Als sie Amarant auf der Reise vermuthete

By Leopold Friedrich Günther von Goeckingk

Written 1784-01-01 - 1784-01-01

Mit Geschrei, verirrter Pilgrim, schweben

Wilde Gänse auf des Adlers Bahn,

Alle Fenster, alle Thüren beben

In den Hespen, und der Wetterhahn

Drehet kreischend auf des Giebels Spitze

Sich in kurzen Kreisen, und der Sturm

Stört hervor, aus tiefer Mauerritze,

Eul' und Käuzchen auf dem Kirchenthurm'.

In die Wette mit einander wehen

Alle Winde; Schneegestöber füllt

Erd' und Himmel; wie die Leichen stehen

Thürm' und Meilenzeiger eingehüllt.

Bläst der Sturm nicht an der Himmelshöhe

Selbst das Licht von allen Sternen aus?

Wehe, meinem armen Freunde, wehe,

Trieb ihn heute seine Lieb' heraus!

O wie will er durch zwei lange Haine,

Und drei tiefe Flüsse, heute sich

Zu mir finden? Arme Nante, weine,

Denn um wen das alles, als um dich?

Und vielleicht, daß im verschneiten Graben

Er vergebens itzt um Hülfe schreit,

Oder umgerissen ihn die Fluten haben,

Wo kein Fischer seine Hand ihm beut.

Werdet still, ihr Winde! Nimm die Hülle,

Lieber Mond, von deinem Antlitz' ab!

Aber horch! was trappelt? – Stille! stille! –

Horch! – O Himmel! seines Rappen Trab!