Als seine Magnific. tit. Herr Sam. Stryck, JCtus &c. d. 6 Decemb. 1690 seinen an...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Erfreutes Wittenberg! eröffue steg und bahn!

Denn es begrüsset dich ein grosser Ulpian,

Der ehmahls unter deinen feigen

Bey früher morgenröthe saß,

Und von den hoch-erhabnen zweigen

Die allerschönsten früchte las.

Nun findest du den sohn so herrlich und so gros,

Daß er kaum ruhen kan in seiner mutter schos.

Es ist was göttliches, das fürsten-sinne lenckt,

Und unserm Elb-Athen diß theure kleinod schenckt:

Was sehen wir nunmehr vor lichter!

Wie werffen sie den hellen schein!

Drum sey die kluge welt itzt richter,

Ob hier nicht Pindus-höhen seyn.

Denn was ein toller neid aus bittrem hertzen spricht,

Das schadet uns seither an unserm flore nicht.

Der tapffre Friderich, das hoch-gepriesne haupt,

Hat uns Asträens hertz aus milder huld erlaubt.

Die Oder netzte seine spuren,

Wo täglich noch sein lob aufgeht:

Es liebten ihn zwo hohe Churen,

Ja selbst die gröste majestät.

Doch, was von andern ist so herrlich ausgeätzt,

Das hat Chur-Sachsen sich zum eckstein hingesetzt.

Wir bilden uns von dir was ungemeines ein:

Du wirst ein Scipio und andrer Solon seyn.

Gantz fürstlich bist du am verstande:

Man nennet dich ein licht der stadt,

Und ein oracul in dem lande,

Das hier den weisen ausspruch hat.

Dein unverdroßner geist hats längst dahin gebracht,

Daß deine trefflichkeit die nach-welt schamroth macht.

Es scheint, der rauhe nord verhindre deinen zug;

Doch bist du dir ein licht und sonne selbst genug:

Der glantz, der durch die augenlieder,

Als wie die lichten sterne, lacht,

Erstattet uns den frühling wieder,

Wenn alles wetter tobt und kracht:

Der Elb-strom würde längst mit starckem eise gehn

Wenn er von deinem strahl getraute zu bestehn.

Der Charitinen volck eilt mit erhitztem lauff,

Und hebet vor dein heil entblöste häupter auf:

Gott lasse helm und schwerder siegen!

Der adler steh der rauten bey!

Daß wir in deren schatten liegen,

Als ob hier unsre frey-stadt sey!

Ein mehrers finden wir in unsern kräfften nicht,

Diß ist der erste wunsch, das angeld unsrer pflicht.