Als Tit. Herr Georg Schöbel in die Hochlöbl. Frucht- bringende Gesellschafft unt...
Daß eine Blumen-Uhr der Kircher hat erfunden
Ist der gelehrten Welt aus seinen Schrifften
Der Sonnen-Wende Blat entdecket Zeit und Stunden
So bald der Sonnen-Glantz bestralt der Erden Rund.
Mein
Und nach dem Himmel stets der Sinnen Blätter lenckt
Und daß gleich einer Uhr den Mittag du erreichet
Den Mittag höchster Zier mit Ruhm uñ Pracht umschrenckt
Ist wurdig daß es auch die Nachwelt möge wissen
Und daß es in dem Buch der Ewigkeiten steh’.
Wenn hohe Seelen als ein wahres Mitglied küssen
Der hat sich schon vermählt den Sternen in der Höh’.
Ich zweiffle nicht daran daß sich die Edle Palmen
Mit Lorbern untermengt bemühn umb einen Krantz
Den nicht die Tyranney der Zeiten kan zermalmen
Und der bey Frost und Glut nie ändert seinen Glantz.
Mich dünckt ich höre schon der Schwanen süsse Lieder
Wie jede Nachtigal der Musen zierlich singt
Und wie der Nachruhm sie auff güldenem Gefüder
Dir werther Musen-Freund als ein Geschencke bringt.
Soll ich allein durchsteint und kalter Marmel bleiben?
Erhitzet keine Glut der Dichter meine Brust?
Ich muß es zwar gestehn daß offt und viele Schreiben
Macht zu den Reimen mir mehr Eckel als wol Lust:
Und was mich reitzen kan sind himmlische Gedancken
In welche sich dein Geist so fest verwickelt hat
Mein Freund daß du verläst der Erden enge Schrancken
Und in Betrachtung dich deß Himmels machest satt.
Laß uns das grosse Nichts die gantze Welt durchreisen
Laß uns ins Alterthum verfloßner Jahre gehn
Was uns der Grieche da dort wird der Römer weisen
An Arbeit Kunst und Witz wie lange kont es stehn?
Vermag ein sterblich Mensch was ewiges zu bauen?
Wo sind die grossen Städt ach grosse Leichen! hin?
Vergebens schweifft man Ertzt und lässet Steine hauen
Die schönsten Wercke sind deß Untergangs Gewinn.
Daß Länder nicht mehr seyn daß Königreiche sterben
Daß der bey Norden wohnt so vor aus Westen kam
Daß Völcker frembder Art von frembden Völckern erben
Und Magellan den Weg nach mehrern Welten nahm;
Ja daß die Erde selbst offt ihren Sitz verkehret
Und da itzt Flutten speyt wo vor Getreyde stand
Bald durch ein rasend Feu’r der Berge Marckverzehret
Bald durch einewig Eyß verschleust der Flüsse Strand
Sind nur deß Unbestands gemeine Trauer-Zeichen:
An unsern Cörpern gehn mehr Jammer-Blicke für.
Wornach der Hochmuth uns die Seegel heisset streichen
Was ist es? Wind und Dunst von thörichter Begier.
Es sey daß wir die Welt und jede Kräuter kennen
Die Sternen in der Höh auff Fingern rechnen aus
Der Sonnen Leib befleckt den Monden bergicht nennen
Corallen wachsen sehn aus Thetis blauem Haus
Ja offt ein heilsam Oel aus Stein und Ertzt erpressen
Und wissen was der Geist in dem Magneten würckt
Daß wir des Himmels-Lauff der Erden Ziel gemessen
Und alle Wissenschafft in unserm Kopff umzirckt:
Wird hier die Eitelkeit nicht unser Meister werden?
Der grosse Trismegist verfiel mit seiner Kunst.
Und wem sind unbekant die zornigen Geberden
Der Griechen wenn sie sah’n daß ihre Lehren Dunst.
Es müht sich Plato noch das höchste Gut zu finden
Es ruffet noch Stagyr das erste Wesen an
Und die Unsterblichkeit kan Socrates nicht gründen
Er opffert nur umbsonst dem
Wie schön Chrisyppus uns die Tugend vor kan mahlen
Läst doch sein eitler Wahn den schnöden selbst-Mord zu.
Des theuren Senecens erlauchte Weißheit-Strahlen
Versagen ihm zuletzt der Sinnen wahre Ruh.
