Amors Schätze.

By Johann Georg Gressel

Nächst; da der Phosphorus schon durch die Wolcken

brach

Und diese dunckle Welt mit seinem Licht bestrahlte;

Da

Auf der bethanten Au wie Diamanten prahlte.

Da suchte

Jm Garten seine Lust; in den belaubten Aesten

Schlug hier ein Vogel an dort lockte ihn das Weib;

Der süsse Morgen-Wind die sanffte Lufft von Westen.

Bließ ihm von Roßmarin

Der

Mit mehr denn Königs-Pracht geziemend angethan

Der Tulpen hohes Haupt ein schöner Krantz bekräntzte

Die

Die Nelcken liessen sich hoch-auffgebrüstet sehen

Die Lilje prahlete wie sie so schön gemacht

Die Rose zeigte an daß es mit recht geschehen

Da sie zur Königinn der Blumen sey ernennt

Narcissus ließ alldort die weissen Locken hangen

Und schien aus Ubermuht noch in sich selbst entbrennt

So sah er seine Lust an ihrem stoltzen Prangen

Und ging mit sanfften Schritt durch das

Zu einem Manlbeer-Baum und dessen kühlen Schatten

Allwo die Lieblichkeit in vollem Schmucke saß

Die Ruhe nahm ihn auf in die bekleeten Matten.

Kaum aber hatt’ er sich aufs weiche Gras gelegt

Als ihm ein süsser Schlaff die matten Augen schlosse

Da doch sein Geist in ihm von höhern Trieb erregt

Recht ungemeine Lust in diesem Schlaff genosse.

Denn es erschiene ihm der kleine Liebes Gott

Und sprach: wenn

So folge er mir nach in jene dunckle Grott

Wenn er mir folgen will und meinen Worten trauen?

So zeigt ihm meine Gunst der Liebe Auffenthalt.

Der Antrag mugte gleich dem

Drum ging er

Mit ihm daselbsten an wo dessen schätze lagen.

Der Grotten Finsterniß im Augenblick verschwand

Er sah durch einem Blitz viel Fackeln angezündet

Und wuste nicht wer sie so schleunig angebrandt

Dis sind die Schätze all die man von Gold hier findet:

Hub

In jenem

Verwunder dich des nicht ists gleich ein enger Platz

Wo dieser Schatz jetzt liegt so must du ihn doch lieben.

Cupido zog hiemit ein dünnes Tuch bey seit

Und zeigte ihm daselbst ein schön geputztes Bette

Darinnen lag ein Mensch mit Rosen überstreut

Sonst ward er nichts gewahr im gantzem

Und doch solt’

Da solten

Wo man kein Silber sah kein Gold noch Demant-Stein

Er dachte kleiner Schalck du solt mich nicht betriegen

Wie du im Sinne hast; hier siehe

Hub

Verdammter Spötter Geist jetzt soll die Schönheits-Sonn

Nach kurtzer Zauderung aus dunckeln Wolcken brechen.

Indem er dis gesagt war auch das Bett’ entdeckt

Er sah ein Weibes-Bild so gantz der

Das hatte vorwerts sich gantz nackend ausgestreckt

Vor deren Schönheits Glantz

Jhr gold entflammtes Haar die Alabaster Stirn

Der blauen Augen Blitz und die so schönen Wangen

Wie Minch und Milch vermischt verrückten sein Gehirn

Der wohl-

So die Natur dahin zu unser Lust gesetzt

Das Kinn war zugespitzt der Hals als

So künstlich als wenn ihn

Die Brüste zeigten sich wie eine Liljen Bühne.

Bald wie ein

Es ließ dis stille Meer nur sanffte Wellen spielen

Des Bulgen Alabast darauf Corallen stehen.

Die Schiffer dürffen da kein Ungewitter fühlen

Weil der erwünschte Port schon in der Nähe ist

Der Wollen-weiche Bauch der prangte mit Turckosen

Die ihre weisse Haut in schönster Zierde küst.

Die Hüfften zeigten sich wie weisse Anmuhts-Rosen

Darzwischen die Natur ein schönes Schloß gebaut.

Da ragte es hervor mit seinen

Darnach ein jedes Schiff als seinen

Liegt man in diesem Port so lacht man zu den Blitzen

Kein rauher Sturm verdirbt der Wollust Lagerstadt

Da ist der Sammel-Platz der allersüßten Lüste

Und

Dis ist der schöne Wald und die beliebte Wüste

Der Liebe Paradies der Lüste Canaan:

Wohin einjeder wünscht und unser Reitzung strebet

Der

Der seine Gegend ziert und ihren Pracht erhebet.

Rubinen kröneten den Alabaster Thron

Zu welchem Könige sich auch in Demuht beugen

Und vor ihm niederstreun Hertz Scepter Reich und Kron

Die da von ihrer Treu als Geissel müssen zeugen.

