Als sie die zeichen ihrer vorigen gunst wieder blicken ließ.
Nicht wundre schönste dich wann meine schwache Hand
Nicht weiß vor diesesmahl die feder recht zu führen
Du hast durch einen kuß die seele mir entwand
Und mit der seelen will sich alle krafft verliehren!
Doch schaue diese schrifft mit sanfften blicken an
Dein trieb der stärcket mich daß ich noch schreiben kan
Sonst könt ich meine faust ohn deinen zug nicht regen.
Verwirff die fehler nicht die hier enthalten seyn
Sie sind selbst deiner macht berühmte sieges zeichen;
Und gönne daß ich darff diß schlechte opffer streun
Ein selave kan sonst nichts als seine ketten reichen.
Du weist ja meine noth und meine liebes-pein
Du kennest meinen trieb und meine freundschafft-flammen
Die auch an reinigkeit der sonnen gleiche seyn
Und von dem himmel selbst und seiner krafft herstammen.
Zwar hab ich schon vorlängst in diesem feur gebrandt
Eh noch mein jammer kont dein hartes hertz bewegen;
Doch endlich wird mir nun das labsal erst bekant
Das meinen krancken geist mit süsser lust kan regen.
Ich schau ietzt nicht allein dein himmlisch augen-licht
Ich mag auch manches wort von deinen lippen spühren
Und waß mir noch zur zeit durch alle geister bricht
Ich kan auch deinen mund mit einem kuß berühren.
Gewiß ich bin verpflicht vor diese gütigkeit
Der himmel wil mir wohl ich kan von freuden sagen
Denn da mein hertz zuvor mit kummer ward bestreut
Will mich das glück jetzt selbst auff seinen händen tragen.
Doch glaube daß mein glück noch unvollkommen sey
Wenn ich nicht ferner darff deß mundes Purpur küssen
Denn kennstu meine noth; so lerne dieß dabey
Ich kan zwar deiner pracht doch niemahls gnug geniessen.
Wie selten aber darff ich wol dein auge schaun?
Wie muß ich mehrentheils in einsamkeiten schweben
Und meine kurtze freud auff furcht und hoffnung baun?
Wie sparsam will mich doch dein sonnen-glantz umbgeben.
Ach! meine zeit verstreicht in unbekanter lust
Du setzest meiner lieb so enge maaß und schrancken
Und hemmst auf solche art das feur in meiner brust
Daß offt die geister selbst aus ihren zirckeln wancken.
Doch glaube kan ich schon nicht stetig bey dir seyn
So bleibt die schrifft dennoch mein trost in den beschwerden
Und was die feder nicht weiß auf diß blatt zu streun
Muß durch gedancken doch im sinn vollstrecket werden;
Ach! die gedancken seynd ein wunderwerck der zeit
Wer tadelt wöl allhier ein kühnes unterfangen?
Wer straffet unsere lust? wer stört die liebligkeit?
Und worzu kan man nicht durch diesen zug gelangen?
Hier schertzt man ohn gefahr man redet lacht und küst
Hier kan man ohn gestrafft die schönste brust berühren
Hier schaut man ohne scheu was sonst verboten ist
Und wohin pflegt uns nicht ein heisser trieb zu führen?
Man reißt hier blumen ab und fühlt die dornen nicht
Kein amt ist uns zu schwer wir können es verwalten
Kein riegel ist so fest der unsren vorsatz bricht
Kein richter kan uns auch den lauff der sinnen halten.
Wir stecken unsrer lust hier weder maß noch ziel.
Wir können jederzeit durch thor und mauren brechen
Wir treiben ohngehemmt das schönste liebes-spiel
Kein sturm und wetter kan hier unsre flammen schwächen.
Nechst diesem ist die schrifft das kleinod dieser welt
Sie kan uns öffters mehr als ein gespräch ergötzen
Und was der blöde mund aus furcht verschlossen hält
Kan unsre feder doch in kühne reimen setzen;
Ein brieff von treuer faust hegt süsse lieblichkeit
Hier klagt man ohne scheu hier redt man sonder schrecken
Hier wird offt feur und glut und flammen ausgestreut
Die man in gegenwart mit eyß und schnee muß decken.
Drum schönste wann mich nun ein harter schmertzen trifft
So muß ich meine brust zwar zur gedult beqvemen
Dein angedencken stärckt mich doch benebst der schrifft
Ich weiß du wirst mir auch nicht diese freyheit nehmen
Ach! dein gedächtnüß ist in meine seel geprägt
Es wird durch keine zeit durch keinen sturm zerrissen
Und weil sich noch das blut in meinen adern regt
Werd ich zu deinem dienst auf ewig seyn gestissen.
Ich denck jetzund an dich und schreibe dir dabey
Es schwebt dein freundlich seyn mir stets vor meinen augen
Mich deucht daß auch dein glantz fast über sternen seyn
Und daß sie licht und krafft aus deinen strahlen saugen.
Mich deucht ich spür auch schon der anmuth überfluß
Die ich im kurtzen werd auf deinem mund geniessen
Vor welchen Carmasin auch wol verbleichen muß
Und sich die rosen selbst in blassen Atlas schliessen.
Genug! ich send indeß Arminde dis papier
Es ist mit freudigkeit und wollust übergossen
Es eilt ohn auffenthalt zu deiner schönsten zier
Und überliefert dir mein hertz hier eingeschlossen.
Nim es in gnaden auf es steht in deiner macht
Mein geist und was ich bin erwartet deinen willen
Nichts ist in dieser welt das ich durch deine pracht
Wann du ein wort befiehlst nicht solt alsbald erfüllen.
Doch wisse daß mich hier ein kleiner eyffer trifft
Ich überschicke dir zwar diese schlechte zeilen
Allein ich neide fast diß blat und diese schrifft
Weil ich nicht darff wie sie zu deinen füssen eilen.
Wiewohl es kan nicht seyn drum lauff beglücktes blat
Geneuß von wegen mein der holden anmuts-strahlen
Wormit Armindens pracht mein hertz entzündet hat
Und mich noch täglich will mit solcher glut bemahlen.
Doch wann du zu ihr’ komst und ihr die hände küst
So sag ihr diß dabey; will sie mein hertz nicht kräncken
Das auch biß in die grufft ihr stets verpflichtet ist
Soll sie nebst einer schrifft an ihren knecht gedencken.