Als Tit. Herr Georg Schöbel in die Hochlöbl. Frucht- bringende Gesellschafft unt...

By Heinrich Mühlpfort

Daß eine Blumen-Uhr der Kircher hat erfunden

Ist der gelehrten Welt aus seinen Schrifften

Der Sonnen-Wende Blat entdecket Zeit und Stunden

So bald der Sonnen-Glantz bestralt der Erden Rund.

Mein

Und nach dem Himmel stets der Sinnen Blätter lenckt

Und daß gleich einer Uhr den Mittag du erreichet

Den Mittag höchster Zier mit Ruhm uñ Pracht umschrenckt

Ist wurdig daß es auch die Nachwelt möge wissen

Und daß es in dem Buch der Ewigkeiten steh’.

Wenn hohe Seelen als ein wahres Mitglied küssen

Der hat sich schon vermählt den Sternen in der Höh’.

Ich zweiffle nicht daran daß sich die Edle Palmen

Mit Lorbern untermengt bemühn umb einen Krantz

Den nicht die Tyranney der Zeiten kan zermalmen

Und der bey Frost und Glut nie ändert seinen Glantz.

Mich dünckt ich höre schon der Schwanen süsse Lieder

Wie jede Nachtigal der Musen zierlich singt

Und wie der Nachruhm sie auff güldenem Gefüder

Dir werther Musen-Freund als ein Geschencke bringt.

Soll ich allein durchsteint und kalter Marmel bleiben?

Erhitzet keine Glut der Dichter meine Brust?

Ich muß es zwar gestehn daß offt und viele Schreiben

Macht zu den Reimen mir mehr Eckel als wol Lust:

Und was mich reitzen kan sind himmlische Gedancken

In welche sich dein Geist so fest verwickelt hat

Mein Freund daß du verläst der Erden enge Schrancken

Und in Betrachtung dich deß Himmels machest satt.

Laß uns das grosse Nichts die gantze Welt durchreisen

Laß uns ins Alterthum verfloßner Jahre gehn

Was uns der Grieche da dort wird der Römer weisen

An Arbeit Kunst und Witz wie lange kont es stehn?

Vermag ein sterblich Mensch was ewiges zu bauen?

Wo sind die grossen Städt ach grosse Leichen! hin?

Vergebens schweifft man Ertzt und lässet Steine hauen

Die schönsten Wercke sind deß Untergangs Gewinn.

Daß Länder nicht mehr seyn daß Königreiche sterben

Daß der bey Norden wohnt so vor aus Westen kam

Daß Völcker frembder Art von frembden Völckern erben

Und Magellan den Weg nach mehrern Welten nahm;

Ja daß die Erde selbst offt ihren Sitz verkehret

Und da itzt Flutten speyt wo vor Getreyde stand

Bald durch ein rasend Feu’r der Berge Marckverzehret

Bald durch einewig Eyß verschleust der Flüsse Strand

Sind nur deß Unbestands gemeine Trauer-Zeichen:

An unsern Cörpern gehn mehr Jammer-Blicke für.

Wornach der Hochmuth uns die Seegel heisset streichen

Was ist es? Wind und Dunst von thörichter Begier.

Es sey daß wir die Welt und jede Kräuter kennen

Die Sternen in der Höh auff Fingern rechnen aus

Der Sonnen Leib befleckt den Monden bergicht nennen

Corallen wachsen sehn aus Thetis blauem Haus

Ja offt ein heilsam Oel aus Stein und Ertzt erpressen

Und wissen was der Geist in dem Magneten würckt

Daß wir des Himmels-Lauff der Erden Ziel gemessen

Und alle Wissenschafft in unserm Kopff umzirckt:

Wird hier die Eitelkeit nicht unser Meister werden?

Der grosse Trismegist verfiel mit seiner Kunst.

Und wem sind unbekant die zornigen Geberden

Der Griechen wenn sie sah’n daß ihre Lehren Dunst.

Es müht sich Plato noch das höchste Gut zu finden

Es ruffet noch Stagyr das erste Wesen an

Und die Unsterblichkeit kan Socrates nicht gründen

Er opffert nur umbsonst dem

Wie schön Chrisyppus uns die Tugend vor kan mahlen

Läst doch sein eitler Wahn den schnöden selbst-Mord zu.

Des theuren Senecens erlauchte Weißheit-Strahlen

Versagen ihm zuletzt der Sinnen wahre Ruh.

