An Arbinen
By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Arbine ineine hand geht itzund tieff im leide
Sie hat gleich wie mein hertz die trauer angelegt
Sie weiß von keinem schmuck und leidet keine seide;
Indem sich nichts als angst in ihren adern regt.
Du wirst auch ihre schrifft nicht gar zu wohl erkennen
Wem hertz und finger bebt der schreibt nicht allzugut.
Es scheint ich soll nicht mehr in freuden-flammen brennen
Ach! daß der himmel mir so grosses unrecht thut.
Wo ist die edle zeit wo seyn die süssen stunden?
Genieß ich dann nicht mehr der heissen liebe pfand?
Ach die vertrauligkeit ist allbereit verschwunden:
Vor schmertzen fället mir die feder aus der hand.
Ich zürn itzt auff mich selbst. Verwirrung der gedancken
Ist meine morgen-kost und auch mein abend-brod.
Es scheint daß überall die freundschaffts-pfeiler wancken
Und meine freundin wird zur schmidin meiner noth.
Arbine liebst du mich? Du sagsts: Ich muß es glauben.
Durch nasse zeugen will der schwur versiegelt seyn.
Du liebst und wilst mich doch der liebe frucht berauben
Und führst aus Eden mich in dürre felder ein.
Du wirst hinkünfftig mir die augen noch verbinden
Es paart sich grausamkeit und liebe nicht zu wohl
Ich kan mich warlich nicht in deinen willen finden
Du lehrst mich denn zuvor wie ich dich lieben soll.
Mit was hat doch dein freund die härtigkeit verschuldet
Daß ihn dein herber schluß mit solchem jammer tränckt?
Und mit vergessenheit und unlust ihn besoldet?
Ach würd ich doch zugleich itzt in ein grab gesenckt!
So läg ich in der ruh befreyt von allen plagen
Es fielen mich nicht mehr die unglücks-wellen an:
Ich weiß du würdest doch nach meinem tode sagen:
Hier ruht ein werther freund dem ich zu viel gethan.
Ach! könt ich seinen leib dem bleichen schnee entführen
Er würde nicht wie er durch liebes-durst verzehrt:
Er solte nichts als milch erhitzter küsse spüren;
Denn seine göldne treu ist solcher säffte werth.
Verzeihe freundin doch der freyen art zu schreiben:
Du schaust allhier die frucht verwirrter ungedult
Kan witz und feder nicht in ihren angeln bleiben
So tadle doch nicht mich es bleibet deine schuld
Es spielt ich weiß nicht was tieff unter meiner stirne
Der argwohn richtet mir ein distel-bette zu:
Es schwermet mir itzund betrübniß im gehirne
Ist kein erbarmen mehr? Arbine schläffest du?
Könnt ich das alte jahr doch nur zurücke ruffen
Indem mir mund und hand so manche lust gewährt.
Mich hieß die höflichkeit canari-zucker hoffen
Der sich ich weiß nicht wie itzund in wermuth kehrt.
Mich tröstet endlich noch ein süsses angedencken
Wie dein geneigter blick so freundlich mich empfing;
Laß ihn doch dergestalt bald wieder auff mich lencken
Wenn er als morgen-stern mir frisch entgegen gieng.
Diß alles kützelt mich empfindlich im gemüthe.
Mich deucht ich schmecke noch den süssen liebes-most.
Und die erinnerung erschüttert mein geblüte
Und rühret noch in mir die funcken meiner lust.
Arbine setze doch das uhrwerck meiner sinnen
(Es geht ja wie du wilst) in seinen alten stand.
Mein frölich seyn mein schlaff mein reden mein beginnen
Entsprüssen nur durch dich als früchte deiner hand.
Hab ich gesündiget so will ich redlich büssen
Nur melde mir zuvor auch mein verbrechen an.
Ich werffe mich als knecht zu deinen werthen füssen
Und zeige was ein mensch aus liebe leiden kan.
Ich mag mit heucheley nicht diese blätter füllen
Das weiß ich daß ich dich mit willen nicht verletzt:
Denn mein gesetze floß allein aus deinem willen
Dein wincken hab ich stets für ein gebot geschätzt.
Soll ich verworffen seyn so muß ich es zwar leiden
Ich reisse nicht den schluß des strengen humnels ein.
Jedoch Arbine kan mich endlich nicht vermeiden
Denn ihre untreu wird noch meine rache seyn.
Ach! freundin nicht zu scharff bleib was du stets gewesen
Geuß nicht den unlust-sturm auff mich zu häuffig aus;
Laß nach gewohnheit mich die freuden-rosen lesen
Und zeige mir doch nicht vor perlen ziegel-grauß.
Was wilt du deinen freund mit gall und wermuth träncken
Der dich du weist es wohl mehr als sich selber liebt?
Wie kanst du einen knecht in kummer-sand versencken
Der dir das hertze selbst zu einem geissel giebt?
Laß die vertrauligkeit nicht in der blüte sterben
Die blum ist traurens werth die ohne frucht vergeht:
Und laß bey meiner treu mich das gelück ererben
Daß dein beständig seyn an meiner seiten steht.
Mich deucht ich sehe schon die schönen augen-blicke
Wie deine freundlichkeit auff allen seiten lacht;
Und wie sich wiederum das flüchtige gelücke
So vormahls feindin war sich mir zur freundin macht.
Der ungemeine thau der schwätzigen rubinen
Benetzt mich allbereit mit seiner alten art;
Ich bilde mir itzt ein mein lust-stern sey erschienen
Und meine wollust hält itzt ihre himmelfahrt.
Doch dieses alles sind nur hole wunsch-pasteten
Und schüsseln mit der kost von hoffnung angefüllt;
Diß alles rettet mich noch nicht aus meinen nöthen
Durch leere becher wird kein heisser durst gestillt.
Arbin' es muß dein eiß in flammen sich verkehren:
Entschleuß mir wiederum die schätze deiner brust
Laß deinen nebel sich in sonnenschein verkehren
Und spare doch nur nicht die tropffen süsser lust.
Sprich nur ein süsses wort aus deinem schönen munde
Dein wincken macht bey mir den grösten feyertag:
Benenne mir doch bald die angenehme stunde
Da ich dich wiederum vertraulich küssen mag.