt vor GOtt, nur das geschöpff ergreiffen:

So hat Spinosa sich durch aberwitz verirrt.

Doch wer bedachtsam geht, wird nicht so bald verwirrt,

Wofern er nur vorher sich selbst recht kennen lernen;

Vor dieser fackel muß sich aller dunst entfernen,

Der sonst den sterblichen GOtt aus den augen reißt.

Dis ist das rechte licht, nach welchem sich dein geist

Zur himmlischen Sophie die ebne bahn gebrochen.

Drum lässest du den schwarm der atheisten pochen,

Und stehest unverzagt: Du scheuest keinen kampff:

Zerstreuest mit vernunfft den stoltzen schein und dampff,

Der ihren witz verblendt: Du dringst durch ihre stirne

Durch guter gründe macht, und zeigst, daß ihr gehirne

Des glaubens zeuge sey, der einen GOtt verehrt.

So wird ihr falscher bau recht durch sie selbst zerstört.

So schläget sie dein witz mit ihren eignen waffen:

So kan sie die vernunfft durch deinen kiel bestraffen,

Doch auch durch deinen mund: Und also weisest du,

Was du mit beyden kanst. Wir wünschen dir darzu

Den segen, den ohndem der Höchste gerne giebet,

Dem, der ihn recht erkennt, und seinen namen liebet,

Du aber liebest ihn. Wie tieff du ihn erkannt,

Zeigt itzund hand und mund, und wird das vaterland,

Wenn du es dermaleinst durch reine GOttes-lehren

Vielleicht erbauen wirst, noch weit vollkommner hören.