Das ist das Tocken-Werck von menschlichem Verstande
So weit kan die Vernunfft nach ihrem Dünckel gehn:
Die Männer nannte man Orakel in dem Lande
Noch konten sie vor Fall und Fäulnüß nicht bestehn
Da sie das beste Theil der Wissenschafft erwehlet
Und fast der Ewigkeit am nechsten sich gemacht.
Was sonst der stoltze Mensch von Wunderthaten zehlet
Deckt die Vergessenheit mit ihrer langen Nacht.
Daß Völcker gantz verhetzt einander auffgerieben
Daß Monarchien nun berühmte Baaren seyn;
Daß der entmannte Pers hat Uppigkeit getrieben
Daß Griechen-Land der Türck jetzt schleust in Fessel ein
Und daß der Gothen Schwarm Rom und den Thron verstöret
Ja daß die Majestät auf teutschen Schultern schwebt
Und unser Landes-Volck nicht mehr die Hainen ehret
Und nach der Tugend so als vor nach Lastern strebt
Das macht der Wechsel-Gang der abgemässnen Zeiten
Von einer höhern Macht vorlängsten ausgesetzt;
Alleine Schatten sinds der grauen Ewigkeiten
Weil auch der Untergang allhier die Zähne wetzt.
Lust nun die Künstler sehn und ihrer Hände Wercke;
Apelles Farben sind verblichen als wie er:
Und des Lysippens Ertzt behält nicht seine Stärcke;
Was Myron ausgehölt ist aller Anmuht leer:
Was Phidias geschnitzt in tausend Stück gebrochen.
Trajanus Sieges-Pracht und Bogen sind entzwey
Die Schau-Plätz umbgekehrt die Wasser-Künst’ durchstochen
Der Bäder Lust verwüst durch frembde Raserey.
Auch unsrer Zeiten Künst’ ob sie auffs höchste kommen
Und derer Treffligkeit die Vorwelt schamrot macht
Sind dem gemeinen Schluß des Hinfalls nicht entnommen
Der Tag der sie gebahr der hat auch seine Nacht.
An was soll denn der Mensch nun sein Ergetzung haben?
Soller ein Götzen-Knecht des rothen Klumpen seyn?
Soll er in schnöder Lust der Jahre Lentz vergraben
Und tollen Regungen sich gäntzlich geben ein?
So ist die Seele tod der Leib ein Aaß zu heissen
So von dem faulen Koht verdammter Laster stinckt;
So ist er aus dem Buch der Lebenden zu reissen
Und würdig daß er Pech aus Lethens-Pfützen trinckt.
Zwar wer der Erden Lust und hoch-geschätzte Sachen
Mit irrdischer Vernunfft und Urtheil überlegt
Kan keinen andern Spruch als wol zu leben machen
Bevor wenn das Gelück das seine darzu trägt.
Es sehnt sich Fleisch und Blut in Rosen auch zu schlaffen
Und die Ergetzlichkeit ist der Begierden Freund
Geld Gütter Stand und Pracht sind ihre Wehr und Wassen
Wormit die Tugend sie offt gar zu fällen meynt.
Vlel müssen sich wie Wachs in eigner Brunst verzehren
Nachdem der Mensch gesinnt so hat er seinen GOtt:
Doch wenn die letzte Glut wird Erd und Welt verkehren
Erhellet auß der Wahl das Leben und der Tod.
Mein
Der Charitinnen Hertz der Musen Lust und Zier
Daß in der Eitelkeit dein Hertze nicht zerrinnet
Daß ein weit höher Ziel du dir gesetzet für
Erkennt der blasse Neid und muß es selber loben.
Wer an der Erden hengt der kommt nicht in die Hoh’,
Die unbekante Krafft die würcket nur von oben
Daß ein gantz himmlisch Sinn bey seinem Himmel sich.
Es ist ein grosser Kampff und ungemeines Streiten
Verachten was die Welt mit Wuntsch und Seufftzen ehrt
Und grösser ist es noch nicht auff dem Eyse gleiten
Da gar die Heiligen hat Aberwitz bethört.
Wie bist du nun gesinnt? Verzeihe daß ichs sage
Mein
Und daß ich Heucheley nicht in dem Hertzen trage
Hat dir als altem Freund entdecket längst die Zeit.
