An Algerthen

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Ach! könte doch mein geist durch meine feder fliessen

Wie gerne schlöß er sich in diese reimen ein

Wie emsig würd' er dir die süssen lippen küssen

Und einer biene gleich auff deinen rosen seyn.

Er würde zärtlich sich auff ihre blätter legen

Und durch den honig-thau bald truncken seyn gemacht.

Dein purpur würd' in ihm dergleichen trieb erregen

So nur das paradieß zu erst hat angelacht.

Auff deinen bergen würd' er rothe beeren suchen

Wohin dringt endlich doch lieb und auch fürwitz nicht?

(Ich muß aus ungedult auff das verhängniß fluchen

So unlust stählern macht und lust wie glaß zerbricht.)

So bleibt mein schwacher geist in seinen liebes-schrancken

Und kommt wie dieser brieff Algertha nicht zu dir

Verschluckt die hoffnungs-kost und tränckt sich in gedancken

Was ich nicht melden kan verdolmetscht das papier:

Wer offtmahls wenig sagt thut allzu viel zu wissen

Nimm meiner liebe pfand die schlechte reimen an:

Du wirst das leben mir ie mehr und mehr versüssen

Wenn ich in deiner gunst seyn und auch sterben kan.

Du schickst mir einen brieff geziert mit weisser seide

Mit gold der zierligkeit und perlen ausgeschmückt.

Und meiner der ist schwartz und geht wie ich im leide

Daraus die traurigkeit an allen orten blickt.

Algerthe wo soll ich doch endlich worte finden?

Ach! was gewähr ich dir für deine freundlichkeit.

Es will mich deine faust mit solchen seilen binden

Die nicht zernagen kan der scharffe zahn der zeit.

Du weist der seelen selbst die fässel anzulegen:

O süsse dienstbarkeit so nach der freyheit schmeckt!

Du kanst mehr lieblichkeit durch deine hand erregen

Als nicht in Indien das zucker-rohr verdeckt.

Wie ist dein schöner brieff doch mit zibet bestrichen

Und wie verschwenderisch ist deiner worte pracht:

Ein iede sylbe will nach mosc und ambra riechen

So dich zur herrscherin und mich zum sclaven macht.

Doch zeucht vor andern mich dein redliches gemüthe

So wie ein heller stern aus deinem brieffe dringt.

Es rühret meinen geist und reget mein geblüthe

Ich fühle wie sein strahl die seele mir bezwingt.

Du zeigst mir unverstellt die reinen liebes-flammen

Das feuer das durch dich auch mich zugleiche brennt.

Es reimt sich in der welt doch nichts so wohl zusammen

Als wenn sich eine brunst der andern freundin nennt.

In dieser wollen wir als Salamander leben

Die tugend trägt uns stets ihr reines öle zu:

Es wird uns noch die welt das gute zeugniß geben

Es liebe keiner nicht so rein als ich und du.

Und können wir nicht stets der süssen frucht geniessen

So schmeckt doch nichts so gut als wann mans selten schmeckt.

Der wein der mäßig muß in unsre kehle fliessen

Hat in dem magen offt die gröste lust erweckt.

Gefahr verbot und zwang brennt zunder zu der liebe

Verschloßne thürme sind die sparren unsrer lust

Erzürnte blicke seyn die schärffsten buhlschaffts-triebe

Und die bestraffung selbst erhitzt uns geist und brust.

Der lange winter giebt dem lentz die beste zierde

Der schönste sonnenschein kommt aus der schwartzen nacht:

Verbotne frucht vermehrt dem menschen die begierde

Und folgen haben offt glaß zu rubin gemacht.

Wer ungestöret liebt ist mehr als halb gestorben

Wer täglich zucker käut spürt keine liebligkeit.

Die speisen haben selbst den besten ruhm erworben

Darauff der kluge koch ein scharff gewürtze streut.

Auff dornen schauet man die schönsten rosen blühen

Der sturm mehrt wie man glaubt den perlen ihren schein

Und dürffte man sich nicht darnach so weit bemühen

So würden sie nicht mehr als grauß geschätzet seyn.

Man muß Algerthe sich mit der vernunfft bestillen

Und dencken daß der durst den krancken anmuth giebt

Vergnügung paart sich nicht mit allzufreyem willen

Der liebet ohne lust der ungestöret liebt.

In dieser hoffnung will ich meine reime schliessen

Es schaut mir itzt die nacht mit schwartzen augen zu.

Ich hoff ich will dich bald in einem traume küssen

So nach dem himmel schmeckt und lieblich ist wie du.