Amors Feder

By Wilhelm Müller

Written 1810-01-01 - 1810-01-01

Jüngst sah ich einen Knaben

Mit rosenrothen Flügeln

An einem Rohre schnitzen.

Dacht' ich: 'S ist eine Feder:

Und bat darum den Kleinen.

Er warf sie mir entgegen

Grad' auf die Brust, und lachte.

Was hat er denn zu lachen?

Fragt' ich mich selbst und setzte

Mich nieder, um zu schreiben

An meine gute Mutter.

Doch ach, die arge Feder!

Ich kann kein andres Wörtchen

Damit, als Liebe, schreiben,

Und immer, wenn ich schreibe,

Denk' ich an schmucke Mädchen.