Amor ein Tyranne.

By Johann Georg Gressel

Vertrau dich Amorn nicht er ist ein ertz Tyranne

Kommt er gleich schmeichelnd an und scheint dir Most

zu seyn

So schencket er zuletzt doch Gall vor Honig ein

Er ruhet eher nicht bis daß dich in die Pfanne

Haut Gram und Eyversucht;

Und bis der blasse Tod dein armes Leben endet

Wenn man nun in das Grab den starren Leichnam senckt

Alsdann er sich gar offt doch viel zu späht bedenckt

Und seinen harten Grimm in eine Liebe wendet;

Drum eile mit der Flucht

Daß dich das blinde Kind im Fluge nicht ereile

Und an ein Felsen Hertz mit seiner Wehr anpfeile

Wenn du ihm wirst entgehn wird dir die Nach-Welt setzen

Ein prächtig Ehren-Mahl und diese Schrifft dran ätzen:

Steh Leser! dieser Mensch ist nie verliebt gemacht

Cupiden hat er stets mit seiner Lust veracht.