Als tit. Herr Wolff Abraham von Gerß- dorf zum amts-hauptmann erwehlet wurde.
Dein wohlseyn, edles land! ist gros und ungemein:
Der himmel scheinet dir vor andern sehr geneiget:
Hast du, wie Rhodus, schon nicht täglich sonnen-schein;
So siehst du, wie dein glantz aus vielen sonnen steiget.
Dein rechtes sonnen-licht ist Friderich August,
Der so viel huld und schutz, als Phöbus, strahlen giebet:
Dein land-vogt, welcher dich, wie dieser vater, liebet,
Trägt seines fürsten bild mehr in als auf der brust;
Und ob von diesem zwar an ehren-vollem leben
Viel grosse sich bemühn, den widerschein zu geben:
So sieht man doch, daß der, so ihm am nahmen gleicht,
Den abriß auch zugleich von seiner tugend reicht;
So daß sie allerseits in deinen frohen grentzen,
Den neben-sonnen gleich, von einem lichte gläntzen.
Es legt der adel itzt ein klares zeugniß dar,
Der, grosser Gerßdorff! dich zu seinem haupte wehlet.
Er hat, weil ihm so wohl bey deinem vater war,
Ein gleiches ehren-maas dem sohne zugezehlet.
Man trägt ein solches amt nur klugen häuptern an:
Wer starcke schultern hat, dem wird viel aufgeleget:
Ein Atlas muß es seyn, der so viel wolcken träget,
Auf dessen gipfel selbst der himmel ruhen kan.
Es kan kein Phaeton den sonnen-wagen führen,
Und auch kein schwaches kind ein schweres schiff regieren.
Weil nun dein seltner witz und hurtiger verstand,
Den schnellen blitzen gleich, fast überall bekannt;
So kan man bey dein amt, als eine crone, schreiben:
Sie muß dem würdigsten allein zu theile bleiben.
Natur und himmel hat darzu dich ausgerüst;
Wem deine jugend-zeit nur halb bekannt gewesen,
Spricht, daß du jeden tag an witz gewachsen bist,
Und daß man blüth’ und frucht von dir zugleich gelesen:
Dein auge hat nur das, was rühmlich war, geliebt,
Und weil dir wohl bewust, daß reisen und studiren
Des adels pracht-gebäu, gleich zweyen pfeilern, zieren;
So hast du billich dich in beyden so geübt,
Daß ruhm und glücke sich mit allen ihren gaben
Um deine freundschafft fast hernach gezancket haben.
Und da du dreyzehn jahr die ehren-volle last
Als landes-ältester mit ruhm getragen hast,
Ist ja des fürsten gunst, der stände wahl zu loben,
Die dich nach aller wunsch zum hauptmann hat erhoben.
Und also weiß man fast von dieser würde nicht:
Ob selbte mehr durch dich, als du durch sie, geehret?
Weil über diß von dir die hoffnung nichts verspricht,
Als was dem lande nützt, der adel gerne höret.
Man tröstet sich bereits nach mehr als güldner zeit:
Du wirst, gleich einer gluth, die bösen zwar verbrennen,
Den frommen aber auch viel wärme geben können;
Und deine klugheit wird an muntrer wachsamkeit
Dem kranich ähnlich seyn, der durch sein stehn und wachen
Kan andern sicherheit und ruh im schlafe machen.
Mein vater hofft denn auch in deiner gunst zu stehn,
Und wünscht, es müsse dir wie Phalereo gehn:
Daß dir vor deine treu mög in dem gantzen Sachsen
Ein neues ehren-mahl mit jedem tage wachsen!