Des Leibes Untertheil war auch wol werth zu sehn

Die Helffenbeinern Knie die Spiegel-glatten Beine

Der wohlgemachte Fuß und die

Die schienen fast geschnitzt aus weissen

Hier siel die Decke zu die Kurtzweil war vorbey

Ohn daß er dieses Bild demühtig können grüssen

Das

Drauf must’ er seine Lust mit herben Schmertzen büssen

Als der erzürnte Gott ihn in das Hertze schoß

Und sprach: so muß ich dich verruchter Spötter lohnen

Weil du entweyhet hast

Fort packe dich dahin wo

Hierauf verschwand er ihm die Fackeln gingen aus

Er war mit grosser Furcht mit herber Angst umgeben

Er tapte an der Wand er fand kein Grotten-Haus

Und sah ein Jrwisch-Licht mit schrecken um ihm schweben.

Demselben folgte er zu seinem Schaden nach

(weil dessen falscher Schein auch Wachende bethöret)

Biß daß er endlich kam an einen grossen Bach;

Wie nun sein Ohr den Strohm und dessen Brausen höret.

Da hatt’ er seinen Fuß schon in dem Fluß gesetzt.

Er lieff in Eyl zurück und floh des Jrwischs Schatten

Weil er den Folgenden durch seinem Schein verletzt.

Doch sah’ er ihn vor sich mit vielen andern gatten

Bis daß er endlich gar im Augenblick verschwand.

Drauf war das gantze Feld mit Finsterniß bedecket

Und er verharrete an dem bemooßten Strand.

Hier wurde er aus Noht aus Furcht und Schlaff erwecket

Denn seine

Dem treuem

Er sprung geschwinde auf fiel

Und sprach: wohin mein Licht mein eintziges Verlangen?

Cupido soll dennoch von mir geäffet seyn;

Sein Zorn ist Kinder-Spiel sein Pfeil der wird verlachet

Er darff zu unser Lust nicht bitter Wermuht streun

Weil ihr

Die Worte hatte er im Schlaffe weggeredt

Und nicht darauf geacht daß

Die Falsche hatte sich freywillig abgedreht

Und weil die Liebe todt die Treu dazu verblichen

So solte

Es solte ihm der Kuß zur letzten Oehlung dienen

Und ihrer Lippen-Gifft vermehren seine Pein.

Sie sagte bey sich selbst: nun ist der Tag erschienen

An welchem

Allein ob

So lebt und lebet er dennoch ihr zum Verdruß

Er ehrt das schöne Bild das

Und bannet

Wo Löw und Tyger-Thier bey Basilisken wohnen.

Es scheint sein glückes Stern und lencket seinen Sinn

Daß er die Falsche muß mit gleicher Müntze lohnen.

Verläst ihn

Spielt sie mit ihrer Tren so lacht er seiner Schwüre

Zürnt

Wie er den Liebes-Brand nicht in der Seelen spühre

Den gegen

Er nehrt die keusche Brunst die sein Gemüht er quicket

So

Nachdem ihn

So zündet ihr sein Geist gebührend Weyrauch an

Er schätzet ihre Schooß mehr als der Heyden Götter

Weil sie diejenigen zu Sclaven machen kan.

Vor diesem beugen sich auch die verruchsten Spötter

Und streun dem Schooß-Altar den besten Weyrauch auf.

Jm Felde prahlet

Die

Siegt er gleich Fürsten an sie kan er nicht besiegen

Er sencket sich erhitzt in ihre hole Schooß

Und kühlet bey ihr ab die heissen Liebes Flammen

Die

Und führet alle Lust in diesem Kreyß zusammen

Woher die Liebe selbst den ersten Ursprung hat

Wo sie des Tages-Schein zum ersten hat genossen

Als sich ihr Muschel-Schloß in bittrer See auffthat.

Die Reitzung ist daselbst mit ihr zugleich entsprossen

Drum sehnet jedes Schiff nach diesem Haven hin

Hier wünschet jede Jagd den Ancker auszuwerffen

Der Schiffmann spricht: Nun ich in diesem Haven bin

Muß

Sein gelb-geflammter Strahl wird hier nicht mehr geacht

Er selbsten wurd’ ein Schwaan um

Europa wurd von ihm in Stiers Gestalt gebracht

Nach

Hier zeigte

Daß seine Stärcke muß vor

Was keine Creatur von ihm erhalten kan

Kan

Kein Wunder daß der Mensch sich nach dem Gute sehnt

Was selbst der Götter Zunfft so sehnlich hat begehret

Wozu uns die Natur von Kindheit angewehnt

Davon kein Uberfluß die Liebenden beschweret.

Nun hatte

Er wolte ihre Pracht hinführo nicht mehr ehren

Weil aber noch sein Hertz von Liebe ward geplagt

So ließ er diesem Spruch auf seinem Rück-Weg hören.

Cupido, der du mich durch deinen Schein berückt

Und in ein Schatten-Bild den lüstern Geist en tzündet

Mach’ ander Orten mich durch deine Gunst beglückt

Daß

Weis mir ein Mädgen an das

In dessen Angesicht sich

Wo von dem Wangen-Feld die Rose niemahls weicht

Und solche Brüste hat den Liljen weichen müssen.

Das Hertze laß wie Sammt nicht Stahl und Eisen seyn

So daß ich ohne Quaal ihr Hertze mag gewinnen

Und sie mich mitder Zeit nimmt in die Muschel ein

Wo Seel’ in Seele ruht und Geist-in Geister rinnen.