Als ihm lange Zeit verwehret war seine Schöne zu sehen.

By Johann Georg Gressel

Schönes Kind ach mein Verlangen!

Soll ich dich denn nicht mehr sehn?

Ist mein Glücks-Stern untergangen

Und soll es nicht mehr geschehn?

Daß ich aus den holden Augen

Und den Liljen deiner Brust

Darf als eine Biene saugen

Anmuhts volle Himmels-Lust.

Zwar mein Engel deine Güte

Strahlt noch immer auf mich zu

Und mein trauriges Gemühte

Küßte die erwünschte Ruh

Wenn die Mißgunst ihr bewachen

Und ihr Hüten unterließ

Die als wie vor dem die Drachen

Dich bewahrt mein güldnes Vlüß.

Geht ihr Himmel daß mein Warten

Den erwünschten Zweck erreicht

Oeffnet den verschloßnen Garten

Schaffet daß die Schlange weicht

Die mir von dem Lebens-Baume

Nicht die süsse Frucht gewehrt

Und nur stets im leerem Traume

Sodoms Früchte mir verehrt.

Doch wie öffters nach dem Weinen

Mancher feyrt ein Freuden-Fest

Und die Sonne pflegt zu scheinen

Wenn es nach mit Stürmen läst

So werd ich was mein Verlangen

Und was mich erfreuen kan

Endlich wiederum umfangen

Gleich wie ich vor dem gethan.