Als sich die Zeit herbey nahete daß er von Thoren abreisen solte.

By Georg Neumark

So ist es denn an demdaß ich von dir soll scheiden

Du edles Thoren du du andre Vaterstadt

Du Wohnhauß meiner Lust und zweybejahrter Freuden

Von dir da mich so offt dein Tuhn ergetzet hat?

Soll ich mich schöner Ohrt anietzo von dir reissen?

Sol ich ins künfftige dich nimmer wieder sehen

Du wehrte Stadt die du den Schlüssel von dem Preussen

An deiner Seiten trägst? Ach schwerlich wirds geschehn.

So hab denn gute Nacht zu hundert tausend malen

Sey ewig unbetrübt du hochbeliebte du

Gott lasse seine Gunst dir unaufhörlich strahlen

Leb allezeit vergnügt in stottzem Fried’ und Ruh.

Habt tausend gute Nacht ihr vielgeehrte Freunde

Du grosser Daffnis du und du auch Floridan

Du ädler Tytirus du Schrekken meiner Feinde

Du wehrter Filidor du tieffgelehrter Mann

Und wer ihr ferner seyd seit allezeit gepriesen

Von meiner Poesie vor eure schöne Gunst

Die treu und hertzlich war die ihr mir habt erwiesen

Zum theil bald brüderlich. Ich wil die beste Kunst

Gebrauchen die ich kan üm euch nur hoch zu preisen

Die ihr es würdig seit. Der ist ein Bösewicht

Der sich vor Guttaht kan nicht dankbarlich erweisen.

Ein böser Unmensch weiß von keinem Danke nicht.

Auch ihr habt hertzlich Dank ihr ädlen Weiße linnen

Jhr honigsüsses Volk die ihr an Höfligkeit

Geht vielen vielen vor habt dank ibr Venusinnen

Die ihr so manchesmal die liebgewünschte Zeit

Auf eure Polnisch’ Ahrt mir habet kurtz gemachet

Lebt allzeit so erfreut ihr ädle Tugendschaar

Der Himmel der allzeit für eure Wohlfahrt wachet

Der geb euch zartes Volk viel hundert gute Jahr’

Auch ihr habt gute Nacht ihr wunderschönen Gärten

Jhr Oerter meiner Freud’ ihr Plätze meiner Lust

Mein Hertz erstarret fast die Zunge wil verhärten

Wenn ich den öfftern Schertz der Himmel dir bewust

Bey mir betrübt erweg’ ich bin vor grossen Leiden

Jetzund fast nicht mein selbst daß ich ihr schönen Plätz?

Auch Przischek und Slavkow’ hinfüro so muß meiden

Die ich was Lust bebtrifft fast gleich dem Tempe schätz’.

Und du mein Strömchen du fliess’ ewig unbetrubet

Welchs meinem Tytirus und mir allein bekandt

Welchs ich nach jeuer Nymf die mir allein beliebet

Und fesi im Hertzen sitzt Kartillenfluß genant.

Wie offte ritt’ ich hin und satzte mich da nieder

Und hörte dein Gereusch’ du Kristalliner Fluß

Wie offt sang ich bey dir der Karitillen Lieder

Dann satzt’ ich mich auffs Pferd und schiede mit Ver-

druß.

Wolan so sey gegrüsst du wolgebautes Thoren

Mit aller deiner Lust gegrüsset ohne Zahl

Welchs mir so offtermals sö süsse Lust gebohren

Sey tausendmal gegrüsst und noch viel hundertmal.