Du widmest deine Jahr entfernt von allen Lüsten
Gott und der Musen-Volck. Was hast du nicht gethan
Von Kindes-Beinen auff? Von deiner Mutter Brüsten
Hat dich Eusebie zum Sohn genommen an.
Der Hohen-Schulen Witz der fernen Reisen Länge
Und dann so manches Land wo Kunst und Weißheit blüht
Dir weiter beygelegt beliebter Gaben Menge
Die man in voller Frucht und höchstem Wachsthum siht.
Seit daß das Vater-Land dich wieder hat empfangen
Und unser Mutter-Stadt genommen in die Schoß
Mit was vor Embsigkeit und brennendem Verlangen
Hast du derselben Ruhm und Lob gemachet groß.
Ich schweige was du sonst den Musen zugeschrieben
Was der Unsterbligkeit dein Geist geopffert hat:
Nun aber du auch bist im Palmen-Feld beklieben
Daß ein Erlauchtes Haupt dir gibt der Sonnen Blat
So heiß ich dtch mit Recht der Künste Sonnen-Wende
Du sihst den Himmel an dich der Gelehrten Schaar
Und ein Gestrenger Rath wolt eben zu dem Ende
Dich lebend Bücher-Hauß den Büchern stellen dar.
Du hast der Ewigkeit ihr Reichthumb zu versorgen
Schatz-Kammern derer Schatz gewiß den Preiß behält.
Denn Güter deß Gelücks die Menschen täglich borgen
Verfallen Weißheit ist der Tugend Löse-Geld.
Wie wirst du weiter nicht den Palmen-Orden zieren
Und unsrer Mutter-Sprach ein theures Kleinod seyn.
Wir können nimmermehr den wahren Ruhm verlieren
Denn unsre Sprache trotzt Welsch Spanisch und Latein.
Wer siht im Teutschen-Land jetzt öde Wüsteneyen?
Wer klagt den Himmei an daß er zu eisern sey
Die Erde sonder Frucht die Lüffte voller Dreuen
Die Wasser voller Schlamm das Volck voll Barbarey?
Gewiß Arminius könt als Achilles stralen
Hätt unser Teutsches Blut auf Kunst so viel gewagt
Als daß es sich befliß den Schild mit Blut zu mahlen
Und in die Angen gieng den Feinden unverzagt.
Nachdem die Enderung der Zeiten sich begeben
Daß gar der Käyser-Stamm auß unser Wurtzel steigt
Bekrönet Teutsch-Lands Brust ein unvergleichlich Leben
Es war den Waffen hold den Künsten auch geneigt.
Ist nicht
Der was die Faust verübt in Teutschen Reimen sang
Und hegte solche Leut auß welcher Mund der Helden
Unsterblich Ehren-Ruhm durch Sud und Norden drang.
Die Fürsten folgten nach und sungen in die Wette
Es war kein schlechtes Lob hierinn ein Meister seyn.
Ach! daß der Zeiten Sturm uns nichts geraubet hätte
Wir sammleten darvon der Wörter Perlen ein.
Was überblieben ist gibt uns den Grund zu kennen
Und was der Sylben Laut und Eigenschafft betrifft;
So ist der Reime Band Kunst-mässig ja zu nennen
Bevor wer recht erwiegt der alten Ruhnen Schrifft.
Die Gothen haben auch Fuß-Stapffen hinterlassen
Daß Anlaß unsrer Zeit wol nach zuforschen gibt.
Die klugen Zeilen so die Leichen-Steine fassen
Beweisen wie sie stets die Sprache hochgeliebt.
Solt’ ich der Poest der Dänen noch erwähnen
Die ein gantz volles Meer sinnreicher Sachen ist
So müst ich mich zugleich auß Kunst-Begierde sehnen
Und klagen daß man nicht bey uns dergleichen list.
Wirfft nun der Neid mehr für daß wir nicht Bücher haben?
Pocht denn der Römer nur mit seiner Schrifften Zahl?
Viel hat die Mörderin der Kunst die Zeit begraben
Und viel dargegen gibt uns ein Gedächtnüß-Mahl.
Doch wo vergeh ich mich? Seh ich die Herrligkeiten
Der Sprache Majestät und Wunder-reinen Glantz
Ja wie sie durch den Kreiß der Welt sich kan außbreiten
Und unter andern trägt den schönsten Ehren-Krantz;
So muß ich ja gebückt die grossen Geister preisen
Die durch berühmten Fleiß diß Wesen außgedacht.
