Als Hr. M. Z. den 5. Novembr. 1673. zur Erden bestattet wurde.

By Heinrich Mühlpfort

Wje handelt nicht mit uns das Göttliche Geschicke?

Wer forscht den innern Rath der höchsten Allmacht

Jetzt krönt uns Freud und Lust in einem Augenblicke

Treibt uns ein rauher Sturm ins Weh’ und Klage-

Und wolte wolte Gott Betrübtste von den Frauen

So je das güldne Licht der Sonnen hat bestrahlt

Wir dürfften nicht an ihr ein traurig Beyspiel schauen

Ein wahres Contrafeit das Noth und Elend mahlt.

Wer ohn’ Erbarmnüß kan bey ihren Thränen sitzen

Dem ist ein kalter Stahl umb seine Brust gelegt

Die Augen so jetzund mehr Blut als Zähren schwitzen

Hat weil sie Athem schöpfft kein Zufall so bewegt.

Sie als Penelope sitzt in des Hauses Gräntzen

Hofft mit dem Untergang noch ihren Schatz zu sehn

Sein Ankunfft soll den Harm der Einsamkeit bekräntzen

Sie will der Liebe West ihm durch den Kuß zuwehn.

Sie denckt jetzt kommt er an jetzt tritt er auf die Schwelle

Sie bringt den Kindern auch dergleichen Freuden bey

Und hört man daß ein Hund starck in der Gegend belle

So glaubt mans vor gewiß daß er verhanden sey.

Allein die tieffe Nacht geziert mit tausend Sternen

Hat nun das güldne Heer schon auff ihr Mittel bracht

Als sich ihr Liebster will nur länger noch entfernen

Und ihr getreues Hertz in müden Sorgen wacht.

Sie hofft wird nur den Tag Aurorens Purpur färben

Den Treusten von der Welt zu schliessen in den Arm

In dem kommt eine Post und sagt von Tod und Sterben

Ja wie ihr Schatz nicht mehr von Blut und Geistern warm.

Ists möglich daß sie nicht wie Niobe zu Steinen

Ja wie die Byblis sich in einen Fluß verkehrt

Daß ein unendlich Ach! und unaufhörlich weinen

Diß was noch übrig ist vom Leben gantz verzehrt.

Sie hört zwar halb entseelt daß Seyfersdorff die Bühne

Der höchsten Traurigkeit und Hertzens Trennung ist

Daß ein gewaltig Fluß in dem er reist durchs grüne

Deß Lebens letztes Ziel da ihrem Schatz erkiest.

Daß ihn ein eintzig Nun der Erden hat entrissen

Ein unverhoffter Tod den Bleichen zugesellt

Und daß durch solchen Fall sie alles muß vermissen

Was sie noch eintzig hat vergnügt auf dieser Welt.

Ich höchst verlaßnes Weib seufftzt sie von Furcht und Zittern

Von Schrecken angefüllt wo bin ich? Leb ich noch?

Ach Kinder! unser Haus versinckt in Ungewittern

Uns spannt der blasse Tod zugleich ins Sterbens Joch.

Wir sehn des Hauses Glantz und Krone nicht mehr wieder

Ich bin des Schmucks beraubt ihr seyd des Schirms ent-

Was Wunder so auf uns Ach! allzu schwache Glieder

Des Todes kalter Nord mit grimmen Wirbeln stöst.

So sanck ihr bebend Leib ohn allen Trost zur Erden

Biß daß der Freunde Schaar ihr an die Seite trat

Und rieff selbst Schreckens-voll mit ängstlichen Geberden

Sie solte doch auch hier erkennen GOttes Rath.

Es sey kein Unterscheid umb unser Grab zu machen

Ob uns die See verschluckt ob uns das Feur verderbt

Ob über unserm Kopff der Thürme Spitzen krachen

Und man offt seinen Tod aus Gifft-Geschirren erbt.

Der Höchste hab uns schon das letzte Ziel bestimmet

Das keine Klugheit kan der Menschen übergehn

Er sey des Lebens-Fürst der jedem gibt und nimmet

Und uns mit einem Wort heist auff und untergehn.

Es scheint ein schneller Tod nur feigen Seelen bitter

Wer wol gelebet hat und sich nur GOtt vertraut

Ist wenns an sterben kommt ein unerschrockner Ritter

Dem für der Feinde Trotz und schnauben gar nicht graut.

Der Zuruff tröstet noch die höchst erschrocknen Ohren

Und wo

So sag ich daß sie zwar hat ihren Schatz verlohren

Doch daß den minsten Theil der Tod ihr weggeraubt.

Sie weiß die Gottes Furcht wie hoch er der verpflichtet

Wie Gottes Willen er hat alles heimgestellt

Wie er sein Christenthum auf solchen Grund gerichtet

Der unbeweglich bleibt wenn alles bricht und fällt.

Er hielt sein höchstes Gut ein unbefleckt Gewissen

Und nahm zum Spiegel an die alte Redligkeit

War Gott und jederman zu dienen stets beflissen

Von aller Laster Pracht der schnöden Welt befreyt

Was schlecht war hieß er schlecht ließ andrer Thorheit prangen

Die offt die Eitelkeit mit Fürniß überstreicht

Ist seinen Weg und Steg aufrichtig hin gegangen

Und hat durch dieses Thun ein herrlich Lob erreicht.

Die gantze Bürgerschafft liebt’ ihn von Grund der Seelen

Als der in Worten rein in Wercken thätig war.

Man darff sein Bild nicht erst auß Ertz und Marmel hölen

Ein unverfälscht Gericht umbgibet seine Baar

Sie weiß geehrte Frau wie hoch er sie geliebet

Wie er die Wolfarth hat der Seinigen bedacht

Wie er sein Christenthum ohn allen Schein geübet

Und reifflich überlegt des schwartzen Grabes Nacht.

Wie kan sie denn anjetzt so allen Trost außschlagen

Was ungemeine kömmt ist Menschen doch gemein

Wir müssen lebendig uns selbst zu Grabe tragen

Und in dem schönsten blühn nur Maden-Säcke seyn.

Man stirbet überall und auch in jedem Sande

Find der entseelte Leib der Glieder sanffte Ruh

Biß daß ihm dermaleins in dem verklärten Stande

Der Gott der Herrligkeit legt grössern Zierath zu.

Sie wird dort ihren Schatz in grösser Freud empfangen

Als in der Sterbligkeit die Aukunfft sich gezeigt.

Die Thränen so jetzund bewölcken ihre Wangen

Sind ein getreuer Thau der auß dem Hertzen steigt.

Gott der ein Vater ist der Witwen und der Weysen

Wird mit Trost-reicher Krafft ihr an der Seite stehn

So daß sie auch hierin muß seine Allmacht preisen

Und lassen was geschehn nach seinem Willen gehn.

Es scheint zwar der Natur-Gesetzen was zuwider

Daß nicht der Liebsten Hand des Mannes Augen schleust

Daß wenn sie nunmehr sieht verfallen seine Glieder

Nicht ihren Liebes-Thau als Balsam darauf geust

Alleine Gottes Will’ ist nur und bleibt der beste

Wer diesem sich ergibt so ist es wohlgethan

Der hat auch in dem Creutz so einen Grund und Feste

Die weder Feind noch Welt darnieder reissen kan.