Am Sonntag

By Simon Dach

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Auch diese Nacht hat sich verlohren.

Der Sonntag wird geschaut,

Den Gott zu seiner Ruh erkohren,

Als er die Welt gebaut,

Und wil, daß er uns in gemein

Sol gleichfalls heilig seyn.

So danck' ich, Vater, dir von Hertzen,

Daß du mein armes Gut

Und mich bewahrt für Noth und Schmertzen,

Durch deiner Engel Hut,

Die Dieberey, auch Mord und Brand

Getreulich abgewand.

Und nun du mich erleben lassen

Den werthen Sabbath-Tag,

So gib, daß ich auch Kräfte fassen

Und ihn recht feyren mag,

Und schenck mir hierzu allermeist,

Herr, deinen guten Geist.

Der öffne meines Hertzens Pforte,

Und thu was ihm bewußt,

Daß ich an deinem heilgen Worte

Hab alle meine Lust,

Und mir es lasse lieber seyn

Als Gold und Edelstein.

Laß mit den Sinnen mich nicht wancken,

Nimm gäntzlich mich von mir,

Sperr' ein den Umbschweiff der Gedancken

Und richte sie zu dir,

Damit die gantze Predigt frey

Von fremden Sorgen sey.

Mach dir mein Hertz für allen Dingen

Zu deinem Heiligthum,

Und laß den gantzen Tag erklingen

Von deinem Lob und Ruhm,

Gib keiner Sünd und Frevelthat

In meiner Seelen statt.

Mein Hertz eröffne sich dem Armen

In seiner grossen Noth,

Daß ich aus Christlichem Erbarmen

Ihm theile mit mein Brod,

Des Krancken pfleg' und mancherley

Erweise Lieb und Treu.

Werd' ich die Woche so anfangen,

So wird mein Werck darauff

Auff aller Wolfahrt Zweck gelangen,

Bis sich beschleust mein Lauff,

Und ich den ew'gen Sabbat-Tag

Im Himmel halten mag.