An Amarianen, da sie seine Bitte abgeschlagen.

By Johann Georg Gressel

Es zeigte mir dein Brief so viel Vergnügtes an

Daß ich fast halb entzückt das Siegel auffgethan

Das Siegel so ich mehr als tausendmahl geküsset

Weil es mich allezeit zum freundlichsten begrüsset

Und täglich neue Gunst von deiner Hand gereicht;

Die aber wie es scheint aus dessen Schrancken weicht.

Die Schreib-Art die du brauchst und der ich nicht gewohnet

Hat wie ein harter Sturm des Lebens nicht geschonet

Sie läst mit voller Macht die Unglücks-Winde loß

Und stürtzt mich unverhofft in aller Mutter Schooß.

Kein Donner kan so sehr bey heiterm Himmel schrecken

Kein unversehner Blitz kan solche Angst erwecken

Als wie dein hartes

Die Worte sind so hart die deine Schrifft gehegt

Daß sie mein mattes Hertz im Augenblick entgeistert

Ich wurde fast entseelt von Ohnmacht übermeistert

Sanck ich als wie ein Bild zur Erden gantz erblaßt

Ja hätte mich mein Freund sogleich nicht umgefaßt

Und Balsam dargereicht so wär ich gar verblichen

Die Geister waren schon in

Woraus sie dessen Hand so weit zurück gebracht

Daß mir des Tages-Schein aus dunckeln Wolcken lacht.

Denn deine Hand ließ mir in wenig Worten lesen

Daß deine Freundlichkeit verstellter Schertz gewesen.

„es kriegt mein Liebster nur von mir das Liebes-Pfand

„begnüge dich daran daß dich mein Mund geliebet

„der nicht so gleich das Hertz zur Wechsel-Banck hingiebet.

Hiemit ward mir der Korb gantz höfflich zugestellt

Mein Urtheil wurde mir gleichsahm im Schertz gefällt.

Mein Hoffnungs-Schiff treibt nicht in den gewünschten Haven

Amariane wähl't mich nicht zu ihren Sclaven.

Weil aber dieser Spruch mir allzu herbe scheint

So habe ich dein Knecht allzeit und noch vermeynt

Daß es dein Ernst nicht sey was du so hart geschrieben

Ich hoffe daß du wirst mich wie vorhero lieben.

Ich will dein eigen seyn mit Hertze Hand und Mund

Und dieser machet dir die schönen Fesseln kund

Damit du meinen Geist als einen Sclaven drückest

Und in die Dienstbarkeit so schöner Augen rückest.

Zieh doch die Larve ab so dein Gesicht verstellt

Blick deinen Selaven an so dir zu Fusse fällt

Und laß mich doch das Band das Band der Liebe kriegen

Woran mein Leben hengt und was mich kan vergnügen.