[Als neulich Celadon]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Als neulich Celadon

Bey Amaranthens Wangen

Getreuer Liebe Lohn

Durch manchen Kuß empfangen

Zog die verliebte Seele

Aus ihres Leibes Höle.

Sie zog dem Munde zu

Der ihren Mund berührte

Zur Wallstatt seiner Ruh

Sein treues Hertze führte

Es in ihr Hertz versenckte

Und ihr zu eigen schenkte.

Ach sprach er voller Lust

Seht die Rubinen-Schalen

Voll süsser Nectar-Kost

Voll Artzney meiner Qualen!

Wer wolte vor die Freuden

Nicht willig Mangel leiden?

Ach wenn man giebt und nimmt

Versagt und willig giebet

Wenn uns entgegen kümmt

Das Mündgen das man liebet

Und Hertz an Hertze drücket

Wie wird der Geist entzücket!

Stärckt der Corallen Zier

Die Ohnmachts-vollen Hertzen

Ich wehle mir dafür

Zum Labsal meiner Schmertzen

Die rothen Zucker-Klippen

Die Balsam-reichen Lippen.

Laßt Bienen auff den Klee

Nach süsser Nahrung fliegen!

Hier quillet eine See

Voll Anmutt und Vergnügen.

Drum laß ich mir vor allen

Den süssen Mund gefallen.