Das ist das Tocken-Werck von menschlichem Verstande

So weit kan die Vernunfft nach ihrem Dünckel gehn:

Die Männer nannte man Orakel in dem Lande

Noch konten sie vor Fall und Fäulnüß nicht bestehn

Da sie das beste Theil der Wissenschafft erwehlet

Und fast der Ewigkeit am nechsten sich gemacht.

Was sonst der stoltze Mensch von Wunderthaten zehlet

Deckt die Vergessenheit mit ihrer langen Nacht.

Daß Völcker gantz verhetzt einander auffgerieben

Daß Monarchien nun berühmte Baaren seyn;

Daß der entmannte Pers hat Uppigkeit getrieben

Daß Griechen-Land der Türck jetzt schleust in Fessel ein

Und daß der Gothen Schwarm Rom und den Thron verstöret

Ja daß die Majestät auf teutschen Schultern schwebt

Und unser Landes-Volck nicht mehr die Hainen ehret

Und nach der Tugend so als vor nach Lastern strebt

Das macht der Wechsel-Gang der abgemässnen Zeiten

Von einer höhern Macht vorlängsten ausgesetzt;

Alleine Schatten sinds der grauen Ewigkeiten

Weil auch der Untergang allhier die Zähne wetzt.

Lust nun die Künstler sehn und ihrer Hände Wercke;

Apelles Farben sind verblichen als wie er:

Und des Lysippens Ertzt behält nicht seine Stärcke;

Was Myron ausgehölt ist aller Anmuht leer:

Was Phidias geschnitzt in tausend Stück gebrochen.

Trajanus Sieges-Pracht und Bogen sind entzwey

Die Schau-Plätz umbgekehrt die Wasser-Künst’ durchstochen

Der Bäder Lust verwüst durch frembde Raserey.

Auch unsrer Zeiten Künst’ ob sie auffs höchste kommen

Und derer Treffligkeit die Vorwelt schamrot macht

Sind dem gemeinen Schluß des Hinfalls nicht entnommen

Der Tag der sie gebahr der hat auch seine Nacht.

An was soll denn der Mensch nun sein Ergetzung haben?

Soller ein Götzen-Knecht des rothen Klumpen seyn?

Soll er in schnöder Lust der Jahre Lentz vergraben

Und tollen Regungen sich gäntzlich geben ein?

So ist die Seele tod der Leib ein Aaß zu heissen

So von dem faulen Koht verdammter Laster stinckt;

So ist er aus dem Buch der Lebenden zu reissen

Und würdig daß er Pech aus Lethens-Pfützen trinckt.

Zwar wer der Erden Lust und hoch-geschätzte Sachen

Mit irrdischer Vernunfft und Urtheil überlegt

Kan keinen andern Spruch als wol zu leben machen

Bevor wenn das Gelück das seine darzu trägt.

Es sehnt sich Fleisch und Blut in Rosen auch zu schlaffen

Und die Ergetzlichkeit ist der Begierden Freund

Geld Gütter Stand und Pracht sind ihre Wehr und Wassen

Wormit die Tugend sie offt gar zu fällen meynt.

Vlel müssen sich wie Wachs in eigner Brunst verzehren

Nachdem der Mensch gesinnt so hat er seinen GOtt:

Doch wenn die letzte Glut wird Erd und Welt verkehren

Erhellet auß der Wahl das Leben und der Tod.

Mein

Der Charitinnen Hertz der Musen Lust und Zier

Daß in der Eitelkeit dein Hertze nicht zerrinnet

Daß ein weit höher Ziel du dir gesetzet für

Erkennt der blasse Neid und muß es selber loben.

Wer an der Erden hengt der kommt nicht in die Hoh’,

Die unbekante Krafft die würcket nur von oben

Daß ein gantz himmlisch Sinn bey seinem Himmel sich.

Es ist ein grosser Kampff und ungemeines Streiten

Verachten was die Welt mit Wuntsch und Seufftzen ehrt

Und grösser ist es noch nicht auff dem Eyse gleiten

Da gar die Heiligen hat Aberwitz bethört.

Wie bist du nun gesinnt? Verzeihe daß ichs sage

Mein

Und daß ich Heucheley nicht in dem Hertzen trage

Hat dir als altem Freund entdecket längst die Zeit.

