Als sie bey trübem sturm-wetter ihre wäsche bleichete.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Komm sanffter westen wind und brich den kalten norden

Der heute mit gewalt durch alle gärten streicht

Und macht daß Solimen da sie die wäsche bleicht

Die strahlen ihrer lust sind zu gewölcken worden.

Vertreibe diesen feind durch ein gelindes wehen

Beut alle Zephyren zu deinen diensten auff

Und hemme seiner macht den vorgesetzten lauff

Der selber der natur will ihren weg verdrehen.

Die erde lieget schon der Solime zun füssen

Und beut ihr klee und graß zum grünen bleich-platz an;

Sie thut ihr selbst gewalt und schmücket wie sie kan

Ihr buntes sommer-kleid mit tulpen und narcissen.

Was säumstu sonne nun mit deinen heissen blicken?

Zerreiß der wolcken flor bestrahle deine braut

Die dir der himmel selbst von anfang anvertraut

Und zeig ihr länger nicht den so verhaßten rücken.

Sie hofft wie Solime mit sehnlichem verlangen

Auff dich und deinen schein der beyden noch gebricht

Drum öffne wie du pflegst dein süsses angesicht

Bevor der abend kömmt mit seiner nacht gegangen.

Denn tritt der mond hervor der könig aller sterne

Der werffe seinen schein aus der gewölbten höh

Auff den gebreiten zeug der schönen Solime

Und schaue daß kein dieb ihr was davon entferne.

Aurora lasse nichts als nasse perlen thauen!

Die thränen die sie sonst verliehrt um ihren freund

Den sie wie Solime den bruder itzt beweint

Die müsse man erwacht auff allen tüchern schauen.

Wind erde sonn und mond Aurora hört mein flehen!

Nehmt euch der Solime und ihres zeuges an.

Schütz’t und bewachet es so gut ein ieder kan

Sonst ist es mehr um mich als ihre lust geschehen.