Und wer nur Teutsch gesinnt wird ihnen Danck erweisen
Daß unser Sprache blüht in unverwelckter Pracht
Auch täglich sich vermehrt durch übersetzte Bücher
Der Teutschen Zunge legt fast jeden Lands-Mann auß
Und singt ein solches Lied das vor dem Sterben sicher
Das von der Grufft befreyt wenn gleich der Leib ist grauß.
Mein Mund ist viel zu schwach die Helden zu besingen
Und ihr erlauchtes Lob acht dunckeln Zusatz nicht:
Der jene muß sich in die Sternen-Fackeln schwingen
Der Göttern überreicht ein ziemendes Gedicht.
Mein niedrig Epheu-Laub welckt für den grossen Palmen;
Die Weiden siht man nicht bey hohen Cedern stehn;
Ein starcker Wind zerbricht dem Korn-Baum seine Halmen
Die Eichen lassen Blitz und Donner auff sich gehn.
Ich bin vergnügt
Deß
Daß du ein würdig Glied so hoher Seelen worden
Und deine Gaben man auch ausser Landes schätzt.
Dein himmlisches Gemüth entbrant von Himmels-Flammen
Wird künfftig seiner Glut noch grösser Funcken streun.
Denn Lob und Ehre sind der Tugend wahre Ammen
Was kan den Menschen mehr als solch Gerücht erfreun?
Ich sehe schon im Geist die Kinder deiner Sinnen
Die Bücher welche du wirst bringen an das Licht:
Denn Art läst nicht von Art dein himmlisches Beginnen
Thut wie der Himmel thut und ruhet niemals nicht.
Du wirst den Helicon den Sion mehr besteigen
Und mitten in der Welt dir bau’n ein Paradieß
Frey keines Menschen Knecht glückselig und dein eigen
Wie unser’ Eltern selbst die Unschuld leben hieß.
Du kanst die Eitelkeit mit frohem Muth verlachen
Wenn der nach Gnaden laufft und der umb Liebe dient
Wenn zwey sich eine Grub umb vorzufallen machen
Ein ander sich viel fürcht ein ander viel erkühnt.
Diß ist dir unbewust bey deinem Schreibe-Tische
Da dich ein gutes Buch mit seltner
Und wenn du müde bist was deinen Geist erfrische
Sind häuffig Mittel da die dir Apollo weist.
So führst du auff der Welt ein Himmel-gleiches Leben
Uad sihst dem Gauckel-Spiel verlarvter Menschen zu;
Kanst GOTT von deinem Thun genaue Rechnung geben
Hast bey Gelehrten Ruhm und im Gewissen Ruh.
Du nutzest Menschen mehr als die zu nutzen meynen
Hilffst den mühseeligen Camenen kräfftig auff
Und läst’s mehr in dem Werck als in den Worten scheinen
Das gar ein seltsam Ding bey dieser Zeiten lauff.
Ist auch wol deine Hand dem Armen je verschlossen?
Hast du den Dürfftigen verlassen in der Noth?
Der so dir treu gedient hat deiner stets genossen
Und durch die Wolthat ist ein Mensch deß andern Gott.
So lebt wer als wie du nur himmlisch ist gesinnet
Der in der Ewigkeit Sicht-Spiegel sich beschaut
Und weil was irrdisch ist wie Well und Wind zerrinnet
In der gestirnten Höh’ sich eine Wohnung baut.
Er hinterläst der Welt sein rühmlich Angedencken
Theils Schrifften einverleibt theils Hertzen eingeprägt.
Ob man den Leib die Erd’ in Erde muß versencken
So blühet doch der Ruhm der Lorber-Kronen trägt.
Hochwerther Freund diß ist der Balsam der nicht modert
Der mit dem Tugend-Ruch die Nachwelt hauchet an.
Ein ewig Licht im Grab das nimmermehr verlodert
Ein
In diesem Anmuths-Zug muß ich die Reime schlüssen
Nimm doch von mir geneigt der Sinnen-Opffer an
Und wie die Sonne pflegt die Sonnen-Blum zu küssen
So wirff auch einen Stral auff diß was ich gethan.
Ich wünsche deinem Ruhm die rechten Adlers-Flügel
Daß er sich heben kan biß an der Sonnen-Zelt.
Apollo stärckt die Schrifft mit der neun Musen Siegel:
Es sey der Himmels-Freund unsterblich auff der Welt.