Du widmest deine Jahr entfernt von allen Lüsten

Gott und der Musen-Volck. Was hast du nicht gethan

Von Kindes-Beinen auff? Von deiner Mutter Brüsten

Hat dich Eusebie zum Sohn genommen an.

Der Hohen-Schulen Witz der fernen Reisen Länge

Und dann so manches Land wo Kunst und Weißheit blüht

Dir weiter beygelegt beliebter Gaben Menge

Die man in voller Frucht und höchstem Wachsthum siht.

Seit daß das Vater-Land dich wieder hat empfangen

Und unser Mutter-Stadt genommen in die Schoß

Mit was vor Embsigkeit und brennendem Verlangen

Hast du derselben Ruhm und Lob gemachet groß.

Ich schweige was du sonst den Musen zugeschrieben

Was der Unsterbligkeit dein Geist geopffert hat:

Nun aber du auch bist im Palmen-Feld beklieben

Daß ein Erlauchtes Haupt dir gibt der Sonnen Blat

So heiß ich dtch mit Recht der Künste Sonnen-Wende

Du sihst den Himmel an dich der Gelehrten Schaar

Und ein Gestrenger Rath wolt eben zu dem Ende

Dich lebend Bücher-Hauß den Büchern stellen dar.

Du hast der Ewigkeit ihr Reichthumb zu versorgen

Schatz-Kammern derer Schatz gewiß den Preiß behält.

Denn Güter deß Gelücks die Menschen täglich borgen

Verfallen Weißheit ist der Tugend Löse-Geld.

Wie wirst du weiter nicht den Palmen-Orden zieren

Und unsrer Mutter-Sprach ein theures Kleinod seyn.

Wir können nimmermehr den wahren Ruhm verlieren

Denn unsre Sprache trotzt Welsch Spanisch und Latein.

Wer siht im Teutschen-Land jetzt öde Wüsteneyen?

Wer klagt den Himmei an daß er zu eisern sey

Die Erde sonder Frucht die Lüffte voller Dreuen

Die Wasser voller Schlamm das Volck voll Barbarey?

Gewiß Arminius könt als Achilles stralen

Hätt unser Teutsches Blut auf Kunst so viel gewagt

Als daß es sich befliß den Schild mit Blut zu mahlen

Und in die Angen gieng den Feinden unverzagt.

Nachdem die Enderung der Zeiten sich begeben

Daß gar der Käyser-Stamm auß unser Wurtzel steigt

Bekrönet Teutsch-Lands Brust ein unvergleichlich Leben

Es war den Waffen hold den Künsten auch geneigt.

Ist nicht

Der was die Faust verübt in Teutschen Reimen sang

Und hegte solche Leut auß welcher Mund der Helden

Unsterblich Ehren-Ruhm durch Sud und Norden drang.

Die Fürsten folgten nach und sungen in die Wette

Es war kein schlechtes Lob hierinn ein Meister seyn.

Ach! daß der Zeiten Sturm uns nichts geraubet hätte

Wir sammleten darvon der Wörter Perlen ein.

Was überblieben ist gibt uns den Grund zu kennen

Und was der Sylben Laut und Eigenschafft betrifft;

So ist der Reime Band Kunst-mässig ja zu nennen

Bevor wer recht erwiegt der alten Ruhnen Schrifft.

Die Gothen haben auch Fuß-Stapffen hinterlassen

Daß Anlaß unsrer Zeit wol nach zuforschen gibt.

Die klugen Zeilen so die Leichen-Steine fassen

Beweisen wie sie stets die Sprache hochgeliebt.

Solt’ ich der Poest der Dänen noch erwähnen

Die ein gantz volles Meer sinnreicher Sachen ist

So müst ich mich zugleich auß Kunst-Begierde sehnen

Und klagen daß man nicht bey uns dergleichen list.

Wirfft nun der Neid mehr für daß wir nicht Bücher haben?

Pocht denn der Römer nur mit seiner Schrifften Zahl?

Viel hat die Mörderin der Kunst die Zeit begraben

Und viel dargegen gibt uns ein Gedächtnüß-Mahl.

Doch wo vergeh ich mich? Seh ich die Herrligkeiten

Der Sprache Majestät und Wunder-reinen Glantz

Ja wie sie durch den Kreiß der Welt sich kan außbreiten

Und unter andern trägt den schönsten Ehren-Krantz;

So muß ich ja gebückt die grossen Geister preisen

Die durch berühmten Fleiß diß Wesen außgedacht.

