Als Jhrer Käyserlichen Majestät Leopoldi glorwürd. andenckens solenne funeralien...
Broßmächtigster monarch! auf dessen todten-baare
Europa, welches du, bey schwerer krieges-last,
Durch deinen rath und fleiß so offt erhalten hast,
Den reichen königs-schmuck von dem beperlten haare
Wehmüthig niederlegt, schau aus der ewigkeit,
Wo dein erquickter geist die wahre ruh gefunden,
Das unaussprechliche, das ungemeine leid,
Zu welchem uns die pflicht, die schuldigkeit verbunden,
Und das man dir allein noch überreichen kan,
Mit der gewöhnlichen genad’ und sansftmuth an!
Wir liefern dir nicht gold, noch balsam, nard’ und myrrhen,
Auch nicht ein traur-gewand von köstlichem asbest,
Das die verwesung trotzt, und nichts vermodern läst:
Wir bringen keinen safft in göldenen geschirren,
Den Socotora zeugt, und Indien gewährt;
Doch stellen wir davor die ungefärbten hertzen,
Die ein ergrimmter schmertz in heisser angst verzehrt.
Sie brennen kräfftiger, als ampeln und als kertzen,
Und wünschen allerseits, auf deinem leichen-stein
Ein opffer reiner treu und redlichkeit zu seyn.
Wiewohl! was mögen wir in solchem kummer zagen?
Da du in steter lust und steter wonne schwebst,
Und dir ein ehren-kleid von seid und purpur webst,
Ein kleid, dergleichen nur die überwinder tragen.
Unsterblicher monarch! du bist uns nicht entrückt;
Du bist vielmehr dahin zu unserm trost gelanget,
Wo dein verklärtes aug auf so viel länder blickt,
Und das gecrönte haupt mit tausend sternen pranget.
Da stehst du, trotz der nacht! trotz dem gehäufften weh!
Als ein Palladium und schutz-bild in der höh.
Glorwürdigster monarch! von dessen helden-thaten
So Stambol, als Pariß, mit zittern hören muß,
Auf was vor feinde trat dein unerschrockner fuß!
Und was ist deiner faust nicht wunderbar gerathen!
Dein donner, dessen krafft selbst von dem himmel stammt:
Dein donner, den der HErr mit pfeilen ausgerüstet,
Hat, als man ihm zur rach und eyfer angeflammt,
Nebucadnezars bild, das greuel-bild, verwüstet:
Es fiel so hahn als hund, zu beyder schimpf und hohn,
Wie dort Sennacherib von dem verbannten thron.
Was Carl der fünffte that, ist gegen deinen siegen
Ein blosses kinder-spiel. Er ließ den Solyman
Vor Wien zurücke gehn; Diß war genug gethan!
Doch wolte sich zu dir ein höher glück verfügen:
Als Mechmets toller schwarm den kayser-sitz besprang,
Und Kara Mustapha mit hundert tausend horden
Die länder überschwemmt, ist des tyrannen zwang
Durch deiner waffen blitz zu staub und asche worden:
Der palm- und lorbeer-krantz war von der schönsten art,
Als gantz Pannonien durch dich erlöset ward.
Und wie verdientest du den grossen ehren-nahmen
Des Mehrers deines reichs, und auch der christenheit,
Als du den Ister-strom von seinem joch befreyt:
Als segen, glück und sieg stets auf einander kamen!
So lernt ein Jsmael, der nach dem ersten fall,
Da sein geschlagnes heer fast in der Raab ersoffen,
Mit gutem recht beklagt, durch der carthaunen-knall,
Was von dem friedens-bruch, den Franckreich rieth, zu hoffen:
So wird des Amalecks verfluchte macht erschreckt,
Wenn Moses seine hand zum heiligthum ausstreckt.