Als sie zörnete, daß er ihre brust berühret. ARIA.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Erbarmest du dich nicht?

O strenge rächerin der sünden!

Kanst du in dem nur kühlung finden,

Wenn mir dein grimm das urtheil spricht,

Und dein so zornig angesichte

Den ärmsten Seladon stellt vor sein blut-gerichte?

Was dich so sehr gerührt,

War nur ein griff nach deinem hertzen;

Indessen muß ich es verschmertzen,

Daß du mein hertze gar entführt:

Wie hast denn du nun zörnen sollen?

Ist nicht entführen mehr, als nur entführen wollen?

Ach! ist dein hertze stein,

Das sich nur diamanten gleichet,

Das kein erbarmend trieb erweichet?

So reime mir es dannoch ein!

Ich will es als ein altar brauchen;

Laß, strenge göttin! nur darauf mein hertze rauchen!

Der stein wird endlich weich,

Wenn ihn nur tropffen offt begiessen.

Auf dein hertz laß ich ströhnte fliessen;

Du aber bist nicht steinen gleich:

Sonst würde, wenn die thränen rinnen,

Dein felsen-festes hertz erweichet werden können.

Die sonne wirfft den strahl

Auf klipp’ und sumpff und schlechte dinge:

Nur ich, o sonne! bin zu g’ringe.

Du würdigst hecken, berg und thal,

Und läßt sie deinen glantz genüssen:

Nur ich soll weiter nichts von deinen strahlen wissen.

Ich seufftze voll verdruß,

Und quäle mich mit gram und reue,

Biß mich der tod davon befreye,

Weil ich durch dich doch sterben muß.

Schreib du auf meines grabes stelle:

Lernt, menschen! wie der zorn getreue liebe fälle.