An Adoniden

By Gottfried August Bürger

Written 1782-01-01 - 1782-01-01

O Adonide, welche Kraft

Zwingt alle Kerzen, dir zu schlagen?

Die Huldgöttinnen könnten's sagen;

Verrieten sie die Wissenschaft.

Käm' uns Homer zurück ins Leben,

Und fühlte diesen Drang und Zug;

Würd' er die Schuld dem Gürtel geben,

Den Venus um den Busen trug.

Weißt du, was er davon gesungen?

Darein war alle Zauberei

Der Liebe, Lächeln, Schmeichelei

Und linder Zephyrsinn verschlungen;

War Witz verwebet, froh und leicht,

Und ah! das süße Huldgekose,

Das, wie ein mildes Öl der Rose,

Sogar des Weisen Herz beschleicht.

Nicht Jugendreiz, der bald verblühet,

Es ist die ewige Magie

Des Gürtels, den dir Venus lieh,

Der so die Herzen an sich ziehet!

Und noch im Herbste werden die

Für dich, wie jetzt im Lenze, lodern,

Und sehnend Lieb' um Liebe fodern:

Denn Huldgöttinnen altern nie.