Als Hr. M. Z. den 5. Novembr. 1673. zur Erden bestattet wurde.
Wje handelt nicht mit uns das Göttliche Geschicke?
Wer forscht den innern Rath der höchsten Allmacht
Jetzt krönt uns Freud und Lust in einem Augenblicke
Treibt uns ein rauher Sturm ins Weh’ und Klage-
Und wolte wolte Gott Betrübtste von den Frauen
So je das güldne Licht der Sonnen hat bestrahlt
Wir dürfften nicht an ihr ein traurig Beyspiel schauen
Ein wahres Contrafeit das Noth und Elend mahlt.
Wer ohn’ Erbarmnüß kan bey ihren Thränen sitzen
Dem ist ein kalter Stahl umb seine Brust gelegt
Die Augen so jetzund mehr Blut als Zähren schwitzen
Hat weil sie Athem schöpfft kein Zufall so bewegt.
Sie als Penelope sitzt in des Hauses Gräntzen
Hofft mit dem Untergang noch ihren Schatz zu sehn
Sein Ankunfft soll den Harm der Einsamkeit bekräntzen
Sie will der Liebe West ihm durch den Kuß zuwehn.
Sie denckt jetzt kommt er an jetzt tritt er auf die Schwelle
Sie bringt den Kindern auch dergleichen Freuden bey
Und hört man daß ein Hund starck in der Gegend belle
So glaubt mans vor gewiß daß er verhanden sey.
Allein die tieffe Nacht geziert mit tausend Sternen
Hat nun das güldne Heer schon auff ihr Mittel bracht
Als sich ihr Liebster will nur länger noch entfernen
Und ihr getreues Hertz in müden Sorgen wacht.
Sie hofft wird nur den Tag Aurorens Purpur färben
Den Treusten von der Welt zu schliessen in den Arm
In dem kommt eine Post und sagt von Tod und Sterben
Ja wie ihr Schatz nicht mehr von Blut und Geistern warm.
Ists möglich daß sie nicht wie Niobe zu Steinen
Ja wie die Byblis sich in einen Fluß verkehrt
Daß ein unendlich Ach! und unaufhörlich weinen
Diß was noch übrig ist vom Leben gantz verzehrt.
Sie hört zwar halb entseelt daß Seyfersdorff die Bühne
Der höchsten Traurigkeit und Hertzens Trennung ist
Daß ein gewaltig Fluß in dem er reist durchs grüne
Deß Lebens letztes Ziel da ihrem Schatz erkiest.
Daß ihn ein eintzig Nun der Erden hat entrissen
Ein unverhoffter Tod den Bleichen zugesellt
Und daß durch solchen Fall sie alles muß vermissen
Was sie noch eintzig hat vergnügt auf dieser Welt.
Ich höchst verlaßnes Weib seufftzt sie von Furcht und Zittern
Von Schrecken angefüllt wo bin ich? Leb ich noch?
Ach Kinder! unser Haus versinckt in Ungewittern
Uns spannt der blasse Tod zugleich ins Sterbens Joch.
Wir sehn des Hauses Glantz und Krone nicht mehr wieder
Ich bin des Schmucks beraubt ihr seyd des Schirms ent-
Was Wunder so auf uns Ach! allzu schwache Glieder
Des Todes kalter Nord mit grimmen Wirbeln stöst.
So sanck ihr bebend Leib ohn allen Trost zur Erden
Biß daß der Freunde Schaar ihr an die Seite trat
Und rieff selbst Schreckens-voll mit ängstlichen Geberden
Sie solte doch auch hier erkennen GOttes Rath.
Es sey kein Unterscheid umb unser Grab zu machen
Ob uns die See verschluckt ob uns das Feur verderbt
Ob über unserm Kopff der Thürme Spitzen krachen
Und man offt seinen Tod aus Gifft-Geschirren erbt.
Der Höchste hab uns schon das letzte Ziel bestimmet
Das keine Klugheit kan der Menschen übergehn
Er sey des Lebens-Fürst der jedem gibt und nimmet
Und uns mit einem Wort heist auff und untergehn.
Es scheint ein schneller Tod nur feigen Seelen bitter
Wer wol gelebet hat und sich nur GOtt vertraut
Ist wenns an sterben kommt ein unerschrockner Ritter
Dem für der Feinde Trotz und schnauben gar nicht graut.
Der Zuruff tröstet noch die höchst erschrocknen Ohren
Und wo
So sag ich daß sie zwar hat ihren Schatz verlohren
Doch daß den minsten Theil der Tod ihr weggeraubt.
Sie weiß die Gottes Furcht wie hoch er der verpflichtet
Wie Gottes Willen er hat alles heimgestellt
Wie er sein Christenthum auf solchen Grund gerichtet
Der unbeweglich bleibt wenn alles bricht und fällt.
Er hielt sein höchstes Gut ein unbefleckt Gewissen
Und nahm zum Spiegel an die alte Redligkeit
War Gott und jederman zu dienen stets beflissen
Von aller Laster Pracht der schnöden Welt befreyt
Was schlecht war hieß er schlecht ließ andrer Thorheit prangen
Die offt die Eitelkeit mit Fürniß überstreicht
Ist seinen Weg und Steg aufrichtig hin gegangen
Und hat durch dieses Thun ein herrlich Lob erreicht.
Die gantze Bürgerschafft liebt’ ihn von Grund der Seelen
Als der in Worten rein in Wercken thätig war.
Man darff sein Bild nicht erst auß Ertz und Marmel hölen
Ein unverfälscht Gericht umbgibet seine Baar
Sie weiß geehrte Frau wie hoch er sie geliebet
Wie er die Wolfarth hat der Seinigen bedacht
Wie er sein Christenthum ohn allen Schein geübet
Und reifflich überlegt des schwartzen Grabes Nacht.
Wie kan sie denn anjetzt so allen Trost außschlagen
Was ungemeine kömmt ist Menschen doch gemein
Wir müssen lebendig uns selbst zu Grabe tragen
Und in dem schönsten blühn nur Maden-Säcke seyn.
Man stirbet überall und auch in jedem Sande
Find der entseelte Leib der Glieder sanffte Ruh
Biß daß ihm dermaleins in dem verklärten Stande
Der Gott der Herrligkeit legt grössern Zierath zu.
Sie wird dort ihren Schatz in grösser Freud empfangen
Als in der Sterbligkeit die Aukunfft sich gezeigt.
Die Thränen so jetzund bewölcken ihre Wangen
Sind ein getreuer Thau der auß dem Hertzen steigt.
Gott der ein Vater ist der Witwen und der Weysen
Wird mit Trost-reicher Krafft ihr an der Seite stehn
So daß sie auch hierin muß seine Allmacht preisen
Und lassen was geschehn nach seinem Willen gehn.
Es scheint zwar der Natur-Gesetzen was zuwider
Daß nicht der Liebsten Hand des Mannes Augen schleust
Daß wenn sie nunmehr sieht verfallen seine Glieder
Nicht ihren Liebes-Thau als Balsam darauf geust
Alleine Gottes Will’ ist nur und bleibt der beste
Wer diesem sich ergibt so ist es wohlgethan
Der hat auch in dem Creutz so einen Grund und Feste
Die weder Feind noch Welt darnieder reissen kan.