Am Morgen

By Clara Müller-Jahnke

Written 1882-01-01 - 1882-01-01

Nun bleichen die Sterne im Dämmergrau,

und die Geister schweben von hinnen –

und ich möchte dich halten, du blühender Traum

und fühle dich schon zerrinnen!

Ich möchte dich malen als wonniges Lied,

mit glühenden Reizen dich schmücken –

die Farbe ist blaß und die Form zerrinnt

und es will kein Strich mir glücken.

Ich möchte dich singen als jubelndes Lied

der kommenden Sonne entgegen –

das Wort versagt und die Stimme bricht

vor des Herzens wogenden Schlägen.

Wer faßt den sprühenden Schaum? Wer bannt

der Stunde flüchtige Sohle?

Wer fängt den Strahl und wer hascht den Duft

der träumenden Nachtviole?!