Und wer nur Teutsch gesinnt wird ihnen Danck erweisen

Daß unser Sprache blüht in unverwelckter Pracht

Auch täglich sich vermehrt durch übersetzte Bücher

Der Teutschen Zunge legt fast jeden Lands-Mann auß

Und singt ein solches Lied das vor dem Sterben sicher

Das von der Grufft befreyt wenn gleich der Leib ist grauß.

Mein Mund ist viel zu schwach die Helden zu besingen

Und ihr erlauchtes Lob acht dunckeln Zusatz nicht:

Der jene muß sich in die Sternen-Fackeln schwingen

Der Göttern überreicht ein ziemendes Gedicht.

Mein niedrig Epheu-Laub welckt für den grossen Palmen;

Die Weiden siht man nicht bey hohen Cedern stehn;

Ein starcker Wind zerbricht dem Korn-Baum seine Halmen

Die Eichen lassen Blitz und Donner auff sich gehn.

Ich bin vergnügt

Deß

Daß du ein würdig Glied so hoher Seelen worden

Und deine Gaben man auch ausser Landes schätzt.

Dein himmlisches Gemüth entbrant von Himmels-Flammen

Wird künfftig seiner Glut noch grösser Funcken streun.

Denn Lob und Ehre sind der Tugend wahre Ammen

Was kan den Menschen mehr als solch Gerücht erfreun?

Ich sehe schon im Geist die Kinder deiner Sinnen

Die Bücher welche du wirst bringen an das Licht:

Denn Art läst nicht von Art dein himmlisches Beginnen

Thut wie der Himmel thut und ruhet niemals nicht.

Du wirst den Helicon den Sion mehr besteigen

Und mitten in der Welt dir bau’n ein Paradieß

Frey keines Menschen Knecht glückselig und dein eigen

Wie unser’ Eltern selbst die Unschuld leben hieß.

Du kanst die Eitelkeit mit frohem Muth verlachen

Wenn der nach Gnaden laufft und der umb Liebe dient

Wenn zwey sich eine Grub umb vorzufallen machen

Ein ander sich viel fürcht ein ander viel erkühnt.

Diß ist dir unbewust bey deinem Schreibe-Tische

Da dich ein gutes Buch mit seltner

Und wenn du müde bist was deinen Geist erfrische

Sind häuffig Mittel da die dir Apollo weist.

So führst du auff der Welt ein Himmel-gleiches Leben

Uad sihst dem Gauckel-Spiel verlarvter Menschen zu;

Kanst GOTT von deinem Thun genaue Rechnung geben

Hast bey Gelehrten Ruhm und im Gewissen Ruh.

Du nutzest Menschen mehr als die zu nutzen meynen

Hilffst den mühseeligen Camenen kräfftig auff

Und läst’s mehr in dem Werck als in den Worten scheinen

Das gar ein seltsam Ding bey dieser Zeiten lauff.

Ist auch wol deine Hand dem Armen je verschlossen?

Hast du den Dürfftigen verlassen in der Noth?

Der so dir treu gedient hat deiner stets genossen

Und durch die Wolthat ist ein Mensch deß andern Gott.

So lebt wer als wie du nur himmlisch ist gesinnet

Der in der Ewigkeit Sicht-Spiegel sich beschaut

Und weil was irrdisch ist wie Well und Wind zerrinnet

In der gestirnten Höh’ sich eine Wohnung baut.

Er hinterläst der Welt sein rühmlich Angedencken

Theils Schrifften einverleibt theils Hertzen eingeprägt.

Ob man den Leib die Erd’ in Erde muß versencken

So blühet doch der Ruhm der Lorber-Kronen trägt.

Hochwerther Freund diß ist der Balsam der nicht modert

Der mit dem Tugend-Ruch die Nachwelt hauchet an.

Ein ewig Licht im Grab das nimmermehr verlodert

Ein

In diesem Anmuths-Zug muß ich die Reime schlüssen

Nimm doch von mir geneigt der Sinnen-Opffer an

Und wie die Sonne pflegt die Sonnen-Blum zu küssen

So wirff auch einen Stral auff diß was ich gethan.

Ich wünsche deinem Ruhm die rechten Adlers-Flügel

Daß er sich heben kan biß an der Sonnen-Zelt.

Apollo stärckt die Schrifft mit der neun Musen Siegel:

Es sey der Himmels-Freund unsterblich auff der Welt.