Als Tit. Herr Hoffraht Stahl/ damahliger Pro-Rector der Hochlöbl. Friedederichs-...
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Vergönne Theurer Mann den Halle muß besingen
Den Teutschland hoch verehrt die Klugheit herrlich preißt
Der aus der ferne läßt auch Kranken zu sich bringen
Woran er seine Kunst zu ihrem Heil erweißt
Daß man den Curen so wie den gelehrten Schrifften
Ein ewig Ehren-Mahl muß bey der Nachwelt stifften.
Vergönne bitten wir daß wir bey deiner Liebe
Du Phoenix, der sich so wie andere verjüngt
Ein Vivat angestimmt das nach dem Ehrfurchts-Triebe
So du in uns erweckst und lauter Liebe klingt:
Die Musen grüßen dich als Vater dieser Zeiten
Und freuen sich demnach bey deinen Lustbarkeiten.
Gewiß wer deinen Stand Hoch-Edler recht bedencket
Der schätzet dich beglückt daß dir ein schönes Kind
Des Himmels Gütigkeit von neuen hat geschencket
Und deine Geister nun dadurch erqvicket sind.
Wenn Blumen in dem May in Sommer Frucht gewesen
So läßt im Herbste dich Gott süße Trauben lesen
Die süßen Trauben sind ein Bild vom Ehestande
Die trägt ein edler Stock im Herbste dir zur Lust.
Engeddi Reben-Blut in dem gelobten Lande
Ist deiner Wesnerin Hertz Anmuht Aug und Brust.
Wenn die Gelehrten sich zu weilen letzen müßen:
So wilst du dein Geblüt auch der Gestalt versüßen.
Vor allen kluger Mann da du so viel geschrieben
Daß sich Hyppocrates in dir belebet sieht:
So will dein edler Geist auch Neben-Stunden lieben:
Drum kaufst du dir ein Hauß dabey ein Garten blüht
Um da ein heilsam Kraut die Rose zum Ergetzen
Die schöne Wesnerin zur Wartung nein zusetzen.
Die Holde Wesnerin ist Rosen zu vergleichen
Was Wangen und den Mund den schönen Mund betrifft.
Ihr Blumen-Frühling wird so leichtlich keinem weichen.
Ihr Tugendhafft Gemüht verdient die Uberschrifft:
Hier ist die Garten-Lust der Augen süße Weide
Vor unsers theuren Stahls verjungte Krafft und Freude.
Wir ehren diesen Tag du Kleinod dieser Zeiten
Da deines Lebens-Glantz sich auf geklähret hat.
Wir suchen nicht dein Lob nach Würden aus zubreiten
Dein Ruhm ist viel zu groß vor dieses kleine Blat.
Wir wollen unsre Brust allein mit Freuden schmücken
Und diesen treuen Wunsch vor dich zum Himmel schicken.
Weil Gärten Medicis am allerbesten dienen:
So müße deiner auch an Lebens-Kräutern blühn
An Blumen reicher Lust an lauter Wohlseyn grünen
Und euer Rosen-Beet kein Frost nicht überziehn
Auch süße Trauben da wie in Engeddi Garten
Den Hoch-bemühten Geist mit frischen Labsahl warten.
Du Hoch-berühmter Stahl wenn man mit Stahl und Eisen
Den Zeiten trotzen kan so müße sich dein Glück
So standhafft als dein Muht und großes Hertz beweisen;
Ja es bestrahle dich ein steter Freuden-Blick
Daß Euer Leben so gleich deiner Tugend gaben
Mag Zeiten die von Stahl das ist auf ewig haben.
Stahl putzt den Marmor aus und macht die schönsten Sachen.
Was sonst dein Geist polirt ist unvergleichlich schön;
Du wirst es also auch mit deinem Engel machen
Die reinen Marmor läst auf Brust und Stirnen sehn.
Damit wir Himmel gib bald zu dem Vivat schreiten:
Daß Stahl aus Marmor kan das schönste Bild bereiten.