Als zwey Verliebte durch den dritten ver- stöhret wurden.

By Johann Georg Gressel

Amariane die Geübte

Lag in dem weichen Feder-Grab

Als ihr

Vergnügte Lust zu kosten gab

Ach! sprach sie möcht’ ich so stets leben

Und mir mein Licht

Sie schloß ihn in die weichen Arme

Und druckte ihn an ihre Brust;

Sie sprach: wenn ich also erwarme

So wird mir solche Lust bewust

Die gegen alle Süssigkeiten

Kan um die Ober-Herrschafft streiten.

Hier hielt sie Augenblicklich innen

Die Zunge ließ das Reden seyn

Auch warff die Anmuht ihre Sinnen

In eine süsse Ohnmacht ein

Sie starb doch muste ihr das sterben

Die allersüßte Lust erwerben.

Sie lag und rührte nicht die Glieder

Nur daß der Athen hefftig ging

Doch kahm das Leben endlich wieder

Worauf sie an zu reden fing:

Ach süsser Tod! in welch’ Ergötzen

Kanst du doch meine Seele setzen.

Nichts kan auf diesem Rund der Erden

Das mit dir zu vergleichen sey

Durch keine Kunst erfunden werden;

Helari stimmte auch mit bey

Und sprach: Mein Kind ach dis Vergnügen

Kan alle ander Lust besiegen.

Kaum als die Worte ausgesprochen

Da sanck

Sie sprach: Jhr Augen seyd gebrochen

Wie! daß ich noch am Leben bin

Ach Tod komm! laß es doch geschehen

Daß ich mit ihm mag untergehen.

So gleich ersturben ihr die Geister

Die Zunge blieb erstarret stehn.

Die Ohmacht wurde von ihr Meister

Es war um alle Krafft geschehn.

Doch ihr Vergnügen zu vermehren

Must’ ihnen der Geist wiederkehren.

Sie küßten sich und lachten beyde

Als jemand in die Kammer kahm

Worauf zu ihrem grossem Leide

Gleich ihre Lust ein Ende nahm

In welcher man nach vielen Stunden

Sie hätte sonsten noch gefunden.