Als sie ihn grüssete.

By Johann Georg Gressel

So wie der Morgen lacht die Welt mit Blicken an

So läßt du auch mein Kind mir Blick und Gruß geniessen

Die jetzo auf mich zu aus deinem Antlitz schiessen

Daß sich mein Geist fast nicht vor Freuden halten kan.

Es geht mein Hoffnungs-Stern beym hellen Morgen auf

Die schwartze Trauer-Nacht und Finsterniß verschwindet

In deinem Antlitz man den frohen Mittag findet

Darinn die Schönheits-Sonn nie ändert ihren Lauff.

Und daß dieselbige stets unverändert sey

Daß zeigen Schönste an die angenehmen Augen

Daraus man Flammen kan der holden Liebe saugen

Man legt dir drum mit recht den Preiß der Schönheit bey.

So strahlt da immerfort der Anmuth-Sonnenschein

Er kan und will niemahls bey dir zu Gnaden gehen

Des Adlers Auge kan wol in die Sonne sehen

Doch in dein Auge schaut so gar kein

Denn das Geheimniß so daselbst verborgen ist

Kan keiner als der liebt und daß getreu ergründen

Wem du die Blicke gönnst der kan es leichtlich finden

Wie sich die Lust dadurch mit der Vergnügung küßt.

Du bist mein liebster Schatz die Blicke so du giebst

Mich wenn ich traurig bin alsbald erfreuen können

Ich kan dich meine Lust und mein Vergnügen nennen

Du grüßt mich weil ich dich und du mich wieder liebst.